Donnerstag ist in meinem Kopf ein ganz besonderer Tag. Ich komme aus der Redaktion nach Hause, schließe die Tür auf und werde von einem herrlichen Duft nach frisch geputzter Wohnung empfangen. Auf dem Esstisch stehen frische Blumen, die Kissen auf dem Sofa sehen aus wie im Möbelhaus und auf dem Küchentisch liegt ein kleiner Zettel:
„Heute erledigt: Badezimmer geputzt, Böden gewischt, Fenster gereinigt, Küche geputzt, Bett frisch bezogen, Staub gewischt auf allen Ablagen, Kühlschrank ausgewischt, Backofen gereinigt. Schönen Feierabend! PS: Die frischen Blumen habe ich im Vorbeigehen auf dem Markt mitgenommen!“
Hach.
Ich sehe mich dann kurz lächelnd mit einer Tasse Iced Matcha auf dem Sofa sitzen und denke: Genau so machen das Erwachsene. Und dann fällt mir ein, dass ich keine Putzfrau habe. Hart ist das.
Stattdessen wartet zu Hause meistens das ganz normale Chaos. Nicht dramatisch. Aber eben… bewohnt. Neulich habe ich den Fehler gemacht, einen Artikel über die „vergessenen Stellen im Haushalt“ zu lesen. Wusstet ihr, wie viel Staub sich auf glatten Fliesenwänden hinter Heizkörpern sammeln kann? Nein? Ich bis dahin auch nicht. Ehrlich gesagt hätte ich ohne diesen Artikel vermutlich nie hinter den Heizkörper geschaut. Jetzt habe ich es getan und plötzlich sehe ich überall Baustellen.
Die Sockelleisten. Die Lampenschirme. Die Oberkanten der Türen. Lichtschalter. Türrahmen. Der Kühlschrank. Die Küchenfronten. Die Badschränke. Die Möbelfüße (!). Offenbar gibt es Menschen, die all diese Dinge regelmäßig reinigen. Und zwar nach Plan. Nach Putzplan.
Montag das Bad. Dienstag Staub wischen. Mittwoch Küche. Donnerstag Böden. Freitag Fenster. Samstag Kühlschrank. Sonntag… vermutlich die Sockelleisten feudeln. Natürlich „alles ganz entspannt, 20 Minuten am Tag.“ Und ich frage mich jedes Mal: Möchte ich wirklich die persönliche Assistentin meines Haushalts sein? Und wenn diese easypeasyputzenden Menschen Familien haben, wo leben die denn dann?
Versteht mich nicht falsch. Ich mag es sauber. Ich freue mich über frisch gewischte Böden und ein ordentliches Bad. Aber irgendwo zwischen Job, Schule, Wocheneinkauf, Wäschebergen, Papierkram und dem ganz normalen Familienwahnsinn fehlt mir ehrlich gesagt die Zeit und auch die Motivation, dem Staub hinter dem Heizkörper hinterherzujagen. Demnächst ziehen auch noch Katzen bei uns ein. Ich ahne jetzt schon, dass sie meine Prioritäten endgültig neu sortieren werden. Katzenhaare auf dem Sofa? Geschenkt. Hauptsache, die Katzen sind glücklich. Und ich auch.
Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich denke, andere hätten das alles viel besser im Griff. Bei ihnen glänzen bestimmt die Armaturen, der Kühlschrank ist perfekt sortiert und die Fliesen könnte man als Spiegel benutzen. Und dann erinnere ich mich daran, dass Social Media selten zeigt, was hinter der Kamera liegt. Oder hinter dem Heizkörper.
Wir haben ein echtes Leben. Hier wird gearbeitet, gelernt, gekocht, gelacht, diskutiert, gespielt und demnächst mit Katzen gekuschelt. Hier bleiben auch mal Schuhe im Flur stehen und auf dem Esstisch steht nicht nur ein Blumenstrauß, da liegt auch die Post (und aufgerissene Kuverts), ein Ladekabel und mindestens drei Dinge, die eigentlich woanders hingehören.
Es ist kein absolutes Chaos aber eben auch nicht perfekt. Aber es ist unser Zuhause. Und wenn ich mich entscheiden muss zwischen blitzblanken Sockelleisten und einem entspannten Abend mit meiner Familie, dann weiß ich ziemlich genau, wofür ich mich entscheide. Der Staub läuft schließlich nicht weg. Leider.






