4/10/23 – „Bitte geben Sie ein Passwort ein.“ „Bitte geben Sie ein Passwort ein.“ „Bitte geb…“

Ich

Liebes Tagebuch, heute war ein sehr langer Tag. Er war eingerahmt von zwei Terminen, auf die ich so mittelmäßig viel (aka keine) Lust hatte. Nämlich morgens um neun mit einem ohne mein Zutun anberaumten Gespräch, dessen Sinnhaftigkeit ich nicht abschließend beurteilen möchte (und währenddessen ich auch nichts gesagt habe, wegen weil) und abends mit einem Elternabend, der um neun endete. Beides hatte ich mir nicht ausgesucht (und mich nicht freiwillig gemeldet, macht man halt trotzdem), der Elternabend aber war inhaltlich erkenntnisreich. Ich mag die Lehrerin jetzt schon, weil ich gut mit pragmatischen Menschen kann, die nix unnötig in die Länge ziehen. Und ich mag die Schule nach wie vor, auch wenn sie, verglichen mit der Bullerbü-Grundschule auf dem Dorf, eine bildungstechnische Großstadt ist. Es wird vermutlich noch ein paar Wochen ruckeln, bis alles rund läuft, aber dann sehe ich dem ganzen positiv entgegen. Die Wissenstandskontrolle, die in Sachen Lesen und Leseverständnis geschrieben wurde, ist jedenfalls optimal ausgefallen. Den Rest kriegen wir auch noch hin. Sind ja nur noch acht Jahre weniger vier Wochen.

Job

Der Rest zwischen Krisengespräch und Elternabend war damit ausgefüllt, mit dem Mail-Server zu streiten, der plötzlich fand, ich bräuchte keinen Zugang mehr zu dienstlichen Mails. Und müsse stattdessen ein Passwort eingeben. Das Passwort eingeben. Das Passwort bitte. Ihr Passwort. Jetzt. Noch einmal. Ein Passwort. PASSWORT. Oh, Ihr Konto ist gesperrt, bitte versuchen Sie es später noch einmal.

Weil wir ja keine kleine Klitsche mehr sind, sondern ein moderner Großkonzern und ich ja nicht mehr einfach die hauseigene IT anrufen kann, die ein Stockwerk unter mir sitzt, schrieb ich ein Ticket, das ein ITler etwa 100 Kilometer entfernt lesen, verstehen und bearbeiten muss, der es dann an den ITler schickt, der ein Stockwerk unter mir sitzt. Und dieser geht dann, vollumfänglich beauftragt und autorisiert vom 100km-Kollegen, die Treppe hoch, um mein Problem zu lösen. Ist alles viel effizienter und konzerniger, als wenn ich einfach zum Telefon griffe, um im Stockwerk unter mir … egal.

Nun, ich habe die Regeln nicht gemacht. Ich schickte also ein Ticket per E-Mail, in dem ich beschrieb, dass ich Probleme mit dem Mailserver habe. Hihi. Es dauerte – wenig überraschend – den ganzen Tag … und ich bekam keine Antwort. In der Zeit, in der ich allerdings unbehelligt von geschriebenen Zwischenrufen bleib, entstand ein ausführlicher Artikel eines Politikers, der neulich Redaktionsgast war. Es hat ja schon auch sein Gutes, wenn einen keiner stört. Am späten Nachmittag wagte ich dann aber doch den Regelverstoß und rief selbsttätig (!) ohne Ticket (!) in der hauseigenen IT an. Stellte sich heraus, dass der Kollege nichts von meinem Problem wusste, es aber innerhalb von zehn Minuten beheben konnte. Per Teamviewer, weil nicht mal Treppe hoch nötig und so … aber modern sind wir. Ansonsten gebe ich zu, dass mir der alltägliche Unbill angesichts meiner Auszeit gerade etwas am A… sagen wir, es tangiert mich nicht mehr so, dass es Auswirkungen auf meinen Blutdruck und meine Nachtruhe hätte. Was ich außerordentlich begrüße. Aint‘ nobody got time for bullshit.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane, einen (ungewaschenen! Weil ein Versehen! Ich werde sterben!!) Apfel, einen großen, duftenden Teller Penne mit Tomaten-Mozzarella-Soße inklusive Käselangziehfäden und heute Abend ein Schokomüsli mit Blaubeeren, weil zu kaputt für Brot-Schmier-Aktionen. Und zwischendurch zwei Haribo-Regenbogen-Schlangen.

Gelaufen: Die 3,4 km Hunderunde ohne Hund in mentaler Vorbereitung auf den 9-Uhr-Termin.

Gelesen: Eigene Texte, ein Stück Zeitung, Elterninfos.

Gefreut über: Pragmatische Menschen, die beste Mittagessens-Crew (ich lieb Euch von Herzen, ihr wisst wer ihr seid), das beste Mittagessen, die Sonne, das Ende des Tages.

Geärgert über: Lassen wir’s.

3/10/23 – Das schlappe Schneewittchen und die 7 Esel

Ich

Als ich heute morgen steif und gerädert im Bett meiner Tochter aufwachte, war es kurz vor halb acht. Eigentlich hätte ich gleich joggen gehen sollen, aber ich legte mich nochmal hin (in mein Bett) und schlief wieder ein. Und beim zweiten Mal aufstehn war ich müder als zuvor. Und irgendwie verfolgte mich diese Schläfrigkeit den gesamten Tag. Die Spazierrunde heute morgen war anstrengender als gewohnt, ich beschloss, das geplante Laufen am Nachmittag ausfallen zu lassen. Womöglich habe ich mir die Erkältungsviren der Kleinen schon eingefangen.

Immerhin habe ich es geschafft, unser Schuhregal auszumisten – warum wachsen Kinder eigentlich so irre schnell?! Ich hab die gar-nicht-mehr-so-Kleine heute Abend nach dem Föhnen an die Messlatte gestellt und festgestellt, dass sie in den letzten 2 Monaten gute 3cm gewachsen ist. Sie kratzt an der 1,50-Marke – am Schneewittchen, das das obere Ende der Latte ziert …bald spuckt sie mir auf den Kopf.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane, ein Apfel, Blumenkohl, Grillgemüse und Nudeln und heute Abend Spaghetti mit Gemüse.

Gelesen: Tageszeitung

Gelaufen: An Eseln vorbeispaziert, 6km immerhin

Gefreut über: Das aufgeräumte Schuhregal, den Babyesel mit den plüschigen Ohren und die Aussicht auf die nahende Auszeit.

Geärgert über: Dass ich morgen einen unsinnigen Termin aufgedrückt bekommen habe. Augen zu (und Klappe halten).

2/10/23 – Neid oder Vorbild?

Ich

Auf Instagram tummeln sich viele schöne Menschen mit perfekten Nägeln, Pfirsichhaut und vollen Lippen. Ich weiß, diese Schönheitspflege, die dahinter steckt, nennt sich Photoshop und Filter. Nicht bei allen, aber bei vielen. Deswegen ist Neid auf Insta-Beautys absolut unnötig, denn kaum jemand zeigt einen unperfekten Schnappschuss, sondern DAS perfekte Bild aus einer Menge unperfekter.

Ich kann nicht behaupten, dass der Anblick durchtrainierter Menschen mit strahlendem Lächeln keinen Eindruck bei mir hinterlässt. Aber er ist weit weg von dem, was gemeinhin unter Neid verstanden wird. Ich folge diesen Konten eine Weile. Ist mir der Inhalt zu oberflächlich, entfolge ich ihnen. Aber manchmal entdecke ich dabei auch Persönlichkeiten, die mich beeindrucken. Und bei näherer Betrachtung fand ich raus, dass es immer die Persönlichkeiten sind, die mit einer gewissen Disziplin ihre Ziele verfolgen. Nicht nur auf Instagram, sondern auch im echten Leben. Ich schaue auf zu Menschen, die weitermachen, wenn es schwierig wird. Die dranbleiben, wo die meisten hinschmeißen. Die schlechte Läufe, schlechte Radtouren wegstecken und nur nach vorne gucken. Die sich an die eigenen Versprechen erinnern und sie einhalten.

Sie sind selten, denn dieses „Innerer Schweinehund“-Syndrom ist weit verbreitet – die allermeisten haben mehr Ausreden als Gründe, dranzubleiben. Umso mehr schätze ich diese Disziplin an den wenigen anderen und nehme mir an genau ihnen ein Beispiel. An Mehrfachmüttern, die sich morgens um fünf zum Laufen aufmachen, weil sie sonst keine Zeit mehr finden, dem Sport aber eine Priorität einräumen. An beruflichen eingespannten Vätern, die sich in ihrer Freizeit eben nicht auf die Couch setzen, sondern Sport machen. Der Gesundheit zuliebe, um den Kopf freizukriegen oder einfach weil sie es sich mal vorgenommen haben. Und nicht nur Sport – ich schaue auch auf zu Leuten, die mit derselben Disziplin ihren Haushalt erledigen, eine Sprache lernen, sich zuverlässig wie ein Uhrwerk um andere kümmern – und eben dranbleiben, egal, ob es bequem ist oder nicht.

Talking about Disziplin: Ich habe heute mein Radfahr-Ziel für dieses Jahr erreicht und bin tatsächlich ein bisschen stolz drauf. Wer mich kennt, weiß, dass das Fahrrad und ich immer Endgegner waren.

Habt ihr Vorbilder? Und wenn ja, was kennzeichnet sie?

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Frühstück beim Bäcker mit Brot und Käse, Frischkäse, Butter, Marmelade, Obst und Gemüse, heute Abend dann eine Feige, ein Stück Körnerbrot mit Butter und sehr viele Knoblaucholiven. Und gleich noch eine Banane, ich würde sie ja sonst vermissen.

Übrigens: In dieser Rubrik taucht nie Süßkram auf, weil ich den immer erst esse, nachdem ich gebloggt habe. Sollte also der Eindruck entstanden sein, ich sei ein disziplinierter Nicht-Schlecker: Nein. Gestern waren es sechs oder sieben gefüllte Lebkuchenherzen und ein paar Cracker auf der Couch. Ich verkneife mir nichts, versuche es aber in Maßen zu halten.

Gelesen: Amazon-Angebote eines Fitnessgeräts, das demnächst mein kleines Fitness-Studio ergänzen wird – ich freu mich wie verrückt, wird aber noch nicht verraten.

Gelaufen: Nein, aber 11km geradelt und dann noch gute drei spaziert. 9500 Schritte sind es heute geworden.

Gefreut über: Das Radl-Ziel geknackt und noch ein Quartal übrig zu haben. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ich die freie Zeit, die auf mich zukommt, mit Me-Time in Form von Sport füllen möchte.

Geärgert über: Nix. Auch mal schön.

11023 – Zwiebeln, Zwiebeln, Zwiebeln. Und Menschen.

Ich

Eigentlich schlafe ich ziemlich gut. Einschlafprobleme kenne ich nicht, ich lege mich hin, mache die Augen zu und es ist Sendepause. Wenn ich länger als fünf Minuten wach bin, weiß ich, dass irgendwas nicht stimmt. Neuerdings informiert mich meine Fitnessuhr darüber, wie meine Schlafphasen waren. Erstaunlich oft stimmt mein Gefühl, wie ich geschlafen habe, mit den Angaben der Uhr überein. Meine Tiefschlafphasen allerdings überraschen mich dann doch, offenbar schlafe ich immer so um die fünf von sieben Stunden völlig regungslos. Sagt die äußerer Uhr. Meine innere Uhr weckt mich neuerdings allerdings auch zuverlässig um sechs das erste Mal, ganz ohne Wecker. Die würde ich am Wochenende gerne abschalten, aber den Schalter habe ich noch nicht gefunden. Bin gespannt, ob sich das mit etwas mehr Entspannung ändert oder gleich bleibt.

Wir

Heute war Familientag. Eltern, Schwiegereltern, Kind, Mann, alle waren wir am Bodensee auf der Höri beim Büllefest. Wir und drölftausend andere Eltern, Schweigereltern, Kinder…. ihr wisst schon. Nach zwei Runden durch den kleinen Ort, dessen Einwohnerschaft ums tausendfache gestiegen ist heute, hatten wir alle genug. Zumal wir mittlerweile Oktober haben und das Wetter immer noch im August hängt. Irgendwie ist gefühlt immer noch Hochsommer.

Auf der Heimfahrt schmiedete ich Pläne, wie ich nach all dem langsamen Getrotte meinen Bewegungsdrang noch in den Griff kriegen könnte. Ich schwankte zwischen Laufen und Ergometer bis der Mann mit der Idee daher kam, eine Runde mit dem richtigen Rad zu drehen. Der Start verzögerte sich dann aber allein deswegen, weil jemand an der Haustür ins Schwätzen kam. Und die Tour verkürzte sich eklatant, weil der Mann nach einem guten Kilometer merkte, dass er relativ plattfüßig unterwegs ist.

Wir sind dann einfach noch eine Runde spaziert. Heute mal nicht geschwitzt, auch schön. (Wobei ich’s auf der Rückfahrt einen Berg raufgeschafft hab, bei dem ich sonst immer geschoben habe. Das Training zahlt sich eben doch aus.)

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Zwei Pflaumen, eine Portion Krautschupfnudeln, ein Stück Zwiebelkuchen, ein Käsebrot, Gurke, Tomaten und Oliven

Gelesen: Nüscht.

Gelaufen: Siehe oben, spaziert immerhin. Die Uhr hat fast zehntausend Schritte gezählt, besser als nix.

Gefreut über: Den Familienausflug mit drei Generationen. Ich schätze sowas sehr.

Geärgert über: Menschen, die sich in größeren Gruppen mit den Ellbogen rücksichtslos durchdrängeln und vordrängeln. Irgendwie scheint Rücksichtnahme aus der Mode gekommen.

30/9/23 Warum 15 reichen und der Rest trotzdem wichtig ist

Ich

„Mama, wieviele Kontakte hast Du eigentlich bei Whatsapp?“, wollte meine Tochter neulich wissen. Ich guckte nach und sagte „167.“ Sie riss ihre großen blauen Augen auf und sagte „HUNDERTSIEBENUNDSECHZIG??? SO VIELE LEUTE KENNST DU?“ Ich nickte. Und kam ins Grübeln. Klar, ich kenne jeden, dessen Nummer ich im Adressbuch habe. Aber ich kenne ja noch so viele Menschen mehr. Da sind Menschen aus meiner Gegenwart, aber auch viele Menschen aus meiner Vergangenheit, die mich ein Stück des Lebenswegs begleitet haben. Ehemalige Arbeitskollegen zum Beispiel, die eine ganze Weile zu meinem täglichen Leben dazugehört haben, die mein Leben irgendwie ausgemacht haben. Und dann nicht mehr, weil sie gegangen sind oder weil ich die Richtung geändert habe.

Ich dachte darüber nach, wie sehr mein Leben geprägt ist von den Menschen, die es mit mir teilen, ganz aktuell. Aus Bekanntschaften sind Freundschaften geworden, ein paar wenige halten schon fast mein ganzes Leben lang. Aber viele dieser Bekanntschaften sind Abschnittsgefährten, sie kommen, bleiben eine Weile und gehen wieder. Und es ist in Ordnung so.

Mit zunehmendem Alter entwickelt man auch ein ganz gutes Gespür dafür, wer einem gut tut und wer nicht. Wer einen unbeschwert lachen lässt, wer auf der selben Wellenlänge liegt. Und wer einem Energie entzieht und einen anstrengt. Ich habe gelernt, dass es mich stresst, wenn ich über jedes Wort nachdenken muss, bevor ich es ausspreche. Ich möchte stattdessen lieber Menschen um mich haben, für die ich mich nicht verbiegen muss. Letzteren sollte man möglichst viel Zeit widmen, denn sie sind nicht selbstverständlich. Hätte ich nur solche Menschen in meiner Kontaktliste, so wären es statt 167 vielleicht 30. Aber zum Leben gehört wohl auch die Herausforderung, sich außerhalb der eigenen Komfortzone zurecht zu finden. Insofern hat jeder Kontakt seinen ganz besonderen Wert. Dass ich von den 30 vermutlich nicht mehr als 15 um einen Rat bitten würde, das ist ja eine ganz andere Sache. Arm bin ich deswegen trotzdem nicht. Ganz ehrlich: Wenn mir 15 Ratschläge nicht reichen, wäre mir ohnehin nicht zu helfen.

Wir

Achteinhalb Stunden Apfelsaftimperium und einige tausend Liter später: Der Körper ist zu mehr fähig, als man gemeinhin so denkt. Ich habe knapp 12.000 Schritte auf der Uhr und den größten Großteil davon in einem Radius von 20 Metern gemacht – von der Abfüllanlage zur Palette und zurück. Ich habe heute über drei Tonnen mit den Händen bewegt und spüre das auch. Aber die körperliche Auslastung macht durchaus zufrieden. Ich fühle mich erschöpft aber anders, als wenn ich nach 10 Stunden aus der Redaktion komme. Es fühlt sich auf keinen Fall schlechter an. …

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Oh ja! Eine Packung Hüttenkäse mit Banane (da war sie wieder), Erdnussmus und Blaubeeren, eine Schüssel Gemüsereis (Löffelweise beim Arbeiten), eine Feige, einen Keks und heute Abend eine wohlverdiente Pizza mit Champignons, Artischocken und Spiegelei.

Gelesen: Auftragszettel. Fünf Liter? Zehn Liter? Ohne Karton? Mit Karton? Ist das eine 3 oder eine 9? Wessen Sauklaue ist das?

Gelaufen: Wie gesagt, die Uhr sagt 8km, allerdings auf minimaler Fläche.

Gefreut über: Einen sehr sehr sehr schönen Abend beim Italiener mit Menschen der 15-er Kategorie. <3

Geärgert über: Menschen, die nicht mal ein „Guten Morgen“ oder ein „Danke“ über die Lippen bringen, weil sie scheinbar die Kinderstube mit dem Düsenjet passiert haben. Aber mei.

29/9/23 – Eine Frau aus Au.

Ich

Mein Körper ist nicht mehr derselbe, der er gestern noch war. Heute bin ich eine andere. Eine, die nicht aus Muskeln, sondern aus Muskelkater besteht. Während meine Beine die Dreiviertelstunde Joggen, halbe Stunde Radeln und sechs Stunden Stehen beim Apfelsaftabfüllen mit links weggesteckt hatten, macht mein Bauch wegen der zehn Minuten Bodyweight heute einen auf Jammertal. Lachen, Husten, Niesen, Autofahren, Aufstehen… alles tut weh. Und ja, selber Schuld. Aber auuuu … ich teste, ob ein warmes Bad hilft. Seit anderthalb Stunden schon. *aus der Wanne gebloggt

Ansonsten hatte ich heute einen freien Tag geplant und dann viel mehr gemacht, als gedacht. Der Pool ist abgebaut und verräumt, der Haushalt in Teilen erledigt, ein Geschenk auf den Weg gebracht, ein anderes besorgt. Die Uhr hat mehr als 16k Schritte gezählt, Ruhetage sind was anderes. Nun ja.

Die zehn Wochen Freizeit füllen sich im Übrigen ganz zögerlich mit Leben, ich will auf alle Fälle den Albsteig zuende wandern. Und ich denke über einen Sportkurs nach. Und womöglich bring ich das Projekt „kraulschwimmen lernen“ nochmal aufs Tapet.

Wir

Das Kind wird größer und die Pubertät klopft an. Ich führe Diskussionen ums Aufräumen, Versprechen einhalten und Englischvokabeln. Und eben allerlei Pflichten, die man mit fast elf so hat. Heute war Besuch mit einer Dreijährigen da. Der Papa klagte, dass sie grade sooo eine Trotzphase durchmache. Ich lächelte altersweise.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: eine Banane (history repeating), einen Kaffee-Joghurt (hatte ich heute Lust drauf), Lachs mit Reis und Gemüse, Rührei und Käsebrot.

Gelaufen: Aus guten Gründen nicht, aber gut 5km spaziert um sieben heute Morgen

Gelesen: nur die Post und die Arbeit meiner arbeitenden Kollegen

Gefreut über: Den schönen Morgenhimmel voll rosa Wattewölkchen.

Geärgert über: Das Kind. Aber auch wieder verziehen und geknuddelt. Diese eine Liebe …

28/9/2023 Vom Auspowern und vom Überauspowern

Ich

Es gibt Tage, an denen ich beim Aufstehen schon weiß, wie der Tag wird. Manchmal weiß man, dass es das Beste wäre, im Bett zu bleiben. Und macht dann eben das Beste draus.

Aber heute war er richtige Vibe schon von Anfang an angelegt. Heute morgen wusste ich beim Aus-dem-Bett-Krabbeln, dass ich mich zum Sport nicht würde aufraffen müssen. Ich hatte Lust auf Laufen. Ich begleitet also meine Tochter zur Bushaltestelle und lief um kurz nach sieben in den Sonnenaufgang. Und lief und lief und lief eine große Runde bis wieder nach Hause. (Neulich hatte ich während eines Laufs kurz daheim eingebremst, um Pipi-Pause zu machen. Weil ich so verschwitzt war, schaufelte ich mir kurz eine Hand voll Wasser ins Gesicht und trocknete meine Hände mit einem Stück Klopapier ab. Was ich nicht bemerkte: Eine Schicht Klopapier blieb an meinem Handrücken kleben. Und damit joggte ich morgens durch den Ort und begegnete zig Menschen … shit happens, auch ohne shit).

Heute morgen aber klopapierlos unterwegs, und weil ich noch immer nicht ausgepowert war, hängte ich 13 Radelkilometer dran und eine kurze Bodyweight-Einheit. Und als ich DANN so richtig schön müde nach der verdienten heißen Dusche war, wurde mir bewusst, dass heute ein Apfelsaft-Tag ist – sprich, wir hatten heute den Familienbetrieb offen und es wurde anstrengend und spät. Und jetzt, gut 19500 Schritte später, bin ich sowas von platt. Ich weiß schon jetzt sehr sicher, dass morgen kein Sportvibe übrig ist. Nicht mal ein Vibechen. Aber: Alles hat seine Zeit.

Job

Heute nicht. Heute hatte ich frei. Und morgen – hab ich auch frei.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse mit Erdnussbutter und Banane, Spaghetti mit Pesto, eine Butterbrezel mit Käse und dazwischen ein Duplo und noch eine Banane.

Gelaufen: 6,1 Kilometer

Gelesen: Keine Zeit gefunden

Gefreut über: Das Gefühl, zu spüren, dass die Ausdauer sich verbessert. Das war heute morgen beim Laufen ein richtiger Aha-Effekt.

Geärgert über: Nix. Siehe Kapitel „Job“, das erklärt wohl alles. 🙂

27/9/23 – Das zähe Luder!

Ich

Wer viel mit Texten zu tun hat oder viel redet, vertippt oder verspricht sich eben auch manchmal – heute morgen habe ich gegackert, als der Referent des Oberbürgermeisters von (eigentlich ernstes Thema, nämlich:) einem Brand in einer Obdachlosenunterkunft in der vergangenen Nacht berichtete. Am Schluss versicherte er „dass die Bewohner aber mittlerweile anderweitig umgekommen sind. … UNTER! UNTERGEKOMMEN! OGOTT!!“

Das erinnerte mich daran, dass eine Stadtplanerin zu einem Baugebiet vor einiger Zeit in die Sitzungsvorlage geschrieben hatte, falls die geplanten Bauplätze nicht ausreichten, weil mehr Interessenten als gedacht da wären, es zu „bedarfsgerechten Erschießungen kommt“. So löst man Probleme sehr endgültig. 😉

Auch wir Redakteure sind vor Fehlern nicht gefeit. Und manchmal spielen uns dann auch noch die Korrekturprogramme einen Streich: So habe ich beispielsweise im letzten Moment noch gemerkt, dass das Korrekturprogramm aus einem Ortsnamen „Zellhaufen“ gemacht hatte. Und ein Kollege hat versehentlich einen Feuerwehrmann in seinem Text zum „Löscheimer“ statt zum Löschmeister befördert. Dessen Freude hielt sich tags drauf in Grenzen.

Job

Ich startete den Arbeitstag also einigermaßen erheitert und das ist in meinem Job jetzt auch nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit zur Zeit. Ich übe mich in maximaler Gelassenheit, die Auszeit ist nah. Und bis dahin versuche ich, noch möglichst viele Geschichten ins Blatt zu kriegen. Heute morgen ist mir beispielsweise bewusst geworden, wie viel Zeit in der täglichen Konferenz auf der Strecke bleibt, in der wir uns so oft in kleinteiligen Grundsatzdiskussionen verlieren, weil jeder zu allem eine Meinung hat. Und sie dann auch mitteilen muss.

Meine Tochter hat einmal in der Woche eine Stunde Zeit für einen Klassenrat. Womöglich wäre diese eine Stunde pro Woche für Diskussionen viel wertvoller, als sie jeden Tag aufs Neue zu führen. Aber was weiß ich schon.

Den Satz des Tages formulierte heute die gute Seele unseres Hauses so treffend: „Wenn man in dem Laden nicht krank wird, ist man echt ein zähes Luder.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane, einen Teller Spaghetti Puttanesca, einen Teller Pommes. (Oliven und Kapern sind auch Gemüse!)

Gelaufen: Die Hunderunde, heute mit Hund (nicht meiner) spaziert. 8300 Schritte sind vollbracht, mehr werden’s heute nicht mehr.

Gelesen: Mails, eigene Texte, fremde Texte. Und mails.

Gefreut über: Den kurzen Plausch mit meinem Lieblingsitaliener, den digitalen Austausch mit lieben Menschen. Auch ne Erkenntnis – wenn ich an dieser Stelle drüber nachdenke, was mich gefreut hat, sind es sehr oft Menschen. Womöglich bin ich gar nicht so soziophob, wie ich immer dachte.

Geärgert über: Nichts. Allenfalls darüber, dass ich so gerne einen Little-Mammut-Marsch mitgelaufen wäre, aber der Termin überhaupt nicht passt. Aber das ist jetzt wirklich Jammern auf hohem Niveau.

26/9/23 – Von Chemikern, Komikern und ethischen Kindern

Ich

Ein Buch schreiben, acht Wochen nach Italien verreisen, endlich die ungelesenen Bücher lesen, die im Regal darauf warten, ein Fernstudium beginnen, als Gast Vorlesungen besuchen, jedes Zimmer im Haus entrümpeln oder – schlafen. Auf meine Frage, was ich mit elf Wochen Freizeit anstellen soll, kamen viele produktive Vorschläge. (Nur das mit dem Schlafen hat mich ein bisschen irritiert, ich meine, elf WOCHEN … wofür haltet ihr mich, einen Bären?) Vielleicht mache ich auch etwas ganz anderes und reiße damit die Weltherrschaft an mich, wer weiß das schon.

Im Grunde liegt Schreiben schon sehr weit oben auf der Wahrscheinlichkeitsskala, mein Leben besteht einfach zu einem Großteil genau daraus, denn ich habe die Weichen mal ganz bewusst so gestellt. Heute morgen durfte ich jemanden kennenlernen, der sich für einen ganz anderen Weg entschieden hat und freiwillig (!) Chemie studiert hat. Ich lauschte eine Weile staunend seinen Ausführungen und ließ mir erklären, warum er sich mit seinem naturwissenschaftlichen Background heute für den Klimaschutz einsetzen kann und der Gesellschaft etwas zurückgibt.

Mir ist dabei bewusst geworden, wie viele Lebensentwürfe es eigentlich gibt und wie fragil doch die Linie ist, für die man sich selbst entschieden hat. Einmal anders abgebogen und schon würde ich jetzt als studierte Japanologin alte Schriftstücke übersetzen. Oder so. Oder womöglich mit meinem südamerikanischen Mann Gitarrenunterricht geben. Oder auf Sylt in einem kleinen Laden dänisches Porzellan an Touris verkaufen. Es war haarscharf. Aber es kam dann eben so, wie’s kam: Ich bin Lokalredakteurin geworden und schreibe über studierte Chemiker. Aber vielleicht kann ich in meinen knapp elf Wochen Auszeit ja mal so tun, als wäre ich wo anders abgebogen und mal gucken, wie es hätte sein können. Auf Probe.

Wir

Heute hat das Tochterkind vom ersten Religionsunterricht an der neuen Schule erzählt. Ein paar Kinder sind evangelisch, ein paar katholisch. „Und drei sind ethisch“, sagte sie. Stirnrunzelnd. (Warum gibt es für Mathe eigentlich kein Ausweichfach? Fragen, die sich auch nie jemand stellt… )

Job

Die Arbeit ist das kleinste Problem am Ganzen. Fürs Drumherum ist es schwer, Worte zu finden. Also lass ich’s. Work-Life-Balance und so.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane zum Frühstück, Nudeln mit Tomatensoße (reichlich), ein Pain au Chocolat und ein Brötchen mit Käse, Ei und Alibi-Grünzeug drauf.

Gelaufen: Knapp 3km gegangen und auf dem Weg zu meinem Interview gefühlt nochmal zwei, weil es ein Missverständnis beim Treffpunkt gab.

Gelesen: Wieder nur eigene und fremde Texte und Sitzungsvorlagen.

Gefreut über: Die Tatsache, dass ich mit meinen Tagebüchern (eine persönliche, kleine Kolumne der Redakteure) offenbar den Nerv der Leute treffe und immer wieder Mails dazu bekomme und darauf angesprochen werde. Es ist mir wirklich eine Herzenssache geworden.

Geärgert über: Lassen wir’s. Vielleicht sollte ich wirklich in einem kleinen Laden auf Sylt dänisches Porzellan verkaufen.

25/0/23 – 9 1/2 Wochen kann ja jeder …

Ich

„Wenn gar nichts mehr geht, dann geh ich.“ Ich halte mich seit Jahren an diesen Rat: Wann immer sich die äußere Situation nach Käfig anfühlt, der Druck scheinbar unausweichlich immer größer wird, dann brauche ich Bewegung. Sollte ich im nächsten Leben als Hamster wiedergeboren werden, dann reiche man mir wenigstens eins Hamsterrad. Früher bin ich stundenlang gewandert, heute laufe ich. Nachdem der fiese Schwindel, der mich gestern so eingeschränkt hat, heute morgen so gut wie weg war, hatte ich richtig Lust auf Cardio. Also habe ich erst fünf Kilometer joggenderweise hinter mich gebracht und saß danach auf meinem Ergometer. Ich hatte das Gefühl, dass ich strampelnd am besten den Frust abbauen kann, der sich aufgestaut hatte. 17 Kilometer später war ich klatschnass, so dass ich mir sicher war, alle toxischen Gedanken der letzten 24 Stunden einfach ausgeschwitzt zu haben. Außerdem hatte ich mein Bewegungsdefizit von gestern auch gleich wieder ausgeglichen.

Bewegung hilft mir immer, wenn ich müde bin, wenn ich ratlos bin, wenn ich gestresst bin, wenn ich mich krank fühle – es scheint, als würde durch die Bewegung alles in Gang gesetzt und in Fluss geraten, was es braucht, um Heilungsprozesse jeglicher Art anzustoßen.

(Dem Hirn hilft es offenbar nur bedingt, denn während ich heute morgen noch verkündet hatte, es gebe heute Gnocchi, hatte ich bei Einkaufen an alles gedacht – nur eben nicht an Gnocchi.)

Und siehe da …

Job

… nur wenige Stunden nach meiner Auspower-Aktion platzte auch der Knoten, der mich hier seit Wochen plagt. Entscheidungen standen aus, wurden verschoben, letztlich anders getroffen. Aber jetzt ist es klar: Ich muss meine aufgestauten freien Tage und meinen überschüssigen Urlaub bis 31.12. nehmen. Ich muss, ich darf, ich werde. Die Urlaubsanträge sind heute mittag genehmigt worden. Was für mich unglaublicherweise bedeutet: Der 18. Oktober ist mein letzter Arbeitstag für dieses Jahr.

Und weil ich in meinem Arbeitnehmerleben wohl kaum jemals wieder in die Lage komme, gut zehn Wochen am Stück freizuhaben – was tun mit dem Lebenszeit-Segen? Ich brauche ein Projekt, dass ich etwas aus dieser besonderen Zeit für mich mitnehmen kann. Ideen, anyone? Verreisen im großen Stil fällt aus, weil da meine Familie wohl nicht begeistert wäre. Aber so ein Wochenende? Das Deutsche Sportabzeichen? Ein Stück Pilgerweg? Kraulen lernen? How go get rich and famous in ten weeks? Im Moment bin ich einfach nur erschöpft von dem ganzen Hin und Her, aber in den nächsten Tagen fällt mir garantiert etwas ein, womit ich zehneinhalb Wochen füllen kann. Sagte ich’s schon? ZEHNEINHALB! WOCHEN!

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Müsli mit Hüttenkäse und Blaubeeren, eine Nudelpfanne mit Gemüse (und eben keine Gnocchis, weil Hirnschwund), Rührei

Gelaufen: 5km, 17 km geradelt, 10 Minuten Booty-Workout mit Pamela Reif (WIE? geht das??)

Gelesen: Ein paar Sätze in „Schlüssel 17“ von Marc Raabe

Gefreut über: Offensichtlich, dass der Schwindel weg ist und dass mir eine recht unverhoffte Auszeit bevorsteht

Geärgert über: Nix mehr. Heute über nix mehr. Auch mal schön.