24/10/23 – Tag 7 – Vom Muskelzoo und dem G7 1/3

Ich

Wenn Muskelkater das ist, bei dem man die sportliche Betätigung tags drauf spürt, habe ich einen verdammten ganzen Instant-Muskelzoo. Ich habe heute morgen ein Workout gemacht, das wohl nicht ohne Grund „Tyrann“ heißt. Unter anderem beinhaltete das Ganze 120 Squats in 6 Sätzen (es waren eigentlich 16 und nicht 20 pro Satz, aber wer nicht lesen kann, muss leiden). Ich vermute, dass die unter anderem der Grund dafür sind, warum mich Treppen gerade vor ein größeres Problem stellen. Rutsche ich auf dem Po runter? Versuch ich’s rückwärts? Ich jaule beim Hinsetzen und beim Aufstehen, beim Bücken, beim Gehen – eigentlich jaule ich seit heute morgen sehr viel.

Und dann gab es noch das einbeinige Kreuzheben ohne Gewichte, bei dem ich mich fragte, was das wohl bringen soll. Seit heute mittag weiß ich, dass auf der Rückseite meiner Oberschenkel Muskeln verlaufen, deren Existenz mir noch nie so bewusst war, wie seit heute. (Gelernt: Das sind die Hamstrings. Meine tun weh.) Der Rest zielte eher auf den Rumpf ab (Core, wie der Sportler sagt) und macht nur beim Husten, Lachen und Niesen aua. Man wird irgendwann leidensfähig. Nun denn, selbst verschuldet, ich werd’s auch überleben. Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Das Kind schüttelt derweil mitleidig den Kopf und sagt, „vielleicht war das zuviel, in Deinem Alter…“ (Mein Alter ist der running gag seit Neuestem: Wir haben Fotos von Michelle Hunziker betrachtet und ich hatte gesagt, dass die Frau wirklich toll aussieht, dafür, dass sie schon Oma ist. Woraufhin das Kind meinte, „Oma?? Dabei sieht die fünf Jahre jünger als Du aus…“ Hab Kinder, haben sie gesagt, sie sind ein Quell der Freude, haben sie gesagt … )

Apropos Kind: Wir haben seit diesem Schuljahr einen digitalen Vertretungsplan als App auf dem Handy. Während ich damals noch stöhnend an einem schwarzen Brett hinter Glas morgens um kurz vor acht lesen musste, dass die erste Stunde ausfällt und ich ganz umsonst so früh aufgestanden bin, weiß mein Kind das heute schon am Vorabend. Was ja grundsätzlich sehr praktisch ist. Heute allerdings ist das Mamataxi zur zweiten Stunde gefahren (wo kein Bus mehr fährt, ÖPNV, Dorf, Katastrophe), um um kurz nach zwölf zu hören, dass die erste Stunde sehr wohl stattgefunden hätte, der Plan halt falsch war. Dafür fallen morgen erneut die erste und sechste Stunde aus. Sagt jedenfalls der Plan. Wir haben in den ersten sechs Wochen bereits mehr Stunden eingebüßt als in vier Jahren Grundschule davor. Wenn das so weiter geht, macht sie Abi nicht nach G-8-Modell, sondern nach G-7-1/3… Der Stoff wird nicht weniger, er wird nur zusammengestrichen und der Rest in einem Tempo durchgepeitscht, dass die Kinder sich schon in Klasse fünf für friss oder stirb entscheiden müssen. Ob das dieses vielgepriesene hohe Gut der Bildung ist, von dem die Politiker immer sprechen? Auf Binge-Learning habe ich eigentlich keine Lust.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Eiweißbrot mit Quäse, zwei Teller Vollkornnudeln mit Soja-Bolo, ein Stück Marmorkuchen, Ein Brot mit Bergkäse und ein paar Möhrenstückchen.

Gelesen: Vertretungspläne, Workoutpläne, Bildungspläne, ach.

Gesportelt: 30 Minuten Bodyweight, 20 Minuten Rad. Viel hilft viel. Aua.

Gefreut über: Einen sehr sehr sehr schönen Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und bester Unterhaltung. Ich durfte auf die Invaliden-Sitzschale sitzen und ein paar Stunden meine physischen Einschränkungen vergessen. Es tut so gut zu spüren, dass es auch normale Leute gibt. („Endlisch nommaaale Leute!“). Außerdem hatte ich heute morgen maximal viel Zeit für mich ganz allein. Sowas genieße ich ja wirklich sehr.

Geärgert über: Nichts wirklich. Macht nur Muskelkater im Hirn und da brauch ich ihn nicht auch noch.

23/10/23 – Tag 6 – Was fliegt denn da?

Ich

Ihr Lieben, der heutige Blogpost wird Ihnen präsentiert von *insert Antibrechmittel*. Wer einen empfindlichen Magen hat und noch dazu mit einer bildhaften Phantasie gesegnet ist, sollte sich heute an dieser Stelle einfach andere Lektüre suchen.

-Jetzt ist die Gelegenheit abzuschalten-

Ihr seid noch da? Ok, selbst verantwortlich. Also. Diese Geschichte beginnt vor etwa drei Wochen. Ich saß bei einem Kaffee in meiner Küche, als ein kleiner, brauner Falter auf dem Tisch neben meiner Tasse landete. Ich scheuchte ihn weg. Es wird kalt draußen, langsam drückt allerhand Getier rein ins Warme, dachte ich mir. Irgendwann hatte ich mich an die Anwesenheit des Flattertiers gewöhnt. Bis ich bemerkte, dass es mittlerweile zwei waren. Vor lauter Apfelsaft und anderen Dingen schenkte ich dem Ganzen wenig Bedeutung.

Bis ich heute zwei dieser Flattertiere am selben Küchenschrank sitzen sah. Und mindestens zwei weitere an anderen Stellen in der Küche. Ich stutzte. Grundsätzlich würde ich mich als tierlieben Menschen bezeichnen, aber invasive Arten dulde ich nicht in meiner Küche. Einer Eingebung, die mir gewissen Schauder bereitete, folgend, googelte ich „Wie sehen Lebensmittelmotten aus?“.

Erzähler: Und sie wurde panisch.

Wenige Augenblicke später stapelte ich Nudelpackungen auf Vorratsdosen, räumte Soßengläser und Maisdosen aus den Schubladen, ständig in der Sorge, mir käme gleich eine ganze flatternde Heerschar dieser kleinen, braunen Falter entgegen. Aber – ich fand nichts. Also googelte ich „Wie sehen Eier von Lebensmittelmotten aus?“ und fand zumindest den Hinweis, dass man nach Gespinsten Ausschau halten solle, die das Nest kennzeichnen. Außerdem hieß es, dass man sich die Eier dieser Motte in den allermeisten Fällen mit Lebensmitteln ins Haus holt. Nudeln, Reis, Haferflocken, sowas.

Also guckte ich in jede Nudelpackung und prüfte, ob die Luft auf Druck noch jede einzelne Plastikverpackung aufbläht. Ich fand – nichts. Ich putzte die Schubladen mit Hygienereiniger und räumte einigermaßen ratlos alle Vorräte wieder zurück. Und dann fiel mein Blick auf den Oberschrank, in dem neben Geschirr noch ein paar Gewürze stehen.

Tatsächlich kam mir ein Flattertier aus dem Geschirrfach entgegen. Ich räumte also Salz, Pfeffer, Nelken, Korianer, Sternanis, Curry, Paprika und alles andere aus. Schüttelte Päckchen, starrte auf Pfefferkörner, beäugte argwöhnisch jede fest verschlossene Gewürzdose. Aber ich fand – nichts. Und dann holte ich die Porzellanschüsseln von oben herunter und fand zwei der Falter in den Schüsseln. Aber kein Gespinst.

Meine Küche sah aus wie ein orientalischer Gewürzbasar in chaotisch. Ich räumte Döschen für Döschen und Päckchen für Päckchen wieder ein, nachdem ich alle Flächen geputzt hatte. Und zum Schluss fiel mein Blick auf die große Dose Allzweckwürze. In meinem Hirn lief ein Film ab, wie man ihn aus Sherlock-Holmes-Folgen kennt. Diese Dose hatte ich erst neulich aufgefüllt. Aus dieser Dose hatte ich in den letzten Wochen etliche Male das gelbe Würzpulver ins Essen geschüttelt. (Ich würge beim Gedanken daran echt immer noch)

Mir war sogar aufgefallen, dass die Löcher begonnen hatten, sich zu verengen, was ich aber darauf zurückgeführt hatte, dass die feuchte Hitze beim Kochen die Brösel verklebt hatte, während man das blubbernd kochende Essen im Topf würzt. Ich betrachtete die Löcher aus der Nähe. Und stellte fest, dass sich die Würzkrümel in einer Art Gespinst … ich schluckte. Und öffnete mit einer Gabel den festen Drehverschluss der Dose, nur, um ihn kreischend und würgend sofort wieder zu verschließen.

Sagen wir so, ich habe das Nest gefunden. In einem Zipbeutel, in einem Sack und einem weiteren Sack habe ich die Dose entsorgt. Ich würgte den Rest vom Nachmittag ein bisschen und hoffe, dass ich wirklich die Wurzel allen Übels erwischt und eliminiert habe. Vermutlich hat sich das Problem nur deswegen nicht größer und schneller ausgeweitet, weil wir die neuen Eier einfach täglich mitgekocht haben. ÖÖÖÖRKS.

So. Soviel dazu. Ich bin sehr froh, ohnehin die meisten trockenen Vorräte in gut verschlossenen Dosen zu haben, aber sowas brauch ich echt nicht nochmal.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: (Örks!) Hüttenkäse, Blaubeeren, Banane, Kokoscrunch, überbackene Gemüsemaultaschen (heute tatsächlich mit Salz und Pfeffer only), ein Brot mit Hartkäse.

Gelesen: Artikel über Lebensmittelmotten. Unschön.

Gesportelt: 25 Minuten Bodyweight und 10 Minuten gerudert.

Gefreut über: Die beiden netten Damen, die mich heute morgen an der Supermarktkasse freundlich durchgewunken und mich vorgelassen haben.

Geärgert über: Erklärt sich von selbst, ne? Öööörks…

22/10/23 – Tag 5 – Vom Leben als goofy Fossil

Ich

Alte Menschen, so dachte ich früher, sind die, die einen Mittagsschlaf halten. Heute weiß ich – ich lag entweder falsch oder ich bin alt. Heute morgen stand ich vor neun auf mit dem dringenden Bedürfnis, einen Kaffee zu trinken und einmal schnell die nächtlichen Ansammlungen all dessen, was mit der Rüsselpest zu tun hat, wegzuschneuzen (keine Details, versprochen). Und nach Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner und Rumräumaufgaben, die man eben so nebenbei erledigt weil einer muss ja, hatte ich das ebenso dringende Bedürfnis, mich wieder hinzulegen. Und so schlief und döste ich weitere anderthalb Stunden über die Mittagszeit hinweg, um danach gefühlt in einem anderen Jahrhundert eines anderen Planetensystems wieder aufzuwachen.

Im Lauf des Tages stellte ich weitere Zeichen zunmehmenden Alterns fest. Erstens meinen Hang zu Printmedien. Zwar habe ich e-Books heruntergeladen, aber noch keins davon je zu Ende gelesen. Ich liebe es, Bücher in der Hand zu haben, zu blättern, Eselsohren hineinzuknicken als Lesezeichen (pscht! Ich darf das, sind ja meine Bücher!) und sie überall im Haus herumzutragen. Manche Bücher zeigen später mit welligen Seiten, dass sie längere Zeit über Feuchtigkeit ausgesetzt waren, keinesfalls, weil sie in einem modrigen Keller gelagert, sondern weil sie in der Badewanne gelesen wurden. Büchern geht nie der Akku aus und wenn sie in die Wanne fallen, sind sie nicht sofort hinüber.

Ähnlich geht es mir mit der Zeitung. Wer zu meinen jüngeren Kollegen gehört, sollte an dieser Stelle das Programm wechseln, mich aber jedenfalls nicht für schrulliger als gedacht halten, denn auch bei Zeitung bin ich noch immer sehr an das Medium aus Papier gebunden. Ich weiß, dass Onlinemedien inhaltlich nicht weniger wertvoll, nicht weniger gut recherchiert, nicht weniger seriös aufgearbeitet sind. Mein Verstand weiß das. Mein Bauch hingegen hängt am Knisterpapier, an den schwarzen Fingern beim Blättern, am von-hinten-anfangen-zu-lesen, am Falten, am Ausschneiden und Aufheben.

Weil: Ich bin offenbar wirklich alt. Zum ersten Mal beschleicht mich das leise Gefühl, nicht mehr zur Generation zu gehören, die auf dem Laufenden ist. Die intuitiv tut, was moderne Menschen eben tun. Die auf der Höhe der Zeit ist. Zum ersten Mal fühle ich mich ein kleines bisschen wie ein Reisender aus einer anderen Zeit, der sich den neuen Kontinent anguckt, ohne sich wie ein Indigener zu fühlen.

Einerseits ist das ausgesprochen seltsam. Andererseits öffnet es den Blick für die Generationen, die jeden Tag noch von viel weiter anreisen in diese heutige Zeit, für die Apps auf dem Smartphone Böhmische Dörfer sind, die den Wetterbericht in der Tagesschau sehen wollen, um tags drauf von Regenschauern überrascht zu werden, von denen gestern noch nix im Fernsehen kam. Ich komme nicht von ganz-weit-weg. Nicht von vorgestern. Aber vielleicht von gestern Spätabends. Als man noch Texte von Disketten gezogen hat, als man schwarz-weiß-Filme mühsam im Dunkeln über Gitter gewickelt und sie tastend in Entwicklerflüssigkeiten getunkt hat. Als man irreversible braune Sprenkler auf T-Shirts hatte, wenn der Deckel jener Behälter in die Flüssigkeit geplatscht ist, als man fluchend auf Laborböden herumtastete, weil die Filmrolle runtergefallen war.

Wenn ich das meinen jüngeren Kolleginnen erzähle, gucken sie mich an, als würde ich von meiner Kindheit im ersten Weltkrieg erzählen. Ich habe in Redaktionen gesessen, in denen Kette geraucht wurde. Ich bin durch Drucksäle gelaufen, habe Klebeumbrüche begutachtet und meine Ausdrucke zwischen Aschenbecher und Bierflaschen gelegt. Ich habe Lieder aus dem Radio auf Kassette aufgenommen und weiß heute noch, wenn eines davon auf dem Oldiesender läuft, an welcher Stelle der Moderator reingequatscht hat. Ich habe in Röhrenfernseher geguckt, die nach dem Ausschalten noch lange knisterten und wenn man mit dem Finger den Bildschirm berührte, weiße Punkte fabriziert haben. Und wenn heute jemand sagt, „das ist jetzt auch schon 15 Jahre her“, denke ich an irgendwas in den Neunzigern. Um festzustellen, dass Menschen, die 2005 geboren wurden, längst Autofahren dürfen.

Alles hat seine Zeit, offenbar. Und eigentlich ist es nicht schlimm, all diese Geschichten erzählen zu können, wie so ein Fossil. Es zeugt davon, dass der Fahrtenschreiber schon einiges dokumentiert hat, mehr, als manch anderem überhaupt vergönnt ist. Also bin ich dankbar für das, was war und so offen wie ich eben kann, für das, was kommt. Meine Tochterkind ist immerhin eine sehr stabile Verbindung in diese neue Welt, wenn ich dann mal im richtig peinlichen Alter bin, wo ich gar nichts mehr verstehe. So richtig … goofy halt.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Gruselige Bilanz – angefangen mit Hüttenkäse, Blaubeeren, Banane und Kokoscrunch, dann eine Kaki. Dann ein Brötchen mit Käse und grad noch ein Brot mit Käse. Das warme Mittagessen ist einfach ausgefallen. Eine Schande.

Gelesen: Einen herrlichen Artikel in der SZ, ansonsten ein bisschen quer durchs Netz.

Gesportelt: Nope. Immer noch Rüsselpestschonzeit.

Gefreut über: Alle Geburtstagsgeschenke fürs Kind beisammen zu haben. Und so langsam über die Erkenntnis, dass ich frei habe. Es sickert langsam in mein Bewusstsein durch.

Geärgert über: Nichts heute. Man wird halt auch altersmilde.

21/10/23 – Tag 4 – Von der Mitternachtsformel und den Dingen, die man wirklich braucht

Ich

Anknüpfend an die Diskussion mit meiner Tochter gestern, ob man als gebildeter Mensch zwingend das große Einmaleins auswendig können muss, kamen wir heut auf alle möglichen Dinge, die man mal gelernt hat. Groß war ihr Erstaunen, als ich, die weiß Gott (haha) nicht bibelfest ist, aus dem Stegreif Psalm 23 aufsagen konnte, „den lernen wir grad in Reli, aber woher kennst DU den?“ Nicht alles, was man in der Schule lernt vergisst man, auch wenn man es nicht wirklich anwenden kann.

Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wie oft haben mir Mathelehrer gesagt, die Mitternachtsformel heiße deswegen so, weil man sie aus dem FF aufsagen können müsse, wenn man um Mitternacht geweckt und danach gefragt würde. Heute, mit 43 Jahren, kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: Was fürn Quatsch! Nie, aber auch wirklich nie mehr nach dem Abitur habe ich diese x1,2=-b +-…Formel je wieder gebraucht. (Geschweige denn, dass es jemand gewagt hätte, mich deswegen um Mitternacht zu wecken.) Noch nie war ich in meinem Leben an dem Punkt, an dem ich gedacht hätte, „mei, jetzt kann nur noch die Mitternachtsformel helfen.“ Einzige Ausnahme: Ein Mathelehrer sollte die möglicherweise parat haben. Aber der Rest der Menschheit braucht. das. einfach. nicht.

Ich habe nie wieder Parabeln berechnet oder bin der Frage nachgegangen, wie schnell sich ein 80 kg schwerer Mann in einem Zug fortbewegt, der bei 140 km/h entgegen der Fahrtrichtung in Schrittgeschwindigkeit durch den Gang geht. Insofern hilft ein bisschen Gelassenheit womöglich dabei, wenn sich unsere Kinder schwer tun zu verstehen, warum sie lernen sollen, was sie lernen sollen. Und wie wir ja alle wissen, ist das Argument „später habt ihr ja auch nicht immer einen Taschenrechner dabei“ schon längst keines mehr.

Und übrigens: So lange es Erwachsene gibt, die der Meinung sind, aus 300 Kilo Äpfeln könne man 300 Liter Saft gewinnen, ist die Mitternachtsformel sicher nicht die dringlichste Aufgabe an Bildungseinrichtungen. Nur mal so.

Sonst so? Heute zum Abschluss des Apfelsafttages sehr liebe Menschen da gehabt, mit denen wir den Abend haben gemütlich ausklingen lassen. Noch zwei Tage haben wir geöffnet, dann war’s das wieder mit der Saison.

Die Rüsselpest hat sich im Lauf des Tages verbessert, zwar ist die Nase noch nicht ganz frei, aber das Schlimmste, so scheint es, habe ich überstanden. Freue mich trotzdem auf einen entspannten Sonntag.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Klassischer Arbeitssamstag – Frühstück ist ausgefallen, es gab eine Banane, eine Kaki, einen Ananas-Riegel, eine Tasse Brühe mit Backerbsen (Kindheitserinnerungen!), eine Butterbrezel, später ein Brötchen mit Käse und eine Brezel mit Käse und Gurken.

Gesportelt: Nein, aber über 10.000 Schritte gegangen.

Gelesen: Auftragszettel und Bestimmungen zur Kennzeichnungspflicht

Gefreut über: Liebe Menschen, die mir den Tag echt versüßt haben.

Geärgert über: Die Anspruchshaltung der Menschen, die für mein Empfinden immer krasser wird.

20/10/23 – Tag 3 – Von der Rüsselpest, der Schulpflicht, dem Wollen und Müssen

Ich

Szene am Mittagstisch: Das Kind blubbert. Kauend, zwischen den Gabeln voll Kartoffelauflauf, entsprechend nuschelig. „Und dann hat der das gesagt und dann hat die jenes gesagt und Lina und Lana und Lena haben gemeint *blubberblubber*, und dass diesdasAnanas, dabei hat Luana eigentlich gar nichts…“ … you get it.

Ich lauschte eine Weile und versuchte die Stringenz der Story dessen, was sich in der Pause zugetragen haben mag, zu erkennen. War ein bisschen so, wie wenn man beim Tatort einschläft, um elf im nächsten Blockbuster wieder aufwacht und verzweifelt versucht, die Handlung bis dahin nachzuvollziehen.

Als das Geblubber eine kleine Verschnaufpause einlegte, versuchte ich, sachte eine kleine Rüge ans Kind zu bringen, nämlich die, dass sie gestern noch frohlockend meinte, „Mama, morgen IST gar keine Mathearbeit“, und heute an der Bushaltestelle einstieg mit den Worten „Rate mal, was passiert ist – heute war keine Mathearbeit, sondern ein TEST“. Ähm.

Es liegt mir fern, unnötig Druck aufzubauen. Nur so ein bisschen mehr Organisation wäre hilfreich. Fairerweise muss ich sagen, dass sie die übrigen Termine (wenn Mütter Kalender vergleichen, hähä) alle richtig eingetragen hatte. „Hoar Mama, jetzt vergess ich in viereinhalb Jahren EINMAL was….“ Nun. Wir harren der Dinge, die da kommen. Und schwanken zwischen „War aber leicht“, „Ich hab alles richtig“, „glaub ich“, „Die drei letzten Aufgaben hab ich halt nicht mehr geschafft“.

Wir Mütter lernen im Geburtsvorbereitungskurs, wie man Wehen veratmet. Und je älter die Kinder werden, desto mehr begreifen wir, dass das Veratmen mit den Wehen unter der Geburt nicht viel zu tun hatte, eher mit denen, die nach dem Kreißsaal noch kommen. Am Ende der Diskussion hab ich ihr gesagt, dass man den Wert eines Menschens sicher auch nicht danach bemisst, ob er auswendig sagen kann, wie viel Siebzehn zum Quadrat ist. „Siehste“, sagte das Kind und ging spielen. Und Mama atmet weiter.

Stichwort Atmen: Die Rüsselpest, die mir gestern den Hals hat kratzen lassen, hat sich ein Stockwerk höher in die Nase verzogen und lässt die laufen. Deswegen hatte ich heute einen völligen Ruhetag. Außer, dass ich mit einer Handvoll anderer Rentner um viertel vor acht im Supermarkt war, habe ich völlig die Füße still gehalten. Zwischen zehn und elf heute morgen bin ich sogar auf der Couch eingeschlafen. Wohl dem, der’s kann, ne? Dem Muskelkater nach zu urteilen, war das auch dringend nötig. Ich spür’s immer noch.

Ich habe die Zeit stattdessen sinnvoll genutzt und ein Stück Buch im Erkältungsbad gelesen, dem Kind ein Geburtstagsgeschenk bestellt und mir selbst überlegt, eine Uhr zu kaufen. Die Wahl zwischen ganz schwarz und ganz weiß fällt mir nicht leicht und ich hab’s auch erstmal aufgeschoben. Den besten Rat hatte vermutlich die Lieblingskollegin, die mich von weiß abbrachte. „Das sieht nur braungebrannt gut aus, wir sind aber alle käsig. Fifty shades of Brie.“ Ich bin fast abgesoffen vor Lachen. Brie ist the new Tan.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Eiweißbrot mit Frischkäse, Honig und Bananenscheiben (klingt komisch, schmeckt aber), zwei Teller Kartoffel-Gemüse-Auflauf und gleich nochmal Brot mit Spiegeleiern und Käse.

Gelesen: In der Wanne ein Stück davon. Nicht unbedingt was für zarte Seelen.

Gesportelt: Nada. Weil Rüsselpest.

Gefreut über: Dass das Kind durchaus auf- und abrunden, sauber schreiben, sich Dinge merken kann. Nur halt nicht, wenn ICH es will. (Aber gut zu wissen, dass es geht.)

Und: Bei meinem letzten Mailandbesuch schlich ich in dem Bialetti-Fachgeschäft am Dom um eine Bialetti-Mokkakanne herum und konnte mich nicht durchringen, sie zu kaufen. Der Mann, der die Story nur aus Erzählungen kennt weil er gar nicht dabei war, hat sich das gemerkt und eine bestellt. Fehlt nur noch das richtige Pulver dazu.

Geärgert über: Dass sich Mama immer nen Kopf um Dinge macht, die vielleicht einfach noch Zeit brauchen. Als ob das Gras schneller wüchse, weil ich dran ziehe.

19/10/23 – Tag 2 – Von alten weißen Männern und der Disziplin

Ich

Heute wurde mir mehrfach von unterschiedlichen Menschen zu meiner eisernen Disziplin gratuliert. Ich habe heute morgen um kurz nach sieben Kraftübungen gemacht und danach 15 Minuten auf dem Rudergerät verbracht. Weil ich das mit dem Muskelaufbau und dem Sport in meiner Auszeit ganz ernst meine und auch ernst nehme.

Ob das was mit Disziplin zu tun hat? Ich weiß nicht, warum das so ist, aber wenn ich mir selbst ein Ziel setze, dann kann ich einfach nicht anders, als den Weg dorthin zu gehen, so wie ich ihn mir vorgenommen habe. Ich habe vor Jahren mitten in einem Februar beschlossen, 1000 km bis Jahresende zu walken. Ich stellte die Uhr und walkte. Am Silvestermorgen lief ich die letzten 4 Kilometer. Ich kann gar nicht anders. Es ist ja so: Verspricht man einem Kind, dass es ein Eis bekäme, wenn es sein Zimmer aufräumte, dann hält man sich dran, wenn man das Kind nicht in seinem Grundvertrauen erschüttern will. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

Dasselbe gilt für Versprechen, die man sich selbst gibt. Diesen ominösen Schweinehund, der bei manchen Menschen offenbar ständig mitredet, hat man in meinem Bauplan irgendwie vergessen. Klar, manchmal ist es früh, noch dunkel, kalt, schmuddelig. Aber wie übel ist das Gefühl, die Laufrunde geschwänzt zu haben? Dann tausendmal lieber kalt und dunkel. Nicht denken, einfach machen.

Möglicherweise liegt die Kunst auch darin, realistische Ziele zu setzen? Oder sich nichts vorzunehmen, was man nicht auch wirklich möchte? Ich treibe nicht Sport, weil ich glaube, dass es gesund und sinnvoll ist, sondern weil ich mir ganz sicher bin. Insofern ist es Disziplin, Selbstliebe oder Sturheit – wurscht, finde ich – es funktioniert.

Job

Nicht der eigentliche, sondern der im Familienbetrieb: Es hat diesmal fast bis zum Ende der Saison gedauert, bis mir ein alter, weißer Mann erklärt hat, wie ich meinen Job richtig mache. Das geht oft schneller. Dafür sogar schriftlich diesmal mittels ausgedrucktem Infomaterial. Erst wollte er ein selbstgewähltes MHD aufgedruckt haben, die Verantwortung dann per Unterschrift aber nicht selbst tragen. Und wir haben dann alle bereits geklebten Etiketten nochmal neu gedruckt, kostenpflichtig, versteht sich. MENSCHEN.

Ansonsten war der Tag viel anstrengender als gedacht – das Terminbuch sah gar nicht so voll aus, plötzlich wurde es aber immer voller. Was aber auch daran liegen könnte, dass „zwei Zentner“ und „zwei Hänger“ eben ganz grundverschiedene Mengenangaben sind, die, wenn man sie missversteht, zu Engpässen führen können. Wir hatten so spät Feierabend, wie noch nie in diesem Jahr. Aber, Feierabend ist Feierabend.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Einen halben Becher Hüttenkäse mit Müsliflocken und Banane, ein Eiweißbrot mit Frischkäse und Quäse zwischendurch, zwei Teller Spaghetti mit grünem Pesto und Erbsen, ein halbes Brötchen mit Käse. Ein Lebkuchen für die Nerven und eine Handvoll Nüsse.

Gelesen: Herstellerangaben, Auftragszettel, dies und das.

Gesportelt: 30 Minuten Bodyweight und 15 Minuten Rudern. Eins von beiden hat mir schrecklichen Bauchmuskelkater beschert, Husten, Lachen, um die Kurve fahren – alles tut irgendwie weh. Erstaunlich, wofür man Bauchmuskeln braucht, wenn man sie nicht mal sieht.

Gefreut über: Ein Kind, das gelöst und lachend von der Schule kommt, wo es heute eine Deutscharbeit geschrieben hat.

Geärgert über: Den Virus im Haus, der sich nun wohl auch in meinem Hals einnistet. Morgen ist Ruhetag angesagt – zu wissen, wann das Priorität hat, ist wohl auch ein Teil der Disziplin.

18/10/23 – Tag 1 – Bin ich, was ich esse?

Ich

Ich würde mich als intuitiven Esser bezeichnen. Auf ein Frühstück kann ich am ehesten verzichten, wenn, dann gibt es aber ein Müsli mit Milch, Joghurt oder Hüttenkäse, Obst dazu, irgendwelche Flocken, Crunchiges, sowas eben. Beim Mittagessen hingegen verstehe ich nur wenig Spaß: Ein Tag ohne warmes Mittagessen ist möglich, aber sinnlos, frei nach Loriot. Mittags etwas kaltes aus der Tüte essen, ist für mich die absolute Not-Not-Lösung. Lieber stelle ich mich selbst in die Küche, als dass ich mir ein mit Käse überbackenes Brötchen aus der Bäckertüte einverleiben würde. Auch Salat macht mich nur so halb glücklich, höchstens an einem heißen Sommertag. Das Mittagessen unterteilt für mich den (Arbeits-)Tag in zwei Hälften, ist eine Zeit des Innehaltens, kurz Herunterfahrens, Genießens. An einem Tisch mit Porzellanteller und Besteck.

Abends darf es dann kalt und auch eher spartanisch sein – Brot, Brötchen, Frischkäse, Käse, Oliven, Tomaten – und ich bin glücklich. Fleisch und Wurst habe ich vor einigen Jahren komplett aus dem Speiseplan gestrichen und vermisse es auch nicht.

Ich habe noch nie eine Diät gemacht und noch nie Kalorien gezählt, geschweige denn eine Ahnung, wieviele Kalorien wo drin stecken. Auch bin ich noch nie hungrig ins Bett gegangen oder hätte mir Süßes verkniffen. Ich esse andererseits auch nie mehr, als reinpasst. Kein fieseres Gefühl, als das letzte Stück Pizza wider besseren Wissens noch gegessen zu haben und sich dann so entsetzlich voll zu fühlen.

Seit ich allerdings weiß, dass mein Darm auf zu viel Zucker ziemlich beleidigt reagiert, habe ich bei Süßem ein bisschen ein Auge drauf. Dennoch vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein kleines Stückchen Schoki oder süß-saures Gummizeug esse. So what.

So viel also dazu. Heute wies mich jemand darauf hin, dass ich womöglich nicht genügend esse, ständig im Kaloriendefizit bin. Aus reiner Neugier habe ich über einen Online-Rechner meinen Kalorienbedarf ermittelt. Ich komme auf etwa 1800 Kalorien, die ich – ohne Sport – pro Tag verbrauche. Rudern, so sagt es das Gerät jedenfalls, verbraucht aber ganz ordentlich viele Kalorien. Das heißt, an Tagen wie heute, an denen ich Krafttraining mache und Laufen gehe, rutsche ich womöglich wirklich in ein Defizit. Muskelaufbau, so viel habe ich mittlerweile verstanden, ist dann nicht möglich. Eigentlich logisch, wie soll der Körper etwas Neues bauen, wenn der Input nicht einmal oder höchstens gerade so reicht, das Bestehende zu erhalten. Und ja, offensichtlich ist ein Kalorienplus notwendig, um Muskelmasse aufzubauen. Ich habe mir erstmal einen zweiten (halben) Teller Lachsnudeln geholt. Und heute mittag eine Schüssel Hüttenkäse mit Banane und Erdnussmus gesnackt. Proteinpulver hatte ich vor geraumer Zeit verschiedene probiert, aber irgendwie ist das nix für mich: Entweder schmeckt das Zeug wie aufgelöste Gummibärchen oder wie das, was unten aus dem Komposthaufen austritt. Lieber löffle ich zwei Becher Hüttenkäse am Tag.

Nur eines geht nicht: Harzer Käse. (Danke, Tanja, für den Tipp, aber NEIN!) Diese kleinen, gallertartigen Gummischeiben, die riechen wie ein Kuhfladen, KANN man nicht essen. Wer’s versucht hat, weiß, wovon ich spreche. Und wer’s wirklich essen kann, hat meine absolute Hochachtung. (Aber ich würde mal nach meinen Geruchs- und Geschmacksnerven gucken lassen, da kann was nicht stimmen. Örks.)

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Wie bereits erwähnt, eine kleine Schüssel Hüttenkäse mit Blaubeeren und Müsli, zwei Teller Nudeln mit Wildlachs in Hafersahnesoße, Zucchini und Karotten, eine Schüssel Hüttenkäse mit einer Banane und einem Löffel Erdnussmus zwischendurch, eine Scheibe Brot mit Camembert und frischen Gurken.

Gelesen: Einiges über Ernährung, über Kalorienüberschuss und Defizite.

Gesportelt: Erst war ich mit der Hunderundenbegleitung ohne Hund eine Runde walken, knapp 4,5 Kilometer. Dann habe ich zwanzig Minuten Bodyweight gemacht und mich fünf Minuten aufs Rudergerät gesetzt, weil ich Lust darauf hatte. Und dann bin ich noch 6 Kilometer joggen gewesen. Stand so auf dem Plan, jedenfalls Kraft und Laufen, Disziplin ist mein zweiter Vorname. Komme auf knapp 17.000 Schritte heute. Und ahne, dass ich diese zehneinhalb Wochen später einmal als eine Zeit des Muskelkaters in Erinnerung haben werde. Aber das Ergebnis zählt.

Gefreut über: Dass das Kind heute von sich aus (!) freiwillig (!) Mathe üben wollte. Die Zeit der ersten Klassenarbeiten kommt.

Geärgert über: Die Viren im Haus (nicht das fiese C), die hoffentlich an mir vorbei gehen. Rüsselpest braucht niemand.

17/10/23 – Tag 0

Ich

Ich habe heute ein Foto meines Textes im Autoreply-Feld gemacht. Da steht „Ich bin am Dienstag, 2. Januar 2024, wieder erreichbar.“ Mein Verstand braucht glaube ich noch eine Weile, um zu realisieren, wie scheißelang ich frei habe.

Aber von vorn. Ich hatte einen produktiven Vormittag und habe noch einiges weggeschafft. Ich habe eine Übergabe für die Kollegen geschrieben, etliche Mal die Frage, ob ich wirklich nur noch heute da sei und wirklich so lange weg, mit ja (oooh jahaaa!!!) beantwortet und zehn Minuten vor eins den Rechner runtergefahren. Jetzt fühle ich mich ein bisschen wie das Schaf, das das Loch im Zaun gefunden hat und unschlüssig in der Freiheit steht.

Und dann habe ich getan, was mir am Nötigsten schien: gegrast. Sprich, ich habe Lebensmittel für den Rest der Woche gekauft wie so’n Hamsterrentner, damit ich die kostbare Zeit nicht im Supermarkt verschwende. Morgen also beginnt das Abenteuer. (Wahrscheinlich ereilt mich in 2 Wochen der Anruf des Grauens, der mich zurück an den Schreibtisch nötigt. Aber da bin ja auf Hawaii. Oder nebendran. Weitweitweg halt. Das wird so guuut!

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane, zwei Teller Nudeln mit selbstgemachter Tomatensoße, eine Brezel mit Camembert. Gleich noch ein bisschen Obst.

Gelesen: „Ich bin ab Dienstag, 2. Janua…“ und eigene und fremde Texte.

Gesportelt: Knapp 6km spaziert mit der Hundebegleitung ohne Hund.

Gefreut über: na, offensichtlich.

Geärgert über: meine Schusseligkeit, hab im Supermarkt eine Glasflasche fallen gelassen. Sofort kam eine Mitarbeiterin und drückte mir Papiertücher in die Hand, mit denen ich sofort begann, die Pfütze aufzuwischen. Daraufhin ist sie ganz erschrocken, die Tücher seien für meine Finger, sie würde doch den Boden übernehmen … äh, ach so. Es war dann irgendwie zweimal peinlich. Aber sie hat mich beruhigt, sowas passiere jeden Tag. Nicht mir zum Glück.

16/10/23 – Einmal schleudern, bitte

Ich

Heute morgen stach ich in See. Beziehungsweise den Rhein-Herne-Kanal. Jedenfalls stellte ich mir eindrücklich vor, ich säße an Bord eines Ruderboots und glitt Schlag um Schlag über die stillglänzende Wasseroberfläche, vorbei an Containerschiffen, Ausflugsdampfern und … Enten. In Wirklichkeit saß ich auf dem kleinen schwarzen Popobrett meines Rudergeräts und stellte fest, dass 15 Minuten dort drauf eine kleine Ewigkeit sind. Ich habe Muskeln an meinem Körper entdeckt, die bislang unbenutzt in Ecken herumgehangen haben (jetzt nicht bildlich gemeint). Aber es macht Spaß, weil ich mich so richtig auspowern kann damit. Ich freue mich SO SO SO auf meine Auszeit, die – laut Plan – morgen um spätestens 13 Uhr beginnt. Yay!

Job

Womit wir zu dem kommen, was meinen gesamten Tag regelrecht gefressen hat: Meinem Job. Ich hatte zwei Geschichten, um die ich mich heute kümmern wollte. Der Plan war so lange gut, bis ich die Redaktion betrat (so lange schon im Geschäft und immer noch blauäugig, hach). Ab da stellte der Tag auf Schleuderprogramm. (Ein ganz normaler Arbeitstag also.) Um hinten anzufangen: Die beiden Geschichten sind fertig geworden. Aber um zehn kam ein Termin hinzu, den ich ehrlicherweise nicht mehr auf dem Schirm gehabt hatte. Kurz vor elf begann ich mit der Recherche für den Aufmacher, unterbrochen von Telefonaten. Um elf wurde während der morgendlichen Konferenz klar, dass meine Geschichte auf eine andere Seite wandert, meine Seitenplanung war folglich kurzfristig verworfen. Außerdem organisierte ich Termine der restlichen Woche, sagte hier zu und dort ab und erschrak fast, als meine Kollegin, mit der ich zum Essen verabredet war (mein Highlight heute!) neben mir stand. Einen viel zu großen Teller Nudeln und Frühlingsröllchen später schrieb ich zuerst Geschichte zwei, baute meine Seite fertig und recherchierte dann am Aufmacher weiter. Ich las Texte des Kollegen, half bei Überschriften, telefonierte mit Gemeinderäten und Ortsvorstehern und heute Abend noch mit dem Protagonisten des Aufmachers. Gefühlt habe ich etliche Dinge erledigt, tatsächlich aber nicht viel. Mein Kopf ist voll und leer zugleich und vermutlich habe ich irgendetwas wichtiges vergessen. An manchen Tagen erfüllt es mich, an manchen erschöpft es mich. Bin unschlüssig heute.

Aber ich sag’s Euch – die Aussicht auf den Feierabend morgen macht alles schon viel erträglicher.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Müsli aus Hüttenkäse, Crunch und Blaubeeren, dann ging’s bergab: einen Teller vegetarischer Frühlingsrollen, einen Riesenteller chinesischer Nudeln mit Gemüse und heute Abend ein Laugenbrötchen mit Camembert. Morgen wieder das mit dem Gemüse.

Gelesen: Texte, eigene, fremde.

Gesportelt: Ich komme heute nicht mal auf 4000 Schritte, aber die 15 Minuten Rudern zählen ja auch

Gefreut über: Die besteste Kollegin und das lustige Mittagessen. Tut gut, nicht allein in dem Boot zu sitzen.

Geärgert über: Tunlichst nichts mehr, lohnt sich auch nicht.

15/10/23 – Row, row, row your boat …

Ich

Liebes Tagebuch, heute komme ich mir vor, als hätte ich die Langsamkeit erfunden. Das erste Mal wurde ich kurz vor acht wach, das zweite Mal kurz vor neun. Irgendwann gab es Kaffee und ein Frühstück mit Rührei, ich räumte die Spülmaschine ein und die Waschmaschine aus. Aber als ich gerade die Betten machen wollte – beschloss ich, mich noch fünf Minuten reinzule… chrrrrr… Dabei geriet ich in eine Art Zeitschlaufe. Als ich erwachte, war es kurz vor ein Uhr mittags. Ganz offensichtlich hatte ich noch eine Mütze mehr Schlaf gebraucht. Und einen Restday, um richtig runterzufahren. Ich sag’s ja, das Alter.

Ich kochte spät und aß noch später und beschloss dann, eine Runde um den Block zu spazieren, nachdem der Rest der Familie auch eigenen Plänen nachging. Kaum vor der Tür, erlebte ich einen Kälteschock, den Temperatursturz hatte ich theoretisch zwar mitbekommen, mich praktisch aber noch nicht daran gewöhnt – es ist im Süden Deutschlands plötzlich empfindlich kalt verglichen mit dem Sommerwetter, das wir bis vor ein oder zwei Tagen noch hatten. Ich spazierte also gar nicht ganz so gemütlich über Wiesen und Wege und freute mich, wieder ins warme Zuhause zu kommen. Mein Highlight allerdings ließ bis zum Abend auf sich warten: Mein Mann montierte mein Rudergerät und ich kann ab sofort meine Bahnen über den Rhein-Herne-Kanal ziehen. Theoretisch. Trockenen Fußes. Ich habe es keine zehn Minuten ausprobiert und festgestellt, dass es sehr viele Muskelpartien anspricht, denen bisher wohl jegliche Ansprache gefehlt hat. Das wird lustig.

Und damit kommen wir zum Plan: Da, Stand jetzt, der Dienstag mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr sein wird und ich folglich viel Freizeit am Stück füllen darf, habe ich beschlossen, sie mir und meiner Kondition und Kraft zu widmen. Ich habe Lust auf Sport, also widme ich meine Zeit genau dem. Der Sonntag soll der faule Tag bleiben, an den übrigen Tagen habe ich mir Einheiten aus Laufen, Schwimmen, Radeln, Rudern, Walken, Krafttraining und Wandern vorgenommen. Projekt Sixpack startet am Mittwoch, ich bin gespannt, was sich in zehn Wochen tut. Ob ich Vorher-Nachher-Fotos machen sollte?

Job

Morgen noch und übermorgen den Vormittag – klingt immer noch unwirklich. Dabei habe ich ausgerechnet jetzt noch mindestens zwei Storys in petto, die ich noch machen will. Nun gut, ich habe ja auch noch anderthalb Tage Zeit. Ob ich wirklich loslassen kann danach? Ob mich das Schreiben nicht zu sehr lockt, als dass ich hin und wieder… hm. Und wenn nicht, ob ich dann im Januar (NÄCHSTES JAHR DANN!) wieder smooth zurückfinde? Mich treiben viele Gedanken um, aber erstens kommt alles eh, wie es kommt, und zweitens ist es immer so gut, wie man es sein lässt.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Brot mit Frischkäse und Rührei, Reispfanne mit Brokkoli, Paprika, Karotten, Pilzen und Wildlachs, ein Müsli aus Hüttenkäse, Erdnusmus und Blaubeeren, heute abend ein Mini-Snickers.

Gelesen: Gebrauchsanleitungen für die Montage von Rudergeräten, ein bisschen im Internet.

Gelaufen: 3,4 km durch den Wind spaziert. Schnell spaziert. Die Kategorie heißt ab sofort „Gesportelt“, weil ich mehr vorhabe, als nur zu laufen.

Gefreut über: Das Rudergerät! Es powert mich glaub richtig gut aus und man kann überschüssige Energie loswerden.

Geärgert über: Heute keinen Grund gehabt.