21/10/23 – Tag 4 – Von der Mitternachtsformel und den Dingen, die man wirklich braucht

Ich

Anknüpfend an die Diskussion mit meiner Tochter gestern, ob man als gebildeter Mensch zwingend das große Einmaleins auswendig können muss, kamen wir heut auf alle möglichen Dinge, die man mal gelernt hat. Groß war ihr Erstaunen, als ich, die weiß Gott (haha) nicht bibelfest ist, aus dem Stegreif Psalm 23 aufsagen konnte, „den lernen wir grad in Reli, aber woher kennst DU den?“ Nicht alles, was man in der Schule lernt vergisst man, auch wenn man es nicht wirklich anwenden kann.

Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wie oft haben mir Mathelehrer gesagt, die Mitternachtsformel heiße deswegen so, weil man sie aus dem FF aufsagen können müsse, wenn man um Mitternacht geweckt und danach gefragt würde. Heute, mit 43 Jahren, kann ich mit absoluter Sicherheit sagen: Was fürn Quatsch! Nie, aber auch wirklich nie mehr nach dem Abitur habe ich diese x1,2=-b +-…Formel je wieder gebraucht. (Geschweige denn, dass es jemand gewagt hätte, mich deswegen um Mitternacht zu wecken.) Noch nie war ich in meinem Leben an dem Punkt, an dem ich gedacht hätte, „mei, jetzt kann nur noch die Mitternachtsformel helfen.“ Einzige Ausnahme: Ein Mathelehrer sollte die möglicherweise parat haben. Aber der Rest der Menschheit braucht. das. einfach. nicht.

Ich habe nie wieder Parabeln berechnet oder bin der Frage nachgegangen, wie schnell sich ein 80 kg schwerer Mann in einem Zug fortbewegt, der bei 140 km/h entgegen der Fahrtrichtung in Schrittgeschwindigkeit durch den Gang geht. Insofern hilft ein bisschen Gelassenheit womöglich dabei, wenn sich unsere Kinder schwer tun zu verstehen, warum sie lernen sollen, was sie lernen sollen. Und wie wir ja alle wissen, ist das Argument „später habt ihr ja auch nicht immer einen Taschenrechner dabei“ schon längst keines mehr.

Und übrigens: So lange es Erwachsene gibt, die der Meinung sind, aus 300 Kilo Äpfeln könne man 300 Liter Saft gewinnen, ist die Mitternachtsformel sicher nicht die dringlichste Aufgabe an Bildungseinrichtungen. Nur mal so.

Sonst so? Heute zum Abschluss des Apfelsafttages sehr liebe Menschen da gehabt, mit denen wir den Abend haben gemütlich ausklingen lassen. Noch zwei Tage haben wir geöffnet, dann war’s das wieder mit der Saison.

Die Rüsselpest hat sich im Lauf des Tages verbessert, zwar ist die Nase noch nicht ganz frei, aber das Schlimmste, so scheint es, habe ich überstanden. Freue mich trotzdem auf einen entspannten Sonntag.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Klassischer Arbeitssamstag – Frühstück ist ausgefallen, es gab eine Banane, eine Kaki, einen Ananas-Riegel, eine Tasse Brühe mit Backerbsen (Kindheitserinnerungen!), eine Butterbrezel, später ein Brötchen mit Käse und eine Brezel mit Käse und Gurken.

Gesportelt: Nein, aber über 10.000 Schritte gegangen.

Gelesen: Auftragszettel und Bestimmungen zur Kennzeichnungspflicht

Gefreut über: Liebe Menschen, die mir den Tag echt versüßt haben.

Geärgert über: Die Anspruchshaltung der Menschen, die für mein Empfinden immer krasser wird.

20/10/23 – Tag 3 – Von der Rüsselpest, der Schulpflicht, dem Wollen und Müssen

Ich

Szene am Mittagstisch: Das Kind blubbert. Kauend, zwischen den Gabeln voll Kartoffelauflauf, entsprechend nuschelig. „Und dann hat der das gesagt und dann hat die jenes gesagt und Lina und Lana und Lena haben gemeint *blubberblubber*, und dass diesdasAnanas, dabei hat Luana eigentlich gar nichts…“ … you get it.

Ich lauschte eine Weile und versuchte die Stringenz der Story dessen, was sich in der Pause zugetragen haben mag, zu erkennen. War ein bisschen so, wie wenn man beim Tatort einschläft, um elf im nächsten Blockbuster wieder aufwacht und verzweifelt versucht, die Handlung bis dahin nachzuvollziehen.

Als das Geblubber eine kleine Verschnaufpause einlegte, versuchte ich, sachte eine kleine Rüge ans Kind zu bringen, nämlich die, dass sie gestern noch frohlockend meinte, „Mama, morgen IST gar keine Mathearbeit“, und heute an der Bushaltestelle einstieg mit den Worten „Rate mal, was passiert ist – heute war keine Mathearbeit, sondern ein TEST“. Ähm.

Es liegt mir fern, unnötig Druck aufzubauen. Nur so ein bisschen mehr Organisation wäre hilfreich. Fairerweise muss ich sagen, dass sie die übrigen Termine (wenn Mütter Kalender vergleichen, hähä) alle richtig eingetragen hatte. „Hoar Mama, jetzt vergess ich in viereinhalb Jahren EINMAL was….“ Nun. Wir harren der Dinge, die da kommen. Und schwanken zwischen „War aber leicht“, „Ich hab alles richtig“, „glaub ich“, „Die drei letzten Aufgaben hab ich halt nicht mehr geschafft“.

Wir Mütter lernen im Geburtsvorbereitungskurs, wie man Wehen veratmet. Und je älter die Kinder werden, desto mehr begreifen wir, dass das Veratmen mit den Wehen unter der Geburt nicht viel zu tun hatte, eher mit denen, die nach dem Kreißsaal noch kommen. Am Ende der Diskussion hab ich ihr gesagt, dass man den Wert eines Menschens sicher auch nicht danach bemisst, ob er auswendig sagen kann, wie viel Siebzehn zum Quadrat ist. „Siehste“, sagte das Kind und ging spielen. Und Mama atmet weiter.

Stichwort Atmen: Die Rüsselpest, die mir gestern den Hals hat kratzen lassen, hat sich ein Stockwerk höher in die Nase verzogen und lässt die laufen. Deswegen hatte ich heute einen völligen Ruhetag. Außer, dass ich mit einer Handvoll anderer Rentner um viertel vor acht im Supermarkt war, habe ich völlig die Füße still gehalten. Zwischen zehn und elf heute morgen bin ich sogar auf der Couch eingeschlafen. Wohl dem, der’s kann, ne? Dem Muskelkater nach zu urteilen, war das auch dringend nötig. Ich spür’s immer noch.

Ich habe die Zeit stattdessen sinnvoll genutzt und ein Stück Buch im Erkältungsbad gelesen, dem Kind ein Geburtstagsgeschenk bestellt und mir selbst überlegt, eine Uhr zu kaufen. Die Wahl zwischen ganz schwarz und ganz weiß fällt mir nicht leicht und ich hab’s auch erstmal aufgeschoben. Den besten Rat hatte vermutlich die Lieblingskollegin, die mich von weiß abbrachte. „Das sieht nur braungebrannt gut aus, wir sind aber alle käsig. Fifty shades of Brie.“ Ich bin fast abgesoffen vor Lachen. Brie ist the new Tan.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Eiweißbrot mit Frischkäse, Honig und Bananenscheiben (klingt komisch, schmeckt aber), zwei Teller Kartoffel-Gemüse-Auflauf und gleich nochmal Brot mit Spiegeleiern und Käse.

Gelesen: In der Wanne ein Stück davon. Nicht unbedingt was für zarte Seelen.

Gesportelt: Nada. Weil Rüsselpest.

Gefreut über: Dass das Kind durchaus auf- und abrunden, sauber schreiben, sich Dinge merken kann. Nur halt nicht, wenn ICH es will. (Aber gut zu wissen, dass es geht.)

Und: Bei meinem letzten Mailandbesuch schlich ich in dem Bialetti-Fachgeschäft am Dom um eine Bialetti-Mokkakanne herum und konnte mich nicht durchringen, sie zu kaufen. Der Mann, der die Story nur aus Erzählungen kennt weil er gar nicht dabei war, hat sich das gemerkt und eine bestellt. Fehlt nur noch das richtige Pulver dazu.

Geärgert über: Dass sich Mama immer nen Kopf um Dinge macht, die vielleicht einfach noch Zeit brauchen. Als ob das Gras schneller wüchse, weil ich dran ziehe.

19/10/23 – Tag 2 – Von alten weißen Männern und der Disziplin

Ich

Heute wurde mir mehrfach von unterschiedlichen Menschen zu meiner eisernen Disziplin gratuliert. Ich habe heute morgen um kurz nach sieben Kraftübungen gemacht und danach 15 Minuten auf dem Rudergerät verbracht. Weil ich das mit dem Muskelaufbau und dem Sport in meiner Auszeit ganz ernst meine und auch ernst nehme.

Ob das was mit Disziplin zu tun hat? Ich weiß nicht, warum das so ist, aber wenn ich mir selbst ein Ziel setze, dann kann ich einfach nicht anders, als den Weg dorthin zu gehen, so wie ich ihn mir vorgenommen habe. Ich habe vor Jahren mitten in einem Februar beschlossen, 1000 km bis Jahresende zu walken. Ich stellte die Uhr und walkte. Am Silvestermorgen lief ich die letzten 4 Kilometer. Ich kann gar nicht anders. Es ist ja so: Verspricht man einem Kind, dass es ein Eis bekäme, wenn es sein Zimmer aufräumte, dann hält man sich dran, wenn man das Kind nicht in seinem Grundvertrauen erschüttern will. Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

Dasselbe gilt für Versprechen, die man sich selbst gibt. Diesen ominösen Schweinehund, der bei manchen Menschen offenbar ständig mitredet, hat man in meinem Bauplan irgendwie vergessen. Klar, manchmal ist es früh, noch dunkel, kalt, schmuddelig. Aber wie übel ist das Gefühl, die Laufrunde geschwänzt zu haben? Dann tausendmal lieber kalt und dunkel. Nicht denken, einfach machen.

Möglicherweise liegt die Kunst auch darin, realistische Ziele zu setzen? Oder sich nichts vorzunehmen, was man nicht auch wirklich möchte? Ich treibe nicht Sport, weil ich glaube, dass es gesund und sinnvoll ist, sondern weil ich mir ganz sicher bin. Insofern ist es Disziplin, Selbstliebe oder Sturheit – wurscht, finde ich – es funktioniert.

Job

Nicht der eigentliche, sondern der im Familienbetrieb: Es hat diesmal fast bis zum Ende der Saison gedauert, bis mir ein alter, weißer Mann erklärt hat, wie ich meinen Job richtig mache. Das geht oft schneller. Dafür sogar schriftlich diesmal mittels ausgedrucktem Infomaterial. Erst wollte er ein selbstgewähltes MHD aufgedruckt haben, die Verantwortung dann per Unterschrift aber nicht selbst tragen. Und wir haben dann alle bereits geklebten Etiketten nochmal neu gedruckt, kostenpflichtig, versteht sich. MENSCHEN.

Ansonsten war der Tag viel anstrengender als gedacht – das Terminbuch sah gar nicht so voll aus, plötzlich wurde es aber immer voller. Was aber auch daran liegen könnte, dass „zwei Zentner“ und „zwei Hänger“ eben ganz grundverschiedene Mengenangaben sind, die, wenn man sie missversteht, zu Engpässen führen können. Wir hatten so spät Feierabend, wie noch nie in diesem Jahr. Aber, Feierabend ist Feierabend.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Einen halben Becher Hüttenkäse mit Müsliflocken und Banane, ein Eiweißbrot mit Frischkäse und Quäse zwischendurch, zwei Teller Spaghetti mit grünem Pesto und Erbsen, ein halbes Brötchen mit Käse. Ein Lebkuchen für die Nerven und eine Handvoll Nüsse.

Gelesen: Herstellerangaben, Auftragszettel, dies und das.

Gesportelt: 30 Minuten Bodyweight und 15 Minuten Rudern. Eins von beiden hat mir schrecklichen Bauchmuskelkater beschert, Husten, Lachen, um die Kurve fahren – alles tut irgendwie weh. Erstaunlich, wofür man Bauchmuskeln braucht, wenn man sie nicht mal sieht.

Gefreut über: Ein Kind, das gelöst und lachend von der Schule kommt, wo es heute eine Deutscharbeit geschrieben hat.

Geärgert über: Den Virus im Haus, der sich nun wohl auch in meinem Hals einnistet. Morgen ist Ruhetag angesagt – zu wissen, wann das Priorität hat, ist wohl auch ein Teil der Disziplin.

18/10/23 – Tag 1 – Bin ich, was ich esse?

Ich

Ich würde mich als intuitiven Esser bezeichnen. Auf ein Frühstück kann ich am ehesten verzichten, wenn, dann gibt es aber ein Müsli mit Milch, Joghurt oder Hüttenkäse, Obst dazu, irgendwelche Flocken, Crunchiges, sowas eben. Beim Mittagessen hingegen verstehe ich nur wenig Spaß: Ein Tag ohne warmes Mittagessen ist möglich, aber sinnlos, frei nach Loriot. Mittags etwas kaltes aus der Tüte essen, ist für mich die absolute Not-Not-Lösung. Lieber stelle ich mich selbst in die Küche, als dass ich mir ein mit Käse überbackenes Brötchen aus der Bäckertüte einverleiben würde. Auch Salat macht mich nur so halb glücklich, höchstens an einem heißen Sommertag. Das Mittagessen unterteilt für mich den (Arbeits-)Tag in zwei Hälften, ist eine Zeit des Innehaltens, kurz Herunterfahrens, Genießens. An einem Tisch mit Porzellanteller und Besteck.

Abends darf es dann kalt und auch eher spartanisch sein – Brot, Brötchen, Frischkäse, Käse, Oliven, Tomaten – und ich bin glücklich. Fleisch und Wurst habe ich vor einigen Jahren komplett aus dem Speiseplan gestrichen und vermisse es auch nicht.

Ich habe noch nie eine Diät gemacht und noch nie Kalorien gezählt, geschweige denn eine Ahnung, wieviele Kalorien wo drin stecken. Auch bin ich noch nie hungrig ins Bett gegangen oder hätte mir Süßes verkniffen. Ich esse andererseits auch nie mehr, als reinpasst. Kein fieseres Gefühl, als das letzte Stück Pizza wider besseren Wissens noch gegessen zu haben und sich dann so entsetzlich voll zu fühlen.

Seit ich allerdings weiß, dass mein Darm auf zu viel Zucker ziemlich beleidigt reagiert, habe ich bei Süßem ein bisschen ein Auge drauf. Dennoch vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein kleines Stückchen Schoki oder süß-saures Gummizeug esse. So what.

So viel also dazu. Heute wies mich jemand darauf hin, dass ich womöglich nicht genügend esse, ständig im Kaloriendefizit bin. Aus reiner Neugier habe ich über einen Online-Rechner meinen Kalorienbedarf ermittelt. Ich komme auf etwa 1800 Kalorien, die ich – ohne Sport – pro Tag verbrauche. Rudern, so sagt es das Gerät jedenfalls, verbraucht aber ganz ordentlich viele Kalorien. Das heißt, an Tagen wie heute, an denen ich Krafttraining mache und Laufen gehe, rutsche ich womöglich wirklich in ein Defizit. Muskelaufbau, so viel habe ich mittlerweile verstanden, ist dann nicht möglich. Eigentlich logisch, wie soll der Körper etwas Neues bauen, wenn der Input nicht einmal oder höchstens gerade so reicht, das Bestehende zu erhalten. Und ja, offensichtlich ist ein Kalorienplus notwendig, um Muskelmasse aufzubauen. Ich habe mir erstmal einen zweiten (halben) Teller Lachsnudeln geholt. Und heute mittag eine Schüssel Hüttenkäse mit Banane und Erdnussmus gesnackt. Proteinpulver hatte ich vor geraumer Zeit verschiedene probiert, aber irgendwie ist das nix für mich: Entweder schmeckt das Zeug wie aufgelöste Gummibärchen oder wie das, was unten aus dem Komposthaufen austritt. Lieber löffle ich zwei Becher Hüttenkäse am Tag.

Nur eines geht nicht: Harzer Käse. (Danke, Tanja, für den Tipp, aber NEIN!) Diese kleinen, gallertartigen Gummischeiben, die riechen wie ein Kuhfladen, KANN man nicht essen. Wer’s versucht hat, weiß, wovon ich spreche. Und wer’s wirklich essen kann, hat meine absolute Hochachtung. (Aber ich würde mal nach meinen Geruchs- und Geschmacksnerven gucken lassen, da kann was nicht stimmen. Örks.)

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Wie bereits erwähnt, eine kleine Schüssel Hüttenkäse mit Blaubeeren und Müsli, zwei Teller Nudeln mit Wildlachs in Hafersahnesoße, Zucchini und Karotten, eine Schüssel Hüttenkäse mit einer Banane und einem Löffel Erdnussmus zwischendurch, eine Scheibe Brot mit Camembert und frischen Gurken.

Gelesen: Einiges über Ernährung, über Kalorienüberschuss und Defizite.

Gesportelt: Erst war ich mit der Hunderundenbegleitung ohne Hund eine Runde walken, knapp 4,5 Kilometer. Dann habe ich zwanzig Minuten Bodyweight gemacht und mich fünf Minuten aufs Rudergerät gesetzt, weil ich Lust darauf hatte. Und dann bin ich noch 6 Kilometer joggen gewesen. Stand so auf dem Plan, jedenfalls Kraft und Laufen, Disziplin ist mein zweiter Vorname. Komme auf knapp 17.000 Schritte heute. Und ahne, dass ich diese zehneinhalb Wochen später einmal als eine Zeit des Muskelkaters in Erinnerung haben werde. Aber das Ergebnis zählt.

Gefreut über: Dass das Kind heute von sich aus (!) freiwillig (!) Mathe üben wollte. Die Zeit der ersten Klassenarbeiten kommt.

Geärgert über: Die Viren im Haus (nicht das fiese C), die hoffentlich an mir vorbei gehen. Rüsselpest braucht niemand.

17/10/23 – Tag 0

Ich

Ich habe heute ein Foto meines Textes im Autoreply-Feld gemacht. Da steht „Ich bin am Dienstag, 2. Januar 2024, wieder erreichbar.“ Mein Verstand braucht glaube ich noch eine Weile, um zu realisieren, wie scheißelang ich frei habe.

Aber von vorn. Ich hatte einen produktiven Vormittag und habe noch einiges weggeschafft. Ich habe eine Übergabe für die Kollegen geschrieben, etliche Mal die Frage, ob ich wirklich nur noch heute da sei und wirklich so lange weg, mit ja (oooh jahaaa!!!) beantwortet und zehn Minuten vor eins den Rechner runtergefahren. Jetzt fühle ich mich ein bisschen wie das Schaf, das das Loch im Zaun gefunden hat und unschlüssig in der Freiheit steht.

Und dann habe ich getan, was mir am Nötigsten schien: gegrast. Sprich, ich habe Lebensmittel für den Rest der Woche gekauft wie so’n Hamsterrentner, damit ich die kostbare Zeit nicht im Supermarkt verschwende. Morgen also beginnt das Abenteuer. (Wahrscheinlich ereilt mich in 2 Wochen der Anruf des Grauens, der mich zurück an den Schreibtisch nötigt. Aber da bin ja auf Hawaii. Oder nebendran. Weitweitweg halt. Das wird so guuut!

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Eine Banane, zwei Teller Nudeln mit selbstgemachter Tomatensoße, eine Brezel mit Camembert. Gleich noch ein bisschen Obst.

Gelesen: „Ich bin ab Dienstag, 2. Janua…“ und eigene und fremde Texte.

Gesportelt: Knapp 6km spaziert mit der Hundebegleitung ohne Hund.

Gefreut über: na, offensichtlich.

Geärgert über: meine Schusseligkeit, hab im Supermarkt eine Glasflasche fallen gelassen. Sofort kam eine Mitarbeiterin und drückte mir Papiertücher in die Hand, mit denen ich sofort begann, die Pfütze aufzuwischen. Daraufhin ist sie ganz erschrocken, die Tücher seien für meine Finger, sie würde doch den Boden übernehmen … äh, ach so. Es war dann irgendwie zweimal peinlich. Aber sie hat mich beruhigt, sowas passiere jeden Tag. Nicht mir zum Glück.

16/10/23 – Einmal schleudern, bitte

Ich

Heute morgen stach ich in See. Beziehungsweise den Rhein-Herne-Kanal. Jedenfalls stellte ich mir eindrücklich vor, ich säße an Bord eines Ruderboots und glitt Schlag um Schlag über die stillglänzende Wasseroberfläche, vorbei an Containerschiffen, Ausflugsdampfern und … Enten. In Wirklichkeit saß ich auf dem kleinen schwarzen Popobrett meines Rudergeräts und stellte fest, dass 15 Minuten dort drauf eine kleine Ewigkeit sind. Ich habe Muskeln an meinem Körper entdeckt, die bislang unbenutzt in Ecken herumgehangen haben (jetzt nicht bildlich gemeint). Aber es macht Spaß, weil ich mich so richtig auspowern kann damit. Ich freue mich SO SO SO auf meine Auszeit, die – laut Plan – morgen um spätestens 13 Uhr beginnt. Yay!

Job

Womit wir zu dem kommen, was meinen gesamten Tag regelrecht gefressen hat: Meinem Job. Ich hatte zwei Geschichten, um die ich mich heute kümmern wollte. Der Plan war so lange gut, bis ich die Redaktion betrat (so lange schon im Geschäft und immer noch blauäugig, hach). Ab da stellte der Tag auf Schleuderprogramm. (Ein ganz normaler Arbeitstag also.) Um hinten anzufangen: Die beiden Geschichten sind fertig geworden. Aber um zehn kam ein Termin hinzu, den ich ehrlicherweise nicht mehr auf dem Schirm gehabt hatte. Kurz vor elf begann ich mit der Recherche für den Aufmacher, unterbrochen von Telefonaten. Um elf wurde während der morgendlichen Konferenz klar, dass meine Geschichte auf eine andere Seite wandert, meine Seitenplanung war folglich kurzfristig verworfen. Außerdem organisierte ich Termine der restlichen Woche, sagte hier zu und dort ab und erschrak fast, als meine Kollegin, mit der ich zum Essen verabredet war (mein Highlight heute!) neben mir stand. Einen viel zu großen Teller Nudeln und Frühlingsröllchen später schrieb ich zuerst Geschichte zwei, baute meine Seite fertig und recherchierte dann am Aufmacher weiter. Ich las Texte des Kollegen, half bei Überschriften, telefonierte mit Gemeinderäten und Ortsvorstehern und heute Abend noch mit dem Protagonisten des Aufmachers. Gefühlt habe ich etliche Dinge erledigt, tatsächlich aber nicht viel. Mein Kopf ist voll und leer zugleich und vermutlich habe ich irgendetwas wichtiges vergessen. An manchen Tagen erfüllt es mich, an manchen erschöpft es mich. Bin unschlüssig heute.

Aber ich sag’s Euch – die Aussicht auf den Feierabend morgen macht alles schon viel erträglicher.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Müsli aus Hüttenkäse, Crunch und Blaubeeren, dann ging’s bergab: einen Teller vegetarischer Frühlingsrollen, einen Riesenteller chinesischer Nudeln mit Gemüse und heute Abend ein Laugenbrötchen mit Camembert. Morgen wieder das mit dem Gemüse.

Gelesen: Texte, eigene, fremde.

Gesportelt: Ich komme heute nicht mal auf 4000 Schritte, aber die 15 Minuten Rudern zählen ja auch

Gefreut über: Die besteste Kollegin und das lustige Mittagessen. Tut gut, nicht allein in dem Boot zu sitzen.

Geärgert über: Tunlichst nichts mehr, lohnt sich auch nicht.

15/10/23 – Row, row, row your boat …

Ich

Liebes Tagebuch, heute komme ich mir vor, als hätte ich die Langsamkeit erfunden. Das erste Mal wurde ich kurz vor acht wach, das zweite Mal kurz vor neun. Irgendwann gab es Kaffee und ein Frühstück mit Rührei, ich räumte die Spülmaschine ein und die Waschmaschine aus. Aber als ich gerade die Betten machen wollte – beschloss ich, mich noch fünf Minuten reinzule… chrrrrr… Dabei geriet ich in eine Art Zeitschlaufe. Als ich erwachte, war es kurz vor ein Uhr mittags. Ganz offensichtlich hatte ich noch eine Mütze mehr Schlaf gebraucht. Und einen Restday, um richtig runterzufahren. Ich sag’s ja, das Alter.

Ich kochte spät und aß noch später und beschloss dann, eine Runde um den Block zu spazieren, nachdem der Rest der Familie auch eigenen Plänen nachging. Kaum vor der Tür, erlebte ich einen Kälteschock, den Temperatursturz hatte ich theoretisch zwar mitbekommen, mich praktisch aber noch nicht daran gewöhnt – es ist im Süden Deutschlands plötzlich empfindlich kalt verglichen mit dem Sommerwetter, das wir bis vor ein oder zwei Tagen noch hatten. Ich spazierte also gar nicht ganz so gemütlich über Wiesen und Wege und freute mich, wieder ins warme Zuhause zu kommen. Mein Highlight allerdings ließ bis zum Abend auf sich warten: Mein Mann montierte mein Rudergerät und ich kann ab sofort meine Bahnen über den Rhein-Herne-Kanal ziehen. Theoretisch. Trockenen Fußes. Ich habe es keine zehn Minuten ausprobiert und festgestellt, dass es sehr viele Muskelpartien anspricht, denen bisher wohl jegliche Ansprache gefehlt hat. Das wird lustig.

Und damit kommen wir zum Plan: Da, Stand jetzt, der Dienstag mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr sein wird und ich folglich viel Freizeit am Stück füllen darf, habe ich beschlossen, sie mir und meiner Kondition und Kraft zu widmen. Ich habe Lust auf Sport, also widme ich meine Zeit genau dem. Der Sonntag soll der faule Tag bleiben, an den übrigen Tagen habe ich mir Einheiten aus Laufen, Schwimmen, Radeln, Rudern, Walken, Krafttraining und Wandern vorgenommen. Projekt Sixpack startet am Mittwoch, ich bin gespannt, was sich in zehn Wochen tut. Ob ich Vorher-Nachher-Fotos machen sollte?

Job

Morgen noch und übermorgen den Vormittag – klingt immer noch unwirklich. Dabei habe ich ausgerechnet jetzt noch mindestens zwei Storys in petto, die ich noch machen will. Nun gut, ich habe ja auch noch anderthalb Tage Zeit. Ob ich wirklich loslassen kann danach? Ob mich das Schreiben nicht zu sehr lockt, als dass ich hin und wieder… hm. Und wenn nicht, ob ich dann im Januar (NÄCHSTES JAHR DANN!) wieder smooth zurückfinde? Mich treiben viele Gedanken um, aber erstens kommt alles eh, wie es kommt, und zweitens ist es immer so gut, wie man es sein lässt.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Brot mit Frischkäse und Rührei, Reispfanne mit Brokkoli, Paprika, Karotten, Pilzen und Wildlachs, ein Müsli aus Hüttenkäse, Erdnusmus und Blaubeeren, heute abend ein Mini-Snickers.

Gelesen: Gebrauchsanleitungen für die Montage von Rudergeräten, ein bisschen im Internet.

Gelaufen: 3,4 km durch den Wind spaziert. Schnell spaziert. Die Kategorie heißt ab sofort „Gesportelt“, weil ich mehr vorhabe, als nur zu laufen.

Gefreut über: Das Rudergerät! Es powert mich glaub richtig gut aus und man kann überschüssige Energie loswerden.

Geärgert über: Heute keinen Grund gehabt.

14/10/23 – Die alte Frau und das Universum

Ich

… werde alt. Woran ich das merke?

  1. Ich war gerade bei einem Polterabend eingeladen, bei Menschen, die eben noch bei meinem Polterabend waren. Als Kinder, maximal Heranwachsende. Wieso heiraten die jetzt schon selbst?
  2. Menschen auf diesem Polterabend tragen winzige Babys mit sich herum und ich denke – bin ICH froh, dass ich das Wickel-Sabber-Alter hinter mir habe.
  3. Ich überlege am Buffet, ob mir Essen um diese Uhrzeit überhaupt noch bekommt.
  4. Ich verlasse den Polterabend vor 22 Uhr und freue mich, dass ich zeitig ins Bett komme. 21 Uhr ist das neue Mitternacht.
  5. Mein Rücken gewöhnt sich dieses Jahr partout nicht an die Arbeit im Stehen. Vielleicht ist es nicht einfach Überlastung, sondern Verschleiß?
  6. Während ich vor ein paar Jahren noch während der Arbeit den Inhalt der Süßigkeitenschublade dezimiert habe, knabbere ich heute Gurke und Karotte mit der Begeisterung eines Zwergkaninchens – irgendwie muss man ja die Vitamine in sich kriegen.

Die Liste wäre noch endlos fortsetzbar, aber: Neulich schätzte mich jemand zehn Jahre jünger als ich tatsächlich bin. Also reiß ich mich einfach mal zusammen, da ist noch Luft nach … unten. Und geh schlafen, der Augenringe wegen.

Und sonst so? Ich habe heute bewiesen, dass das Universum ganz genau zuhört. Denn beim Apfelsaftabfüllen kam mir plötzlich in den Sinn, dass wir noch nicht einen einzigen undichten Beutel in dieser Saison hatten. Hin und wieder, wirklich selten, ist einer der Folienbeutel undicht, oft rinnt es dann an einer Schweißnaht, die unsauber ausgeführt ist. Ich überlegte kurz, ob ich es wirklich laut aussprechen soll, entschied mich dann dafür. Ich schwöre – keine zehn Minuten später drehte ich mich zur Palette um und ein Karton stand in einer kleinen, dampfenden Lache heißen Apfelsaft – der Beutel hatte ein ziemliches Loch. Also liebes Universum, ich weiß, Du kannst mich hören. Kannst Du eigentlich aus 43-Jährigen auch 34-Jährige machen? Frage für eine Freundin.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Joghurt mit Crunch, eine Feige, eine Butterbrezel, ein Stück Zwiebelkuchen, ein (!) Gummibärchen, zwei Teller Kürbiscremesuppe und einen Pizzamuffin. Letzteres nach 21 Uhr! Leben am Limit.

Gelaufen: Mehr als 10.000 Schritte. Außerdem getestet: Ich halte eine saubere Plank für eine Minute. Da ist noch Luft nach oben. Aber immerhin.

Gelesen: Nichts Spannendes, tatsächlich.

Gefreut über: Eine dampfende, hausgemachte Kürbissuppe am Lagerfeuer nach einem langen Tag körperlicher Arbeit – es sind wirklich die kleinen Dinge, die glücklich machen.

Geärgert über: Zeitliche Fehlplanung heute morgen, die meinen Feierabend eine Stunde nach hinten geschoben haben – aber der Tag ging trotzdem vorbei.

13/10/23 – Menschliche’s (sic!) zwischen Äpfeln

Ich

Wenn man so wie ich mit Menschen zusammenarbeitet, egal, ob im eigentlichen Beruf oder im Privaten, weiß man, dass Menschen sehr verschieden sind. Man begegnet immer wieder welchen, die völlig anders ticken als man selbst.

Drei Begebenheiten aus einem Tag im Apfelsaftbusiness:

  1. Ein junger Mann war beauftragt worden, den Apfelsaft, der zuvor bei uns gepresst und in Beutel samt Karton abgefüllt worden war, abzuholen. Der Saft stand ordentlich gestapelt auf unserem wirklich breiten Hof auf einer Palette. Der junge Mann stellte sich kurz vor, wir zeigten ihm, welche Palette die seine war und baten ihn, nach dem Einladen mit der Rechnung einfach kurz zu uns zu kommen. Normalerweise schließe ich das Tor, weil es zieht. Heute aber war es so warm, dass der Durchzug gut tat. Und so konnte ich folgendes beobachten: Der junge Mann hob einen Karton (5 Liter) von der Palette, marschierte damit etwa 15 Meter runter von unserem Hof und bog rechts um die Hausecke. Nach einiger Zeit kam er wieder und holte sich den nächsten Karton. Ich schaute dem Spiel eine Weile zu. Nach etwa zehn Minuten hatte er 4 Kartons abgeladen. Irgendwann fasste ich mir ein Herz und fragte ihn, ob er nicht einfach mit dem Auto AUF DEN HOF zur Palette fahren möchte, der Hof sei ja komplett leer. Er guckte mich an, dann die Palette, dann in die Richtung, in der sein Auto hinter dem Hauseck wohl stand, und sagte dann, ehrlich beeindruckt von der Idee: „Ach so. Ja. Dann müsste ich nicht so weit tragen, gell?“ Sprachs und stellte seinen Oldtimer (!) direkt neben die Palette. In zehn weiteren Minuten war der ganze Rest verladen. Man hilft ja gern, aber … äh?!
  2. Ein nicht mehr gar so junger Mann wollte wissen, wie viel Text auf unseren Etiketten wohl Platz hat. Dort steht der Name des Kunden, das MHD, das Abfülldatum, etc. drauf. Ich sagte scherzhaft, dass es für ein Gedicht sicher nicht lange. Er zeigte mir einen Zettel. Gerne hätte er den Familiennamen und darunter die Herkunft und Sorte der Äpfel stehen. Wir probierten am Etikettendrucker, ob es hinhaut. Während ich tippte, sagte Herr Müller (so nennen wir ihn jetzt), „… dann können sie ja ein Apostroph dran machen bei Müllers“. Ich sagte „könnte ich, mach ich aber nicht, denn da gehört keins hin“ und tippte weiter die Apfelsorte ab, die ich noch nie gehört hatte. Wir stellten fest, dass alles wunderbar passt. „So?“ fragte ich und wir guckten gemeinsam auf den Bildschirm. „Ja, aber wenn Sie jetzt noch das Apostroph…“ Sowas triggert mich ja. Ich holte Luft. Und erklärte, möglichst ohne oberlehrerhaft zu klingen (was mir sicher misslang), was ein Genitiv-s ist, und dass es ebenso wenig Müller’s Apfelsaft wie Tom’s Auto oder Peter’s Duden heißt. Der Mann hörte mir interessiert zu. Und dann sagte er: „Ja aber ich mach’s halt immer hin.“ Und ich: „Ja und dann ist das halt schon immer falsch.“ Wortlos guckten wir uns eine gefühlte Ewigkeit an. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass es wegbleibt. (Puh). MAN NENNT DAS DEPPENAPOSTROPH, GOOGLE IT.
  3. Seit Tagen wurmt es mich, dass ich den letzten Kunden für morgen nachmittags um drei ins Terminbuch geschrieben habe. In der irrigen Annahme, der Tag würde sich morgen ohnehin füllen. Stattdessen klaffte bis heute Abend zwischen 13 und 15 Uhr eine gähnende Lücke im Terminkalender, wir würden also zwei Stunden warten müssen, bevor wir Feierabend machen können und mit der Putzerei anfangen können. Ich googelte den Namen und versuchte den Mann anzurufen, aber leider fand ich keinen Eintrag im Telefonbuch, der passen könnte. Nicht mit unserer Vorwahl und auch nicht mit denen aus der plausiblen Umgebung. Und die Nummer hatte ich nicht aufgeschrieben. Heute Abend, als wir uns alle längst in das Schicksal ergeben hatten, klingelte bei uns das Telefon. Just dieser Kunde hakte nach, ob sein Termin um 14 oder 15 Uhr sei, er habe es vergessen. Und ob es nicht eher ginge. Er kommt jetzt kurz nach 12, schließt somit eine viel frühere Lücke und beschert uns einen um zwei Stunden vorverlegten Feierabend. Manchmal muss man einfach Dusel haben. Von wegen, Freitag, der 13. …

Überhaupt, irgendwann, zum 100-jährigen Firmenbestehen, werde ich eine Festschrift zusammenstellen und alle Anekdoten aufschreiben, die wir in den vielen Jahren erlebt haben. Mein Highlight ist immer noch die Dame vor ein paar Jahren, die wissen wollte, wie groß denn die möglichen Gebinde sind. Ich erklärte „es gibt fünf oder zehn Liter.“ Die Dame sagte „Aaaaaha.“ Dann wandte sie sich zum Gehen, drehte sich aber noch einmal um, und fragte: „Und was ist da dann der Unterschied?“ … was sagt man da? „Warten Sie, ich muss es auch kurz erst ausrechnen?“

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Joghurt mit Crunch und Blaubeeren, eine Banane, eine Feige, Flammkuchen mit Räucherlachs und Champignons (einmal frisch, einmal aufgewärmt) und beim ersten Mal dazu einen grünen Salat mit Karotte, Tomate und Gurke. Außerdem einen Powerriegel vom Müslihersteller dessen Name nicht erwähnt werden soll. The one who must not be named. SEIIIIIIIITENBA… aus jetzt.

Gelaufen: Jap, erst 3,8 Kilometer, selbe Hood wie gestern nur ohne Reh, dabei einen Trimmdichpfad entdeckt. Als ich dann am Auto war, fand der innere Monk, dass 3,8 Kilometer eine schlimm ungrade Zahl sind. Also hängte ich noch 1,2 Kilometer dran. Mit deutlich flotterem Tempo. Daheim quälte ich mich noch durch ein Pamela Reif Abs-Video, weil Cardio allein dem Sixpack auch nicht hilft. Aber: Aua.

Gelesen: Auftragszettel. Und Etiketten. You know.

Gefreut über: Dass ich heute den Tipp für eine Zeitungsstory bekommen habe mit dem Zusatz „ist mir lieber, wenn sich die Beste darum kümmert“. Muss bis Montag warten, aber dann!

Geärgert über: Nichts. Es lohnt sich nicht.

12/10/23 – Von meinem Hirn, den vielen Schubladen und dem Reh, das mir den Weg wies

Ich

Manchmal glaube ich, mein Hirn ist ausgestattet, wie eine alte Apotheke – voller Türchen, Schublädchen und Schränkchen. Es ist alles gleichzeitig da: Du musst ein Geburtstagsgeschenk aus dem Korb im Spielwarenladen für den Geburtstag von Pia-Petronella kaufen; Du musst das Rezept bei deinem Hausarzt bestellen – und abholen; Wir brauchen noch Brot für morgen; Die Kinder wollen am Wochenende Marshmallows grillen; Die Rechnung muss überwiesen werden; Du brauchst einen TÜV-Termin fürs Auto; Du musst Frau Schröder eine Mail schicken und einen Termin für ein Interview vereinbaren; Am Dienstag ist ein Pressegespräch gleich morgens im Rathaus; Der Kontaktlinsenreiniger geht aus; Das eigene Kind hat ja auch schon wieder Geburtstag (was ist wohl gleich gut wie ein Hund, ohne ein Hund zu sein?); Am Freitag hat das Kind Aktionstag und muss erst zur zweiten Stunde dort sein; Die Tintenpatronen gehen aus; Für den Kunstunterricht brauchen wir Eierkartons; Der Mann braucht einen Frisörtermin UND WANN WAR NOCHMAL DER TERMIN IM NAGELSTUDIO?!

Je nach Bedarf öffnen wir Schubladen und schließen sie wieder, holen Infos aus dem Schränkchen links oben und legen sie ins Erledigt-Fach links unten. Es ist ein Wust, eine Fülle an Dingen, die wir auf Kommando abrufen können. Und manchmal sind es auch Gedanken, die sich einem aufdrängen, die man ausführlich begrübelt aber zu keinem rechten Schluss kommt. Für die gibt’s, wie in jeder gescheiten Apotheke, einen Giftschrank, der sich leider meistens ungefragt öffnet und seinen Inhalt auf den Boden spuckt. Wo man es dann mühsam immer wieder aufwischt.

Manchmal habe ich einfach keine Lust mehr auf dieses Hamsterrad. Aber seit ich laufen gehe, habe ich ein Ventil gefunden, eine kurze Zeitspanne, in der mein Hirn Urlaub macht und ich einfach nur mechanisch funktioniere. In dieser Zeit hängt meine Apotheke am Ladegerät, was aus den Schubladen hängt, ordnet sich, was aus den Türen quillt, sortiert sich zurück. Der Giftschrank ist in dieser Zeit hermetisch verschlossen. Laufen ist, auch in kurzer Distanz, zur Auszeit für mich geworden, in der ich und meine Gedanken nur mir gehören.

Und heute passierte folgendes: Ich schreckte bei einer Runde, die ich noch nie gelaufen bin, ein Reh auf. Es stand plötzlich am Wegrand, wir starrten uns ein paar Zehntelsekunden an und dachten vermutlich beide „oh, scheiße“. (Jedenfalls hat das Reh so geguckt.)

Es trabte ohne große Eile vor mir auf dem Schotterweg entlang. Immer, wenn ich um eine Biegung kam, lief es weiter, als hätte es auf mich gewartet, um zu sehen, ob ich wirklich immer noch da lang komme. Es verließ den Weg nicht und schien zu hoffen, ich würde das stattdessen tun. Tat ich aber nicht. Als ich es fast eingeholt hatte, machte es sich letztlich doch auf ins Gebüsch.

Um es aus dem philosophischen Blickwinkel zu betrachten – wenn einen Gedanken nicht in Ruhe lassen und immer wieder auftauchen, einen einholen und nerven, ist es vielleicht nötig, den Weg zu verlassen, auf dem diese Gedanken unterwegs sind? Vielleicht ist die Richtung im Gebüsch erstmal unklar, aber womöglich ist die Wiese dahinter grüner? Ich denke darüber nach. Genug philosophiert für heute.

PS: Der Gedanke an die Geldscheine in meiner Schaffhos‘, der mich seit neulich nachts um kurz vor drei verfolgt, lässt mich auch nicht los. Stand der Dinge: In der Hose war nur ein Schein, der andere ist weder in der Trommel noch im Gummiring der Maschine, nicht im Trockner, in der Wäsche oder im Flusensieb des Trockners aufgetaucht. Ich bin da einem ganz großen Ding auf der Spur.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Spaghetti mit Karotten und Zucchini, dazu einen grünen Salat mit Tomate und Mais, eine Banane, ein Stück Zwiebelkuchen (beste Jelena!), eine Nipponreiswaffel.

Gelesen: Vertretungspläne, Einkaufszettel, Auftragszettel, nix Spannendes.

Gelaufen: 2,3 Kilometer Hirnwäsche-Runde mit Bambigarnitur.

Gefreut über: Den Besuch der Kollegin aus dem Lieblingsteam, das war mein soziales Highlight heute. Und den Spruch meiner Beinaheelfjährigen, als ich sie ermahnte, heute bitte pünktlich ins Bett zu gehen. „Och neee, ich wollte doch noch meditieren!“ (Was man halt so tut mit elf, wenn man nicht ins Bett will.)

Geärgert über: Dinge, die ich nicht ändern kann, Dinge, die ich nicht einschätzen kann, Dinge, von denen ich nicht weiß, was sie konkret für mich bedeuten. Eigentlich kann ich den Ärger darüber grad auch lassen, ne?