Mein Industrial-Style-Atelier

Hier sind noch einmal ein paar Impressionen aus dem Atelier – es fügt sich Stück für Stück zusammen. Heute habe ich endlich diese tollen Vintage-Industrial-Style-Stühle vom Dachboden nebenan holen können (und putzen, fragt nicht), sie sind künftig meine Ablage für Bücher. Oder für Besucher. Man wird sehen. 🙂

Ob ich die Spinde wohl noch mit Tafelfarbe streichen soll? Schwarz? Dunkelgrau? Was meint ihr?

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Vom Dolce-Vita aus dem Ofen und dem Schnittlauch mit dem sch… Karma.

Ich kann ja keine halben Sachen, sondern nur ganz oder gar nicht. Und ich gebe zu, dass mich das neue Auto richtig flasht. So sehr, dass ich am liebsten in der Garage übernachten würde und jedes Krümelchen vom Boden aufpicke – dazu später noch eine dramatische Geschichte, stay tuned.

Und so war mir heute auch nach Dolce Vita, nach Bella Italia oder wenigstens nach grün-weiß-rot in der Küche. (Was haben die aber auch Glück mit ihren Landesfarben, wir Deutschen müssten in Teilen ja immer was anbrennen lassen…) Weil ich zweimal zum Supermarkt fahren musste, einmal ohne, einmal mit Geldbeutel, war mir die Zeit zu knapp, selbst Hefeteig zu machen.

Easy-peasy-Italia-Schiffchen

Und so kaufte ich fertigen Pizzateig, TK-Spinat, frische Tomaten und Mozzarella (und laut Kassenbon noch irgendwas Vergoldetes), teilte den Teig in sechs Rechtecke und formte Schiffchen daraus. Die bestrich ich mit Tomatensoße und belegte sie mit Spinat, Mozzarellawürfeln und frischen Tomaten und streute auf die roten und grünen Ecken noch ein bisschen Reibekäse. Nach 15 Minuten duftete die Küche wie eine italienische Piazza am frühen Abend. Dazu gab’s frischen Salat.

Apropos Tomaten: Mit etwas Glück ernten wir demnächst auf dem Balkon eigene. Das ist allein deshalb erwähnenswert, weil ich, seit ich denken kann, ein gespaltenes Verhältnis zu Pflanzen habe. Will sagen, so lang Pflanzen nicht laut um Wasser schreien können, werden sie in meinem Haushalt einfach einen frühen, tragischen Tod sterben. So sehr ich das bedaure. Vielleicht bin ich deswegen Vegetarier geworden, ich esse sie einfach auf, bevor sie leiden müssen.

Umso überraschter war ich, dass auf unserem Balkon tatsächlich nach dem Winter noch Kräuter wuchsen, die ich vergangenen Sommer in einem Anflug von Gärtnerlust gepflanzt hatte. (Also unter dem ganzen verdorrten Teil, you know). Und den Erdbeeren hatte offenbar jemand vergessen zu sagen, dass sie einjährig sind. Die wussten das jetzt nicht und tragen reichlich Früchte. Überrascht ist eigentlich total untertrieben, ich war von der Entdeckung regelrecht überwältigt!

Der Schnittlauch, den ich von weitem so hübsch fand mit seinen violetten Blüten, wurde vom Tochterkind näher beäugt und sie fragte: „MUSS der so schwarze Punkte haben an den Stilen?“ Spoiler: Nein, muss er nicht. Er ist komplett verlaust. Also habe ich mir neulich im Gartencenter (jetzt wo ich es mit der Gärtnersache voll ernst nehme) eine kleine Schaufel gekauft und einen neuen Topf Bio-Schnittlauch. Dieser sch… öne Schnittlauch hat sich in meinem Beifahrerfußraum auf die Seite geworfen und sich samt Wurzelballen von dem erstaunlich großen Rest Erde im Topf getrennt. In der nächsten Kurve kullerte der Topf umher und verteilte großzügig die bröselige Erde im Fußraum DES NEUEN AUTOS. Der in kürzester Zeit aussah, als hätte sich ein Maulwurf ausgetobt. Wenn dieser Schnittlauch jetzt also auch Läuse kriegen sollte, ist es definitiv Karma. Dann hat er das VERDIENT.

So. Zurück zum Balkon: Ein paar der übrigen Kräuter in den Blumenkästen, an denen die Läuse gar kein Interesse hatten, haben das getan, was in der Regel alle meine Pflanzen tun: Sie reiften zu … Tabak heran, hauchten ihr Leben aus, wurden Laub. Und so entfernte ich eifrig alles, was nicht mal mich optimistische Seele irgendwie überzeugen konnte. Mit dem Ergebnis, dass wir ein ziemlich löchriges Bild hatten. „Pflanz doch Geranien“, sagte mein Mann. Ich schluckte trocken. Geranien sind für mich der Inbegriff von Spießigkeit, das florale Fräulein Rottenmaier. Aber weil ich ja schon ein Auto ganz im Alleingang gekauft hatte (wir erinnern uns) fügte ich mich, und kaufte mit viel Überwindung fünf Geranien. Weiße, denn rot geht gar nicht, wir sind ja nicht die Schwarzwaldklinik.

Der Gatte kam abends heim, ich zog geleitete ihn auf den Balkon und präsentierte meine Geranienpracht. Und dann ergab sich folgender Dialog:

Ich: „Da, Geranien, toll, ne?“ Er: „Jo… hängen die auch runter?“ Ich (irritiert): „Ich hab sie ja gegossen, die hängen gar nicht!“ (alte Wunden, you know) Er: „Neee, ich meine, hängen die dann so übers Geländer?“ Ich: „Hm. ich glaube nicht, dass das Hängegeranien sind, aber Hauptsache Geranien, ODER?“ Er: „Naja, ich finde was Hängendes halt toll. Ob das jetzt Geranien sind… ich kenn mich da ja nicht aus.“ Ich: „Waaaas? Duuu wolltest doch Geranien…“ Loriot hätte sich von unserem Gespräch ganz sicher inspiriert gefühlt.

Ergo: Wir haben jetzt Geranien, die ich nicht mag und er nicht kennt. Aber Hauptsache es blüht was ohne schwarze Punkte. Und gebt mir noch zwei Wochen, dann ergibt sich das mit dem Hängen von ganz alleine. Hust.

How to achieve your goals – oder: Wie ich auf Malta mal fast ein Auto geklaut hätte

Diese Geschichte beginnt an einem sonnigen Dezembervormittag im Jahr 2018 auf einer Plaza in Malta. Die engen Altstadtgassen, die oft steil hinab zum Meer führen, waren üppig mit glitzernder Weihnachtsdekoration überhangen, Touristen bummelten, Malteser eilten durch die Straßen, die einen erstanden Souvenirs, die anderen gingen ihrem Tagwerk nach.

Auf einem großen Platz, offenbar vor dem Rathaus oder einer andere Institution, tummelten sich viele junge Leute in denselben Shirts, es sah ein wenig aus, wie eine Schulabschlussklasse. Sie kreischten, lachten, feierten vergnügt und stellten sich für Fotos auf.

Doch ich hatte kaum einen Blick dafür, denn etwas völlig anderes hatte meine Aufmerksamkeit geweckt: Eine tiefschwarze Limousine, schwärzer als schwarz, mitten auf dem für Fahrzeuge gesperrten Platz. Ungewöhnlich elegant in der Formensprache, kein Nummernschild, dafür eine Art Wappen. Der Kühlergrill – ein lang gezogenes Dreieck. Ich machte ein Bild des Autos, das auf mich eine ähnliche Faszination ausübte, wie seinerzeit KIT. Nur, dass es nicht laut mit mir sprach, dafür nicht weniger intensiv.

Ich umrundete das Auto um einen Hinweis auf die Marke zu bekommen. Und siehe da – es war ein Alfa Romeo. „Jaja“, sagte mein Mann auf meinen begeisterten Wortschwall hin und zog mich sanft am Ellbogen weiter. Das Auto aber hatte einen Eindruck hinterlassen. Einen Anker gesetzt, der an ein ganz bestimmtes Gefühl gekoppelt war und nie wieder verschwinden sollte.

Wir sind nach einer Woche Mittelmeer nach Hause zurückgekehrt – ohne das Auto freilich. Ich habe kurz überlegt, meine Fertigkeiten als Autoknacker zu testen, aber spätestens beim Verladen aufs Schiff wäre ich aufgeflogen. Und so geriet es die kommenden Wochen wieder in den Hintergrund. Bis zu jenem Wochenende, an dem wir eine Open-Air-Messe besuchten, bei der unter anderem ein Autohaus ausstellte. Ich stand – mal wieder – vor einem Auto und wieder sollte es eine Begegnung sein, die später in der Geschichte eine Bedeutung hatte: ein schwarz-rotes, tiefergelegtes Abarth-Cabrio. „Jaja“, sagte mein Mann und zog mich sanft am Ellbogen weiter.

Das Cabrio war schick, keine Frage, aber für eine dreiköpfige Familie ungeeignet, das war sogar mir klar. Aber das Autohaus, das es ausgestellt hatte, war ein Alfa-Romeo-Händler. Ich erinnerte mich augenblicklich an die schwarze Giulia auf Malta und scrollte mich durch die Fahrzeugliste des Händlers. Ich fand blaue Autos und graue, aber kein schwarzes. Aber ganz unten auf der Liste schließlich, tauchte eine Giulia in weiß auf, ein Diesel allerdings. Ich erinnere mich noch gut an diesen Aha-Moment, Liebe auf den ersten Blick, in dem ich etwas für mich beschloss: Mein nächstes Auto ist eine weiße Giulia. Es war keiner dieser „wäre ganz nett“-Gedanken, die ohnehin zu nichts führen. Es war ein Entschluss.

Fasse einen Entschluss. Und erinnere dich täglich daran.

Am Montag darauf eröffnete ich auf der Bank ein Sparbuch, nannte es Giulia und legte einen Dauerauftrag an. Träume sind wichtig, aber nur Pläne führen zum Ziel. Ich überlegte sorgfältig, wie viel mir dieser Entschluss wert ist. Und gleichzeitig beflügelte mich der Plan enorm, diverse Projekte zu vervollständigen, die mich meinem Ziel näher bringen würden.

Und weil Schreiben nun mal das ist, was ich am Besten kann, setzte ich mich auf den Hosenboden und brachte nach Monaten endlich mein Krimi-Manuskript zu Ende. „Ich schreibe ein Buch, das wird ein Bestseller und davon kaufe ich mir das Auto“, erklärte ich meinem Mann, als würde ich über etwas so Simples wie den Einkaufszettel sprechen. „Jaja“, sagte der und grinste.

Um es vorweg zu nehmen: Es wurde kein Bestseller. Aber allein die Tatsache, dass ich aus eigener Kraft, aus eigener schöpferischer Fantasie etwas geschaffen habe, das es vorher nicht gab, dass es Menschen gibt, die mein Buch lesen und Freude daran haben, war für mich ein enormer Motivationsschub. Das mit dem Bestseller kann ja übrigens noch kommen. Ich warte quasi täglich darauf.

Um allen klar zu machen, wie Ernst es mir ist, stellte ich in der Küche ein großes Weck-Glas auf, klebte das Bild einer weißen Giulia darauf und füllte Kleingeld hinein. Geld zum Geburtstag, Zuschläge von Wochenenddiensten, Einnahmen aus dem Buchverkauf – was auch immer übrig war, landete auf dem Konto oder im Glas.

Und dann kam der Samstag vor zwei Wochen. Ich hatte wenige Tage zuvor routinemäßig bei einer großen Automobilplattform im Netz die Angebote gecheckt und eine wunderschöne Giulia entdeckt, allerdings 250 Kilometer weit weg. Ich hatte hin und her überlegt, ob ich mir einen Tag freinehmen sollte, um das Auto anzugucken. Ich hatte mich dagegen entschieden und kurze Zeit später war auch das Inserat verschwunden.

Aber an eben jenem Samstag vor zwei Wochen stand ich nach einer halbdurchwachten Nacht morgens um halb sieben schlaftrunken an der Kaffeemaschine und blätterte durch die Fahrzeugliste jenes Alfahändlers vom Anfang der Geschichte. Und mit einem Mal war ich glockenhellwach. Da stand sie. Eine weiße Giulia mit schwarzem Glasdach, das traumschönste Auto, das die Welt je gesehen hat. Erneut ging ein morgendlich-elektrisierter Redeschwall über meinen Mann nieder. Der sagte – you know. Aber immerhin fuhr er mit mir am Sonntag zum Autohaus, nur damit ich ernüchtert feststellen konnte, dass das schöne Auto nirgends zu sehen war. Auch nicht in der zweiten Niederlassung, die wir „können-wir-bitte-noch-40-Kilometer-in-die-andere-Richtung-Schaaahaaatz“ auch noch anfuhren.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt – am Montagmorgen hing ich um drei Minuten nach acht am Telefon und organisierte eine Probefahrt, die mich völlig flashte. Ich schlief eine Nacht darüber, verhandelte hartnäckig und unterschrieb am Dienstag den Kaufvertrag. Ich kümmerte mich um die Versicherung, putzte meinen Kombi, machte Fotos, schrieb ein langes und ausführliches Inserat und wartete auf begeisterte Käufer. Währenddessen räumte ich das angesparte Konto leer, war ein bisschen verdammt stolz auf mich und nutzte die positive Energie im Atelier zum Malen.

Lass dich niemals von den Umständen leiten. Sie brauchen DEINE Ansage.

And then the REAL magic happened: Innerhalb von einer Woche verkaufte ich zwei meiner Bilder und bekam angeboten, ein paar ausgesuchte Stücke auszustellen. Damit sind schon fast zwei zusätzliche Felgen bezahlt.

Und nicht nur das: Ich habe in dem ganzen Prozess unfassbar viel gelernt, weil ich alles alleine entschieden und gemeistert habe. Und ich lernte den eklatanten Unterschied zwischen Autopreis und Autowert kennen und setzte mich mit Autohändlern auseinander, die meinen Kombi gerne geschenkt haben wollten. (Geschenkt hätten ihn übrigens alle genommen, klar.)

Und als die Umstände mir gerade einreden wollten, dass ich das alte Auto wohl doch würde viel günstiger (und vor allem unter Wert!) abgeben müssen, fasste ich einen erneuten Entschluss: Dieses Auto würde für den Preis vom Hof gehen, den ich mir vorgestellt habe und nicht für weniger.

Einen Tag später meldete sich eine Familie aus der Nachbarschaft, die schon länger einen Kombi sucht. Das Auto zieht nun zu meinem Wunschpreis eine Straße weiter. Magic? Magic!

Mein ganz persönliches Fazit aus der Geschichte: Dream big. Aber vom Träumen allein passiert erstmal gar nichts. Arbeit, Leidenschaft für die Sache, Zielstrebigkeit und der unbedingte Wille, sein Ziel zu erreichen, setzen Energien frei, die nicht aufzuhalten sind.

Und wenn die Umstände noch so laut schreien (und das haben sie im Lauf dieser Geschichte ein paar mal getan, glaubt mir), so habe ich jedesmal beschlossen, dass es bei mir anders ist. Dass es bei mir genauso läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht weil ich kindlich-naiv an Dinge herangehe, sondern weil ich alle Kraft und alle Energie in die Sache stecke und mich faule Kompromisse nicht glücklich machen. (Ich wollte auch nicht die kleine Ausgabe des Modells, sondern dieses, basta.)

Ich kann gar nicht anders, ich BIN das Vertrauen in den positiven Ausgang der Dinge. Und das bin ich so felsenfest und sicher, dass sich die Umstände IMMER mir fügen. Die Dinge sind nicht so kompliziert, wie es mir die Umstände einreden wollen, sie sind einfach und klar, weil ICH nur einfach kann.

Alles beginnt mit dem Entschluss, eine Lösung für jedes Problem zu finden. Alles beginnt mit der tiefbegründeten Weigerung, mich von negativen Stimmen, Unsicherheiten, Umständen leiten zu lassen. Und wenn es bei so vielen anderen anders lief, wenn auch Tante Kunigunde genau weiß, dass das bei Cousin Herbert auch in die Hose ging, dann ist es mir trotzdem egal. Ich bin in meinem Kopf der Chef. Zweifel, Unsicherheiten und Ängste brauchen eine klare Ansage, sonst übernehmen sie ungefragt das Kommando in Deinem Leben. Ain’t nobody got time for that.

Fun fact am Rande: Das Glas bleibt in der Küche stehen und ist schon wieder ziemlich voll mit Kleingeld – ich hatte neben 17 (!) Kugelschreibern (Berufskrankheit) eine Kleingeldsammlung im Kombi gefunden, die vermutlich für sich gesehen schon eine weitere neue Felge gibt. Fehlt ja nur noch eine. Ich überlege mir seit einer Woche, was ich jetzt anstatt dem Bild der weißen Giulia draufklebe. Be careful, what you wish for. And keep on dreaming big.

Wie ich mal den Grundstein für eine Künstlerkarriere legte ;)

Im Treppenhaus liegt ein olfaktorisches Gemisch aus Mörtelstaub, altem Gemäuer, jahrzehntelanger Arbeit und …ja äh… Staub. Die Treppenstufen nach oben knarren leise, das alte Türschloss knackt laut beim Öffnen. Aber ist man mal drin, umfängt einen sofort diese besondere Energie des Loslegenwollens, des Ärmelhochkrempelns, des Schaffens.

Seit drei Jahren wartete mein Atelier auf seinen Bezug, wir haben in dem kleinen, alten Fabrikgebäude alles selbst gemacht und noch viel vor uns. Aber mein Raum ist endlich bezugsfertig, weiße Wände, neue Fenster, neuer Dielenboden, freigelegter Dachbalken.

Ich male seit vielen Jahren (eigentlich schon immer) und hab dafür bisher immer den heimischen Esstisch belagert. Und selbst die Staffelei, die mein Mann mir mal gebaut hat, war irgendwie immer im Weg. Jetzt aber habe ich endlich, endlich eine hellen großzügigen Raum ganz für mich alleine, in dem ich mich austoben kann.

Die Einrichtung haben wir größtenteils geschenkt bekommen oder aus der alten Fabrik übernommen. Dazu gehört ein wunderschöner alter Aktenschrank aus Holz mit dem Flair alter Polizeiruf-München-Folgen, der jetzt meine Bastelpapiervorräte farblich sortiert aufbewahrt, wo früher vermutlich Personalakten lagerten. Außerdem habe ich sämtliche Stoffvorräte, die sich im Lauf eines Bastlerlebens so ansammeln, in einen Spind auf Bügeln aufgehängt. In einem zweiten Spind sind Leinwände untergebracht, zwei weitere sind noch leer.

Überhaupt, leer: Die Büromöbel gab’s geschenkt und so habe ich jetzt zwei riesige Schreibtische, auf denen es sich wunderbar malen lässt. Eigentlich müsste ich sagen, ich hatte mal zwei, weil einen davon sich sofort das Tochterkind gesichert hat, die mich jetzt jedes Mal begleitet und auch nach Herzenslust drauflospinselt. Hab Kinder, haben sie gesagt, sie geben einem so viel, haben sie gesagt… 🙂

Und es ist ja nicht nur so, dass die Kurze meine Farb- und Leinwandvorräte schneller wegmalt, als ich „Skizze“ sagen kann, sie verbringt mittlerweile auch gern Zeit mit Freundinnen im Atelier der Mama und ich gucke den Mäusen beim Malen fasziniert zu, was dabei entsteht, wenn man Kindern einfach mal so machen lässt. Im Übrigen – kurzer Exkurs in Sachen Kindererziehung: Ich bin ja kein großer Freund von Bastelsets und fertigen Bastelanleitungen. Da steht nämlich exakt drin, wie es geht. Und welcher Künstler weiß bitte schon vorher, was am Ende rauskommt, wie langweilig ist das denn. Also haben wir es seit je her so gehandhabt: Farben, Schere, Kleber, Buntpapier, Perlen, Schnur, Pailetten (nie wieder upsi-ist-mir-runtergefallen-Glitzer im hochflorigen Esszimmerteppich, yay!), Acylmaler, Steine, Bänder – you name it, we have it – und einfach machen lassen. In Kindern steckt ungeheure Fantasie und Kreativität und wenn wir Erwachsenen aufhören, sie in Bahnen lenken zu wollen, können sich die kleinsten Kinder schon ausdrücken. Dazu gehört leider unbedingt, dass man sich jegliches, unerwünschtes „mach doch hier mal noch die Ecke weg“ und „wenn das jetzt noch ein bisschen grader wäre“ verkneift. Es sei denn, man wird um Rat gefragt. (And that’s the hardest part.)

Und ich bin übrigens auch völlig sicher, dass selbstbestimmtes Schaffen die Persönlichkeit eines Kindes schon früh entwickelt. Kinder, die ihre Kreativität ausleben dürfen, entdecken auch in anderen Bereichen völlig unbedarft und neugierig ihre Talente. Und ob dann jede Ecke grade war (und ob jede Französisch-Vokabel im Kojunktiv-2 gebildet werden konnte und ob jede Parabelgleichung ausgerechnet werden konnte) ist später völlig uninteressant. (Es sei denn, das Kind möchte Französisch studieren oder Mathematikprofessor werden, aber dann bildet sich auch dieses Talent ebenso früh heraus). Am Ende des Tages zählt, was ein Mensch aus sicher heraus schaffen kann. Mit dieser Basis wird er glücklich werden.

So, jetzt aber zurück zum Atelier. Eigentlich hatte ich vor, den dekorativen Teil fürs Atelier auf Flohmärkten zu finden. Da das gerade nicht funktioniert, warte ich mit der weiteren Einrichtung ab. Ich kann die Leere gut ertragen und warte gerne auf die perfekten Stücke, statt mich mit Kompromissen zufrieden zu geben, die dann nachher zu Dauereinrichtungen werden (weil ja jetzt schon da). Einzig die weiße Kaffeekanne, in der meine Pinsel stecken, ist ein Flohmarktfund, allerdings schon mindestens zwei Jahre alt. Geduld können wir.

Ich warne Euch also gleich mal vor – künftig gibt’s sicher Fotospam aus dem Mekka der Kreativität. Mein kreativer Output ist seit dem Bezug des Ateliers jedenfalls enorm gestiegen. Galerien dieser Welt – mind yourself!

Hau rein, alter Freund

Lieber Norbi,

ich weiß, dass Dich diese Zeilen nie mehr erreichen werden, vielleicht schreibe ich Dir trotzdem, um für alle Zeit festzuhalten, was mich in diesem Moment beschäftigt, ganz eigennützig. Und um zu verstehen, dass Du gegangen bist und nicht mehr zurückkommst. Ich war alles andere als bereit, dich gehen zu lassen. Ich bin es immer noch nicht, zwischen wissen und verstehen und gar akzeptieren ist ein weiter Weg. Aber ehrlich gesagt, wäre ich auch in 100 Jahren nicht dazu bereit gewesen. Ich muss es trotzdem hinnehmen und begreifen, dass ich nie wieder Deine Stimme an der Gegensprechanlage höre, dass ich vor ein paar Wochen zum letzten Mal auf Dein „Norbert hier“ auf den Summer gedrückt habe. Dass ich dir unwissend zum letzten Mal die Treppe runter entgegenkam, um mich Deinen zwei Metern auch noch mit zwei Stufen Vorsprung entgegenzustrecken.

Du bist vor 13 Jahren als Kollege in mein Leben gekommen und hast es vor wenigen Tagen als enger Freund und Vertrauter völlig unvermittelt verlassen. Und doch nicht. Denn mir fallen immer mehr Geschichten und Anekdoten ein, die uns verbinden und die Dich für mich unsterblich machen. Erinnerst Du Dich noch daran, wie stolz du mir deinen riesigen, gelben Lego-Bagger vorgeführt hast? Und erinnerst Du Dich noch an mein blödes Gesicht, als Du ihn mir tags darauf komplett zerlegt in der Schachtel mit in den Weihnachtsurlaub gegeben hast mit dem Auftrag, ihn aufgebaut wieder zurückzugeben? Ich erinnere mich an viele Mittagspausen mit Dir, bei denen ich so lachen musste, dass ich tagelang Bauchmuskelkater hatte. Als Du mich in der Tiefgarage mal auf den Kopf gestellt hast, hätte ich mir vor Lachen fast in die Hose gemacht. Wir hatten etliche Insider, die außer uns keiner verstanden hätte. Du warst immer gut darin, anderen eine Freude zu machen, weil Du empathisch und lebensklug wie kaum ein Zweiter warst. Ein gemeinsamer Freund hat heute über Dich gesagt „being a good friend came naturally to him“ und ich finde, treffender kann man es nicht sagen.

Deine Art, Menschen zu beobachten und sich in sie hineinzudenken, hat dich ausgezeichnet. Ich kenne niemanden, der Dich nicht mochte. Du hast Dich ohne Berührungsängste in jede Gruppe eingefügt und eingebracht. Vielen Leuten ging es wie mir am Anfang – man hatte sofort einen Draht zu Dir und das Gefühl, Dich schon ewig zu kenne. Dich, den Sankt-Pauli- und Terry-Pratchett-Fan, den Elektronik-Bastler, den Hörbuch-Hörer, den Nerd, der am Schwäbischen regelmäßig scheiterte, („ich bin Westfale, ich habe hier Migrationshintergrund, sprecht mal richtiges Deutsch!“), aber nichts unversucht ließ, uns westfälisches Sprachgut unterzujubeln. Dass ein belegtes Brot „ne Knifte“ ist, dass ein grauer Himmel auf „usseliges“ Wetter hindeutet und welche Bedeutung ein Mettbrötchen für einen Westfalen hat – ich habe von Dir viel, auch viel unnützes Wissen, gelernt. Intelligente Ironie war immer Deine Lieblingssprache.

Was nicht heißen soll, dass Du nicht oft irrsinnig anstrengend warst, mein Lieber. Ich kenne niemanden, der so leidenschaftlich diskutiert hat, wie Du. Am liebsten über Politik. Zumindest hast Du es immer geschafft, den Gesprächsverlauf bei Trump, der AfD oder dem bedingungslosen Grundeinkommen enden zu lassen. Punk im Herzen. Dabei hast du nie Plattitüden wiederholt, mit Deinem unersättlichen Wissensdurst hast Du Dir angelesen, was anderen zu kompliziert warst, hast über deren „kognitive Dissonanz“ geschimpft, wenn Du sie argumentativ in die Ecke getrieben hattest. Und insgeheim immer Deinen Spaß an der Reibungswärme gehabt. Ich weiß genau, dass Du einfach gerne Recht behalten hast.

Du hast zwar immer damit kokettiert, dass Deine Geschwister alle Intelligenz der Familie auf sich gezogen haben, aber Du wusstest auch immer, dass das nicht stimmt. Wie oft hast Du selbst mich sprachlos argumentiert und mit Deinem Wissensschatz überrollt? Ich seh Dich noch vor mir, wie Du mich von der Seite anguckst, mit den Augen rollst und sagst „Mädchen, so was weiß man doch.“ Das hast du auch oft gesagt, wenn ich Dir eine Frage gestellt habe. Und ich wusste von vornherein, ich muss Zeit mitbringen. Denn sehr oft hast Du dann erstmal Luft geholt, die Hände überm Bauch verschränkt, Dich zurückgelehnt und ungefähr bei der Entstehungsgeschichte des Weltalls angefangen. Unterbrechen war dann nicht mehr, „lass mich das ganz kurz noch zu Ende erzählen“ – da war klar, ich kann mich nochmal setzen. Und mir und Dir noch einen Kaffee holen. Oder eine Kanne. Schwarz, ohne Milch und Zucker, aber mit Löffel. Im Nachhinein bringt mich das zum Schmunzeln, denn oft genug hatte ich nach Deiner umfassenden Erklärung vergessen, welche Ausgangsfrage uns zu diesem Diskurs gebracht hat. Und vielleicht war das ja auch Deine Taktik.

In solchen Augenblicken kam ganz oft die westfälische Seele durch. An den meisten Tagen begleitete dich eine liebenswerte Grummeligkeit wie eine Art Grundrauschen. „Altes Brain“, hast du gesagt, wenn Dir etwas nicht so leicht von der Hand gehen wollte, wie gewünscht. Wer Dich kannte, wusste aber zwischen den Zeilen zu lesen. Denn was nach außen ein bisschen spröde wirkte, war oft nur der Schutzwall für einen weichen Kern, in dem auch Tiefen schlummerten. Ich danke Dir für Dein Vertrauen, dass Du mich manchmal hast hinein- und hinabblicken lassen, damit ich besser verstehe, was Dich umtreibt und was Dich zu dem Menschen gemacht hat, der Du warst. Denn wir haben nicht nur zusammen ein paar meiner Gespenster verscheucht, wir haben auch manche Deiner alten Kisten aufgemacht, die Du eigentlich vor langer Zeit für immer geschlossen hattest. Bei manchen haben wir zusammen den Inhalt vom Staub der Zeit befreit, die Dinge gemeinsam betrachtet, eingeordnet, zurückgelegt und den Deckel wieder geschlossen. Bei anderen hat Dich allein die Beschriftung davon abgehalten, das Schloss aufzumachen. Oft hast Du mir trotzdem grob vom Inhalt erzählt und ich habe akzeptiert und verstanden, warum Du ihn nicht hervorholen willst.

Dich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, war ohnehin nicht Dein Ding. Bescheidenheit, Loyalität und die Fähigkeit, nach Tiefschlägen wieder aufzustehen – das warst Du. Und wenn Du jetzt sehen würdest, wie ich hier sitze und um Dich weine, würdest Du mich unsanft in die Seite boxen und sagen, „Mädchen, hör auf zu flennen, ich kann das gar nicht ab.“

Vielleicht gelingt mir das nicht sofort, aber irgendwann, hoffe ich. Du hast immer gesagt, „schau mich an, ich werde nicht alt“. Ich wollte nicht, dass Du Recht behältst, aber Du hast halt wirklich immer gerne Recht behalten. Ich bleibe also hier und halte die Stellung, Großer. Und Du machst es Dir auf Deiner Wolke bequem und rollst ab und zu die Augen, wenn ich mal wieder eine dringende Frage an Dich hätte, legst die Stirn in Falten und murmelst „hab ich Dir denn gar nichts beigebracht, Mädchen? Sowas weiß man doch“.  Ich vermisse Dich, alter Freund. See you, würdest du sagen. Oder noch viel eher „Hau rein“. Mach ich. Versprochen.

Das Geheimnis ewiger Jugend – 2. Move your … you-know-what

Es könnte ein frühkindliche Prägung sein, aber der Wald ist mein happy place. Habe ich Kopfweh – geh ich in den Wald. Hab ich Bauchweh – geh ich in den Wald. Bedrückt mich etwas – geh ich in den Wald. Sorgen – Wald. Gut, bei Hunger und Durst hilft es jetzt eher weniger, aber nach dem Weg zum Kühlschrank hilft Wald meistens auch wieder. Das Rezept ist einfach: Ich laufe so lange, bis es wieder gut ist. (Wenn’s beim Laufen immer schlimmer wird, ist es der Blinddarm, aber dann ist der Wald ja immerhin auch diagnostisch wertvoll).

Worauf will ich hinaus? Beweg Dich! Der menschliche Körper ist nicht für Schreibtischarbeit gemacht, sonst wären wir sitzend geboren. Joggen, Walken, Nordic Walken, spazieren, rückwärtsgehen, wurscht: Bewegung ist DAS Allheilmittel für ganz viel für mich. Ich habe das große Glück, fast im Wald zu wohnen, ich brauche nur zur Tür raus und nach 500 Metern bin ich auf dem freien Feld und habe die ganze Alb zur Auswahl. Mittlerweile, Corona sei dank, kenne ich ziemlich viele Wege und jedes Reh beim Vornamen. Aber das macht es nicht fad.

Letztes Jahr habe ich beschlossen, dass ich mehr Bewegung brauche. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, am Jahresende 1000 km auf der Uhr zu haben. Am 31. Dezember war ich zum letzten Mal unterwegs und stand bei 1001,1 km. Dieses Jahr werden es 1111km. Nicht nur, weil ich mir beweisen will, dass ich das kann, sondern, weil ich erkannt habe, dass Laufen und Walken etwas mit mir macht.

Es fördert die Konzentration, die Ausdauer und die Kondition, es kräftigt den Körper und die Lunge und gleichzeitig bringt mich die Waldluft völlig runter. Es sei denn, zwei Rehe stehen urplötzlich vor mir auf dem Weg, wir starren uns geschockt zwei Sekunden an und die Vierbeiner nehmen Reißaus, während mein Puls durch die nichtvorhandene Decke geht. Aber das ist das bisschen Restrisiko, mit dem man leben muss in der Wildnis.

Was aber immer immer ist: Es geht mir gut, wenn ich nach Hause komme. Matsch an den Laufschuhen, Matsch an der Laufhose aber rote Wangen und Glück im Herzen. Und das hält neben der Infarktprävention, der Osteoporoseprävention und ganz vielen anderen positiven Nebenwirkungen eben auch jung. Also: Raus mit Euch.

Zum Nachlesen hat übrigens auch der Spiegel einen interessanten Bericht über die Wirkung von Waldluft veröffentlicht. Sag ich ja.

Das Geheimnis ewiger Jugend – 1. let’s talk about food

Alter ist nur eine Zahl, von der man sich nun wirklich nicht vorschreiben lassen kann, wie alt man ist. Aber alt aussehen, will man das? In Würde altern, ja. Nichts ist so schön, wie ein reifes Gesicht voller Ausstrahlung und Lachfalten.

Aber das ist nicht alt. Wirklich alt sehen für mich die Menschen aus, die verlernt haben, das Gute zu sehen. Die ihren Alltag „irgendwie“ meistern, die ihre Zeit mit „irgendwas“ verbringen. Denn Jugendlichkeit entsteht durch das Feuer, das in den Menschen brennt, für Dinge, für Aufgaben, fürs Leben, für andere. Wenn alle positive Energie gewichen ist und der Alltag als mühseliger Trott empfunden wird, sieht man das. Nicht umsonst muss man Verantwortung TRAGEN (und tut dies oft in ungesunder Haltung), sie LASTET auf unseren Schultern (und macht sie schief) und die Sorgen graben Falten in unsere Stirn.

Weil ich in den vergangenen Tagen tatsächlich oft gefragt wurde, wie man mit 40 aussieht, wie allerhöchstens Anfang 30 (you know who you are) hab ich drüber nachgedacht, was ich mir denn Gutes tue. Herausgekommen ist das Geheimnis der ewigen Jugend, das ich jetzt ganz exklusiv mit Euch teile. Aber ich warne Euch gleich vorab: Es könnte nicht jedem gefallen.

Denn im Grunde befolge ich ziemlich strikt die Rein-Raus-Regel (nicht was ihr jetzt denkt!): Wo etwas Gutes rauskommen soll, muss zuerst etwas Gutes rein – let’s talk about food!

Seit ich mit entzündetem Darm in der Notaufnahme gelandet bin, achte ich noch viel mehr als früher auf das, was ich esse. Die Regeln sind simpel: Ich esse zu 90 Prozent vegetarisch, ein- bis zweimal in der Woche gibt es aber Fisch. Ich muss mich also nicht zwingen, ausreichend Gemüse zu essen, es ist mein Hauptnahrungsmittel neben Nudeln und Reis natürlich. Ich esse bis auf Fenchel auch wirklich alles gerne, verzichte aber aus Gründen auf Kohl und Linsen.

Mein Tag beginnt mit Joghurt, Obst und Flocken – weil ich nicht abnehmen will und mir Kalorien völlig wurscht sind, gibt’s bei uns fast auschließlich griechischen Joghurt – es ist zwar fettiger als der andere, aber er ist eben auch leckerer. Ich schneide einen Apfel klein oder eine Kiwi, eine Birne oder eine Handvoll Blaubeeren – fertig ist die Portion Obst. Und weil ich wie gesagt nicht päpstlicher als der Ernährungspapst bin, gibt’s schon mal ein paar Löffel Schokomüsli drüber, aber auch alle anderen Haferflocken-Mischungen sind lecker. Es sei denn, sie beinhalten Rosinen. Dann sind sie ein Werk des Teufels und hochtoxisch.

Mittags gibt es wie gesagt Gemüse mit irgendwas. Das kann Ratatouile mit Reis sein, eine Zucchini-Feta-Pfanne, Spinat mit Kartoffeln, Grünkernbolognese mit Spaghetti oder oder oder.

Abends gibt es bei uns dann klassisch kalt, Brot, Brötchen, Tomatensalat, Gurke, sowas eben. Was es nicht niemals nie gibt: Dosenfutter. Das einzige, was ich aus Dosen esse, sind Mais und geschälte Tomaten. Aber weder landen zerkochte Erbsen noch zu Brei gegarte Möhren auf meinem Teller und schon gar keine fertigen Eintöpfe. Das einzige Fertiggericht, was ich jemals gegessen habe, dürfte Lasagne sein. Zu Teenagerzeiten. Ansonsten koche ich immer frisch und so gut wie immer selbst.

Weil ich generell glaube, dass Nahrungsmittel genau so, wie sie in ihrem Urzustand sind, am besten für uns sind. Nicht mit Fertigwürzmischung versetzt, nicht vorgekocht, nicht geschält, eingetütet und mit Trockenfertigsoße versehen. Das mag alles bequem sein, aber gesund ist es nicht. Im Übrigen ist es natürlich bequem, den Fisch in Aluschale, beklebt mit Fett, Würze und Bröseln einfach in den Ofen zu schieben. Aber mal ehrlich – schon allein die Bezeichnung Bordelaise ist ein Fake, denn die Mischung hat rein gar nichts mit der Französischen Bordelaise-Sauce gemein. Ein Stück frischer Lachs mit einer Handvoll Kräutern und Olivenöl, Salz und Pfeffer in einer Auflaufform, umlegt mit kleingeschnittener Paprika, Brokkoli, Champignons, washaltwegmuss, dauert keine 15 Minuten, aber der Geschmack ist sensationell.

Ich bin nicht schleckig, ganz im Gegenteil. Ich bin ein großer Fan der einfachen Küche, allein schon, weil ich nicht die Zeit habe, wie eine ordentliche, schwäbische Hausfrau jeden Tag 2 Stunden in der Küche zu stehen. Kartoffeln, Rührei und Spinat? Wunderbar. Vollkornpasta mit einer schnellen Tomatensoße und Parmesanraspeln? Ich bin dabei.

Aber grundsätzlich will ich einfach möglichst genau überblicken, was da in mir landet, ohne eine ellenlange und zumeist kryptische Zutatenliste entschlüsseln zu müssen. Denn mein Körper ist alles, was ich habe. Meine Energie reicht nur dann für meine vielen Aufgaben aus, wenn ich sie konstant auf einem hohen Level halte. Und das kann ich nur leisten, wenn ich den Motor pflege und mit dem versorge, was er braucht. Du bist, was du isst, davon bin ich absolut überzeugt. Und ich bin eben nicht Bordelaise. Und Du auch nicht.

Wer jetzt ernsthaft behauptet, Fertiggerichte seien billiger, dem sei geraten, die Inhaltsstoffe und die Preise genau zu vergleichen. Viel Gemüse zu essen ist so ziemlich die günstigste Art der Ernährung. Und auch den Zeitfaktor lasse ich nicht wirklich gelten – es gibt mittlerweile unzählige Meal-Prep-Ideen im Netz und in Kochbüchern, wenngleich das Konzept früher einfach Vorkochen genannt und schon von unseren Müttern und Großmüttern praktiziert wurde.

Denn bei allem Zeitdruck stelle ich immer wieder fest – ich empfinde Essen nicht als ein Grundbedürfnis (also schon, aber nicht nur), sondern als einen ganz besonderen Moment des Tages. Wenn ich wirklich keine Zeit habe und in der Redaktion einen Salat nebenbei esse, bin ich abends unausgeglichen. Erstens ist mein innerer Monk auf eine warme Mahlzeit am Tag konditioniert und zweitens, und das ist noch viel schlimmer, finde ich Essen einfach toll und liebe es. The bunter, the better. Und im Übrigen liefert der Buchhändler Eures Vertrauens sicher auch in Corona-Zeiten gerne die neuesten Kochbücher bis zur Haustür. Ausreden lasse ich nicht gelten. Aber ihr wolltet es ja so. 🙂

Homeschooling – wie es wirklich ist…

Acht Uhr morgens an einem Frühstückstisch in Deutschland. Corona hat den normalen Schulbetrieb lahmgelegt, homeschooling is the new black. „Mama, heute mache ich ALLE Aufgaben, die noch übrig sind“, sagt das Kind und löffelt enthusiastisch Müsli. Ich grinse. „Es wäre schon gut, wenn Du ein paar davon machst“, sage ich. „Neee, ich mach ALLE. Und dann hab ich endlich richtige Ferien.“

Eine halbe Stunde später. Aus dem Kinderzimmer dröhnt König der Löwen. Das Kind grölt begeistert mit. „Naaaaaa na penjaaaaaa bababiiiiitzi babaaaaaa….“ Ich strecke meinen Kopf durch die Tür. „Wolltest du nicht deine Aufgaben machen?“ „Ja, aber ich muss erst noch singen.“ (Völlig klar. Wer kann schon morgens im Büro seine Arbeit aufnehmen, ohne vorher den Gefangenenchor von Nabuco geträllert zu haben, man kennt das ja.) „Zieh dich bitte an und dann mach dei…“ „JAHA“, unterbricht mich das Kind augenrollend und öffnet die Tür zum Schrank, wohl um den guten Willen zu demonstrieren.

Zwanzig Minuten später. Ich habe die Küche aufgeräumt und die Betten gemacht, Gläser vom Vorabend aus dem Esszimmer geholt und die Fenster zum Lüften aufgerissen. Wie um meine tägliche Runde zu untermalen, düdelt es im Kinderzimmer „der eeeewige Kreiiiis…“ Ich bremse auf dem Weg zwischen Bad und Küche erneut ein. Im Kinderzimmer liegt das Kind in Unterhose, Socken und Schlafanzugoberteil auf dem Boden, hat das Mäppchen ausgepackt – und malt hingebungsvoll ein Elsa-Bild an.

„Äh… sind das Deine Hausaufgaben?“ frage ich, obwohl ich mir die Antwort denken kann. „Nicht ganz, aber es war so halbfertig und ich muss das noch fertig machen, bevor ich mit der Arbeit anfangen kann.“ Ich mahne den großen Rest vom Wochenplan an, erkläre, wieviel des Pensums auf jeden Tag fällt. Das Kind tauscht genervt das Elsabild gegen ein Deutschblatt. Mittlerweile ist es kurz vor zehn.

Bei meiner nächsten Stippvisite höre ich das Kind schon vom Flur aus Sätze lesen und verzichte auf einen weiteren nervigen Besuch. Ein Blick durch den Türspalt zeigt ein Kind, das immer noch im halben Schlafanzug auf dem Parkett sitzt und immerhin Schulsachen vor sich ausgebreitet hat. „Willst Du Dich nicht mal anziehen?“ frage ich, unnötigerweise, durch die Tür. „Nein, im Schlafi kann ich besser lernen“, kommt zurück.

Kurze Zeit später finde ich sie in der Küche. „Ich hatte Durst“, sagt sie und mampft einen Muffin. Ihre Füße stecken in überdimensional großen Tigerpfoten-Hausschuhen. Am restlichen Outfit hat sich nichts geändert.

Als sie meinen Blick sieht, fügt sie an „und Hunger natürlich.“ „Kommst Du voran?“ frage ich. „Ja ja“, sagt sie aber es klingt ein bisschen wie „boah du nervst.“ Sie verschwindet wieder im Kinderzimmer. Keine zwei Minuten später: Kind steht mit Diadem auf dem Kopf vor dem Spiegel. „Was tust du?“ frage ich, mittlerweile ein wenig gereizt. „Das hab ich grad gefunden beim Aufräumen.“ „Wie, beim Aufräumen?“ Sie rollt die Augen, als hätte ich eine besonders blöde Frage gestellt. „DU sagst doch immer, ich soll mein Zimmer aufräumen!!“ – „Aber du sollst JETZT DEINE AUFGABEN MACHEN“, erwidere ich, laut genug, dass es Oma und Opa einen Stock tiefer auch wissen. „WIE DENN, IN DER SAUEREI?“ blafft das Kind zurück und mich beschleicht das blöde Gefühl, dass ich mich argumentativ jetzt irgendwie ins Aus katapultiert habe.

Ich hole Luft. Sehr viel Luft. Und beschließe, mich nicht auf die Palme bringen zu lassen und hole mir nach der Luft den dritten Kaffee. Aus dem Kinderzimmer klingt Rumpeln. Die Aufräumaktion ist offenbar größer angelegt und sehr gründlich. Wenige Minuten später läuft das Kind vollbepackt mit Schulsachen ins Esszimmer und verliert alle paar Meter ein Blatt. Ich folge ihm aufsammelnd und sehe seufzend dabei zu, wie es sich einen viel zu kleinen IKEA-Kinderhocker an den Esstisch stellt. Mit dem Kinn auf der Tischplatte und einem Gesichtsausdruck, als wäre sie das reinkarnierte Leiden Christi füllt sie der-die-das in ein Arbeitsblatt.

Ich ziehe mich in die Küche zurück. Zwei Minuten später. „Maaaamaaaa… heißt es der Sieb oder das Sieb?“ „Es heißt das Sieb“, antworte ich. „Aber Oma sagt immer der Sieb.“ „Das ist halt schwäbisch“, sage ich. „Ist das dann falsch?“, fragt sie. „Naja, eigentlich schon“, stelle ich klar. „Das muss ich gleich Oma erzählen“, sagt sie und steht schon an der Tür, als ich sie bremse. „Halt halt, erst machst Du Deine Aufgaben BITTE FERTIG“, sage ich.

„ABER ICH HABE KEINE LUUUUST“, jammert das Kind. „Ja sagst du das denn deiner Lehrerin im Unterricht auch?“ frage ich, während mir der Kaffee fast aus dem Becher schwappt.

„NE“, sagt das Kind und funkelt mich trotzig an, „aber die trinkt nicht den ganzen Morgen Kaffee und bei der muss ich auch nicht auf einem viel zu kleinen Stuhl und im SCHLAFANZUG lernen.“

WISSTER BESCHEID! Es ist alles MEINE SCHULD!

(Wir werden übrigens trotzdem fertig. Aber wir üben uns in Humor und Geduld. Und für alle, die schon gar nicht mehr wissen, was sie noch tun könnten, gäb’s hier das Karotten-Blatt und auch nochmal das Kartoffel-Blatt. DAS ist übrigens längst fertig. Natürlich.)

In aller Stille…

…habe ich gestern von meinem 40. Lebensjahr Abschied genommen und meinen runden Geburtstag in sehr kleinem Kreis auf sehr ungewöhnliche Art gefeiert: Nachdem mich meine Familie mit 40 Kerzen und einer gigantischen, herzförmigen Riesentorte geweckt hat, haben wir uns zu dritt in Wanderstiefeln auf unseren Hausberg begeben und sind – gewandert. Völlig allein. Die Sonne strahlte mit mir um die Wette und ich muss Euch sagen… was sonst ein Kuchen-Back-Tisch-deck-Hände-Schüttel-Dreikampf ist, war gestern völlig tiefenentspannt. Fast bin ich geneigt zu sagen, ich hätte noch nie einen so schönen Geburtstag erlebt, wie den gestrigen. Aber in Wirklichkeit ist jeder Geburtstag wunderschön. Der Vierziger geht auf alle Fälle als denkwürdig in meine Lebensgeschichte ein.

Und während wir so ziemlich allein in der Natur draußen waren, waren auch hier die Innenstädte mit Eisessern und Kaffeetrinkern bevölkert. Es ist müßig, sich zu fragen, was die letzten Ignoranten mit ihrem Wohlstandstrotz erreichen wollen. Vermutlich nicht, dass die kommenden Restriktionen ausbleiben oder schneller zu Ende gehen. Neulich habe ich den Satz gelesen „es ist doch nicht Krieg, was sollen wir uns alle in den Bunker zurückziehen?“. Das ist nicht nur völlig an der Sache vorbei, es ignoriert auch die Tatsache, dass unsere Bunker luxuriös mit eigenem Bad und eigener Toilette ausgestattet und viele von ihnen nach dem neuesten Hyggetrend interior-durchgestylt sind.

Wir sind nicht im Krieg, es ist nur ein bisschen mehr Solidarität und ein bisschen weniger ich-ich-ich gefragt. Die Erkenntnis, dass es nicht reicht, an die Selbstbeherrschung der Menschen zu appellieren, ist ja leider nicht neu. Es gab auch in der Bibel ein Paar, das die Finger nicht freiwillig von verbotenen Baum lassen konnte. Den Rest kennt man. Womöglich ist diese ignorante Bockigkeit damit begründet, dass die Menschen schlicht Angst davor haben, sich auf die Situation einzulassen. Dass die Kanzlerin eine Rede an die Nation hält – historisch. Dass Krankenhäuser Lazarett-Zelte aufbauen – beängstigend. Der Kaffee in der Innenstadt als letztes Stück erzwungener Normalität? Womöglich haben viele Angst vor der Konsequenz: Denn wer weder soziale Gesellschaft noch Shoppingfreuden noch das Bier am Stammtisch hat, ist gezwungen, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Mit den eigenen Unzulänglichkeiten, die sich im getakteten Alltag leichter ausblenden lassen. Mit den eigenen Sorgen, die sich beim Bummeln besser verdrängen lassen als in stiller Einkehr auf der heimischen Couch. Und wer auf die Reflektion anderer aufs durchgestylte Outfit, auf die eigene Performance oder auf die Designerhandtasche angewiesen ist, um sich bestätigt und selbstbewusst zu fühlen, der hat mit einem Mal sein Publikum verloren und muss sich selbst genügen. Vielleicht sollte die Frage, warum Du das Rauchen nicht aufhören kannst, jetzt wieder Prioriät haben? Vielleicht sollte eine lange totgeschwiegene Sache zwischen Dir und wemauchimmer jetzt einfach mal geklärt werden? (Fernmündlich, freilich). Vielleicht ist jetzt die Zeit für lahme Ausreden endgültig vorbei? Ganz schön hart.

Das kann eine Krise sein. Aber auch eine Chance. Nämlich die, rauszufinden, wer Du wirklich bist. In einem historischen Luftloch aus Terminlosigkeit und innerer Nabelschau. Tust du in Deinem Leben das, was Dich glücklich macht? Nimm Dir Zeit, in Dich hineinzuhören: Das was Du am meisten vermisst, sollte das sein, was ansonsten die meiste Zeit Deines Handelns verbraucht. (Und für die, die nichts vermissen, weil sie derzeit wie auch sonst jeden Tag stundenlang im Chill’n’Netflix-Modus verbringen – herzlichen Glückwunsch. Nicht.)

Nutzt Du alle Deine Talente? Kennst Du sie überhaupt? Es ist eine nie dagewesene Zeit, Dinge in sich aufzuspüren, die Dich weiterbringen in Deiner Entwicklung. Vielleicht ergibt sich aus solidarischer Nachbarschaftshilfe ein neues Netzwerk, neue Aufgaben, die Dich erfüllen? Vielleicht hast Du jetzt Zeit und Muse, Dich einer Sache zu widmen, die bislang nur ein Hobby war, aber eine Existenzgrundlage oder ein zweites Standbein werden könnte? Grundsätzlich glaube ich fest daran, dass man jeden Tag Entscheidungen treffen kann und auch trifft, die das Leben verändern. Aber nie war die Zeit dafür so geeignet wie grade. Denn noch nie hat jemand so strikt die Pause-Taste für eine ganze Gesellschaft gedrückt. Also nutzt die freigewordene Energie für Positives. Wachst an Euch selbst, und ihr geht verändert und bestärkt aus der Zeit hervor.

Dass die Situation durchaus belastend sein kann – ich will es nicht schönreden. Denn während manche Zwangsurlaub abbauen und es danach einfach nahtlos weitergehen wird, verlieren andere im schlimmsten Fall ihren Job und müssen ihre Existenzgrundlage schließen. Auch die vielen helfenden Hände im Lebensmittelhandel, im sozialen oder medizinischen Bereich haben keine Chance, sich zurückzuziehen.

Was ich aber für mich entschieden habe: Ich trage meinen Teil dazu bei und bleibe einfach in meinen vier Wänden. Aber ich werde es nicht nur beim physischen Detox belassen, sondern auch social-media-distance schaffen. Denn die schlechten Nachrichten schlagen irgendwann auch dem sonnigsten Gemüt aufs selbige und die Schreckensmeldungen über weitere Erkrankte und Tote bringen uns nichts außer dieser mulmigen Zukunftsangst. Sogar jemand wie ich, der allein aus Berufsgründen neugierig und faktenversessen ist, braucht ein bisschen Abstand für den eigenen Seelenfrieden. Denn wenn der Optimismus noch vor dem Klopapier ausgeht, ist alles sch… Ich verzichte die kommenden Tage also auf facebook, denn außer Virologen, Verschwörungstheoretikern, Mahnern und Besserwissern findet man da grade nichts, was einen weiterbringt. Ich vertraue auf die Hauptnachrichten und widme mich ansonsten meinen ganz eigenen Baustellen. Zum Beispiel dem Graf von Monte Christo und seinen über 1000 Seiten. Wer übrigens noch unterhaltsame Lektüre braucht, dem lege ich mein erstes Buch wärmstens ans Herz, virenfrei, versprochen.

Zum Schluss der Rat einer alten, weisen Frau (das wollte ich schon immer mal sagen): Tut Euch und Euren Lieben etwas Gutes, bleibt daheim und bleibt positiv. Je weniger dieser Mist sich ausbreiten kann, desto schneller sind wir da alle zusammen durch.

Ran an die Kartoffeln!

Die erste Woche ohne Schule ist gestartet und wir haben das gemacht, was wir sonst montags nie tun: Geschlafen bis um acht. Weil wir’s können. Und weil ich heute Nacht nicht wirklich gut geschlafen habe. Und wenn ich mal wach bin und mein Hirn anfängt zu arbeiten, dann ist es nicht mehr zu bremsen. Und weil die Nacht zu kurz war, um meinen Plan für den Weltfrieden zu Ende zu denken, habe ich mich mal um den häuslichen Frieden der nächsten fünf Wochen gekümmert. Und ich hatte echt viele gute Ideen, die ich gerne mit euch teile. Zwar war der Plan, LaSignorina eben NICHT zum Mamabastelblog zu machen, aber ja mei – besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Denn das Gute liegt völlig nah. Wir befassen uns mit dem Alltäglichen: Wir erarbeiten uns gemeinsam Themen, die uns begegnen. Das können die ersten Frühblüher sein, das können Tiere im Wasser sein, das könnte Musik oder Geschichte sein oder eben was ganz Banales wie unser Essen.

Lesen Sie also heute in der beliebten Reihe „Ernährungswissen für Kids“: Die Kartoffel. Weil es die zum Mittagessen gibt.

Die Kartoffel

Hand aufs Herz, liebe Mamas: Wo kommt die Kartoffel her? Wie viele Sorten gibt es? Wie wird sie angebaut? Ich habe mich auch erstmal schlau machen müssen, aber jetzt ist ein doppelseitiges Info-Blatt mit Fragen zum Text entstanden und das Kind ist schon eifrig am Vorlesen, Anmalen und Ausfüllen.

Hier gibt es einen guten Link für Kinder zum Thema Kartoffel, mein selbst erfundenes Arbeitsblatt gibt’s hier:

Wer übriges Lust auf exotische Pommes hat, sollte unbedingt mal Zimt-Pommes ausprobieren.

Tomaten-Zimt-Pommes

Kartoffeln schälen, in Streifen schneiden und in eine Schüssel mit kaltem Wasser geben. Zwei Teelöffel Olivenöl mit einem Esslöffel Tomatenmark, einem Teelöffel Zimt, einem Teelöffel Pfeffer und einem Teelöffel getrockneten Basilikum vermengen. Die Kartoffelstifte abtropfen lassen, in dem Ölgemisch schwenken und bei 180 Grad ca. 35 Minuten backen.

Dazu passt wunderbar eine vegane Mandel-Mayo, die ich Euch wirklich wärmstens ans Herz legen kann.

Mayo mit Mandelmus

Zwei Esslöffel Mandelmus mit 100 ml Wasser, dem Saft einer Zitrone, 200 ml Öl, zwei  Teelöffeln Senf, Salz, Pfeffer sowie je einem Teelöffel Gemüsebrühe, Kurkuma und Paprikapulver mischen und mit dem Pürierstab zu Mayonaise aufmixen. Im Kühlschrank wird sie noch ein bisschen fester. Die Mengenangaben ergeben ein ordentliches Töpfchen voll, am besten ihr lehnt Euch aus dem Fenster und ruft die Kids aus der Nachbarschaft zum Pommesessen zusammen. Nur so als Tipp.

Und nach all den kulinarischen Leckereien widme ich mich jetzt meinem nächsten Blatt: Die Karotte. Vielleicht haben wir nach fünf Wochen einen ganzen Ordner mit Blättern beieinander und sind alle ein bisschen alltagsschlauer. Mein heimlicher Plan ist ja, dass meine Tochter dann selbstständig kocht, Wäsche wäscht, bügelt und den Haushalt schmeißt. Dann brechen hier goldene Zeiten an. Und sagt nachher nicht, ihr hattet nicht die Chance, mitzumachen.

Und ganz im Ernst: Nie war die Chance größer, den Wissensdurst unserer Kinder zu stillen. Nehmt Euch Zeit für freies Lernen, Zeit für die Fragen, die sonst zu kurz kommen. (Und sagt bitte nicht, dass meine Tochter die Einzige ist, die mich vor unlösbare Fragen stellt wie warum der Himmel blau ist und warum Klaviertasten schwarz und weiß und nicht grün und rot sind und warum Menschen nicht ewig leben und WARUMWARUM) . Erkundet gemeinsam mit Euren Kindern Themengebiete, die Euch bisher unwichtig erschienen oder die ihr schlicht nie auf dem Schirm hattet. Hätte mir jemand vor ein paar Tagen erzählt, dass ich Mathearbeitsblätter und Kartoffelinfos zusammentrage, hätte ich müde gelächelt.

Apropos Mathe: Wer Lust auf Zahlenreihen und Textaufgaben hat: Hier gibt’s Nachschub.

Wer weiß, wohin uns die kindliche Neugier noch führt? Zu den Tieren im Wald? Zu Autos und Flugzeugen? Zum Raketenantrieb, zu Fragen zur Detektivarbeit? Ich bin unendlich gespannt! Und ich bleibe dabei: Die beste Zeit ist jetzt. Machen wir was draus.