10/11/23 – Tag 24 – Von roten Sohlen und dem Zuviel von allem

Ich

Aufgeschobene Dinge erledigen – als ich vor meiner Auszeit gefragt hatte, was ihr mit so viel freier Zeit anfangen würdet, war das eine ziemlich häufige Antwort. Ich habe heute mittag endlich das Paar Lieblingspumps zum Schuhmacher gebracht, das seit einem Jahr ein gelangweiltes Dasein im Schrank fristet.

Der freundliche Herr am Tresen drehte die Schuhe hin und her, begutachtete den Schaden am Absatz, rieb über die rote Sohle und drückte mir schließlich einen Abrisszettel in die Hand. „Kommst Du Dienstag gucken, wenn ich hinkriege, zahlst du Dienstag.“ Hoffen wir das Beste.

Vor zwei Tagen hatte ich bereits Küchenfronten abgewischt. Die Kleiderschränke stehen auf alle Fälle auch noch auf dem Plan. Grundsätzlich besitze ich nicht nur genug, sondern ziemlich sicher zu viele Klamotten. Ich greife seit Jahren zu schwarz, weiß, grau, camel oder dunkelblau, im Prinzip lässt sich das alles untereinander in endlosen Varianten kombinieren. Wirklich brauchen würde ich aber nur die Hälfte davon. Wenn überhaupt. Und vermutlich bin ich nicht die Einzige, die Schränke voll mit Dingen hat, die sich im Lauf des Lebens angesammelt haben, ohne, dass sie eine große Bedeutung haben. Töpfe, Schüsseln, Putzlappen, Bettwäsche, Vasen, Übertöpfe… wir haben von allem zuviel.

Vielleicht gelingt es mir, in meiner Auszeit einen Teil davon loszulassen

Und sonst so? Dass ich jeden Abend mit Muskelkater von der Couch aufstehe, liegt daran, dass ich morgens immer denke, ach, ein bisschen Sport geht noch. Es versteht sich von selbst, dass ich für meine Sportklamotten auch keinen Platz mehr habe, ne? Aber das werden wir ändern.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Proteinriegel, ein ganzer Becher Hüttenkäse mit Kaki, Spinat mit Kartoffeln und Eiern und heute Abend eine TK-Pizza.

Gelesen: workoutpläne und Artikel meiner Kollegen.

Gesportelt: 10 Minuten gerudert, 15 Minuten Bodyweight, 2km gelaufen.

Gefreut über: Das gute Gefühl, etwas erledigt zu haben, die ersten sichtbaren Erfolge des Sports. Und ja, auch über das Pizzastück heut Abend, es muss nicht 105% clean eating sein.

09/11/23 – Tag 23 – Vom Genus, vom Kasus und dem seinem Possesivpronomen

Ich

Ich werde in acht Jahren weniger ein bisschen mein Abitur nochmal machen. Ich weiß noch nicht mit welchem Schwerpunkt, aber das mach ich dann einfach vom Tochterkind abhängig. Heute übte ich schriftlich dividieren, Überschlagsrechnen und Malnehmen, schrieb seitenweise Englischvokabeln ab und überlegte wie man im Satz „Der Rabe Abraxas half der kleinen Hexe“ nach selbiger fragt und welcher Fall das dann ist. (Wem, Dativ). Im Ernst – ich finde es ein bisschen schwierig, dass stundenweise Unterricht ausfällt, man aber gleichzeitig erwartet, dass die Kinder wissen, was ein Genus, der Kasus und das Possesivpronomen sind. Ja, möglicherweise sind die Begriffe im Unterricht gefallen, ich war ja nicht dabei. Vertieft worden sind sie aber mit Sicherheit nicht. Hätte ich heute nicht über zwei Stunden unterstützt und motiviert, erklärt und geholfen, wäre das nix geworden. Es kann natürlich an meinem Kind liegen, ich habe ja nur eins und keinen Vergleich. Ich vermute aber, dass es nicht zuträglich ist, wenn die Kinder tagelang Unterrichtsvertretung haben, die (womöglich fachfremd) halt nach dem Rechten sieht und Arbeitsaufträge weitergibt. Unter qualitativem Unterricht habe ich mir was anderes vorgestellt. Immerhin: Morgen findet der Unterricht stundenmäßig nach Plan statt, inhaltlich gibt’s natürlich wieder Improvisationstheater.

Ich frage mich dennoch, wann sich die Bildungspolitik tatsächlich zum Guten verändert. Wann ausreichend viele Lehrkräfte bereitstehen, wann der Stoff entweder so angepasst ist, dass er in acht Jahren zu einem soliden Abitur führt oder wir zu G9 zurückkehren. Die Vorstellung, dass es 17-jährige (und somit noch immer schulpflichtige) Abiturienten gibt, die über Jahre hinweg mit Binge-Learning (unnützes?) Wissen in sich hineingestopft haben, um es am Tag X abrufen und danach wieder vergessen zu können, macht mich ziemlich ratlos. Ist es das, was wir wirklich brauchen?

Ich bin heute zumindest einfach froh, dass der Tag vorbei ist, der eigentlich total motiviert begann: Ich war fast zwei Stunden beim Sport, nachdem ich das Kind bei der Schule abgeliefert und eingekauft hatte. Ich habe Betten ab- und bezogen und begonnen, den töchterlichen Schrank auszumisten. Und mich nach dem Essen eben in den Stoff der fünften Klasse vertieft. Weil ich noch mit meinem Mann in die Werkstatt fahren musste (also ihm fehlt nix, aber er musste sein Auto holen, höhö), und wir im Feierabendverkehr viel länger gebraucht haben, als erwartet, habe ich meinen Italienischkurs verpasst. Der, das muss an dieser Stelle erwähnt werden – planmäßig stattgefunden hätte. Gnurf.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Einen halben Proteinriegel, eine Banane, zwei Teller Vollkornspaghetti mit Pilzrahmsoße, ein trockenes Laugenbrötchen, eine Handvoll Gummibärle für die Nerven und ein paar Oliven mit Mandeln.

Gelesen: Englischvokabeln, Matheaufgaben, Deutschaufgaben, waaaahhh…

Gesportelt: 23 Minuten Bodyweighttraining, eine Minute geplankt, 15 Minuten gerudert und 1,7 Kilometer gelaufen zum Abschluss.

Gefreut über: Das gute Gefühl nach dem Sport, die heiße Dusche danach, kleine Erfolge beim Dividieren (also die des Kindes, bei mir geht’s ganz gut)

08/11/23 – Tag 22 – Von einer, die heute mal rantet – Stadtbild, Staus und Schulsystem

Ich

Mittwochmorgen, Viertel vor acht. Eine Mutter fährt ihr Kind in die Stadt zur Schule. So beginnen unsere Tage in dieser Woche. Montag, Dienstag, Mittwoch. Das Problem dabei: Jenes Kind besitzt eine Busfahrkarte, hat aber genau eine Anbindung morgens vom Dorf in die Stadt. Und zwar zwei Minuten nach sieben, was dazu führt, dass sie um viertel nach sieben am Gymnasium aussteigt und, bei Entfall der ersten Stunde, bis halb neun dort wartet. Oder aber Mama fährt. Elterntaxis werden abfällig Helikoptereltern zugeschrieben, meist von Leuten, „die früher sechs Tage die Woche in die Schule gelaufen sind. Durch den Schnee. Mit 20 Kilogramm Bücher und Biwakausrüstung. Barfuß und an der Front vorbei.“

Im Ernst – ich würde dem Kind jederzeit die 13 Minuten Busschaukelei zumuten, wenn es a) nicht eine gute Stunde in einem Schulflur sitzen müsste (jaja oder in der Mensa, aber halt sinnlos) weil ich mit dem Jugendticket zwar einen bunten Reigen an zusätzlichen möglichen Fahrten en bloc gekauft habe für ganz BW, aber nur eine Verbindung für die Strecke angeboten wird, die ich wirklich benötige… um 7.02 Uhr … und b) nicht jeder Tag abweichend vom eigentlichen Stundenplan ablaufen würde. Das ist kein Stundenplan, das ist allenfalls eine unverbindliche Themenempfehlung mit Raum- und Zeitvorschlag. Sicher, für erkrankte Lehrkräfte kann niemand was, aber wenn es wochenlang an keinem einzigen Tag funktioniert, ist das Problem größer als ein verschnupfter Mathelehrer. Gesundheit. Vielleicht sollte ich mir überlegen, einen Fahrdienst zu gründen. Ein Eltern-Uber. Oder besser Unter, wie unterirdisch.

Erzähler: Und beim abendlichen Blick in die App stellte sie fest, dass sie auch morgen wieder den Fahrdienst übernehmen würde. Für Freitag werden noch Wetten angenommen.

Vom einen Gemaule zum nächsten, oder fangen wir lieber mit dem Highlight des Tages an – ich habe mich heute Vormittag mit einer lieben Bekannten getroffen, die mir das Internet vor Jahren vor die Füße gespült hat: zu blog.de-Zeiten habe ich Kristina kennengelernt und wir haben uns dann auch im echten Leben getroffen. Und nie aus den Augen verloren, auch wenn uns Bundesländer trennen. Gemeinsam mit ihrem zuckersüßen Sohn saßen wir heute morgen in Tübingen beim Kaffee.

Weil ich bewusst eine Stunde früher dort war, sammelte ich ein paar Schritte in der Stadt. Und jetzt mal ehrlich: Ich war über zehn Jahre nicht dort und für die nächsten zehn reicht’s auch wieder. Woher Tübingen sein Selbstbewusstsein nimmt, ist mir ein ehrliches Rätsel. Zieht man die durchaus renommierte Uni, das Klinikum und ein paar hübsche, bunte Fassaden ab, bleibt nicht mehr viel. Ja, die Altstadt ist historisch und ja, wer enge Gassen und schiefe Treppen mag, wird dort aufseufzen. Spätestens, wenn er übers löchrige (ach ne, historische!) Kopfsteinpflaster stolpert. Aber bei aller Folklore: Die Stadt ist dreckig, der Zustand der Straßen (ganz abgesehn von der teils kreativen Verkehrsführung) in der 2. Reihe ist eine Katastrophe (Flickwerk scheint trendy), das zentral gelegene Parkhaus am Neckar ist heruntergekommen und architektonisch völlig überholt (man wartet in einem uneinsichtigen Sackgasseneck auf den Aufzug, der 2 Personen oder eine Ménage a trois fasst, die mit Nähe kein Problem hat, oder nimmt das beschmierte Treppenhaus, das olfaktorisch an das Elefantenklo der Wilhelma erinnert). Radfahrer haben absolut Berechtigung in Innenstädten, in Tübingen allerdings bin ich zwei mal innerhalb einer Stunde von zwei Radlern ohne Licht, Klingel oder Verstand fast über den Haufen gemäht worden, weil Verkehrsregeln wohl erst ab vier Rädern gelten. Läden öffnen um zehn, die Stadt gibt sich großstädtisch, was zur Folge hat, dass internationale Ketten ihre überall gleich aussehenden Filialen in düstere Mittelaltermauern zwängen. Kann man charmant finden. Oder einfach arg gewollt. Dazwischen: Ein auffallend großer Kosmos aus Flachs, Filz und Fairtrade. Nur festgestellt, wertfrei.

Mein Eindruck war insgesamt ein ernüchterter: Wer Freude an Architekturhistorie und Kultur hat, ist sicher gut beraten, Tübingen mit einem versierten Stadtführer zu erkunden. Genau auf diesem Schatz ruht sich das Städtle offenbar genüsslich aus, denn was vom Image bei genauer Betrachtung bleibt, ist vor allem eins: lauwarme Luft (und wie beschrieben nicht immer wohlriechende).

Nur eines hat mich an Tübingen noch mehr genervt, als die Stadt selbst: Der Verkehr dorthin. Ein humoristischer Straßenplaner mag sich einst gedacht haben, komm, wir bauen eine Bundesstraße vierspurig aus und dann machen wir just bei Bodelshausen dem Ganzen ein Ende, erschaffen ein heilos überfordertes Nadelöhr und packen dann, wenn sich die linke Spur in die rechte einfädeln muss, noch eine Aufschleifung von rechts dazu, die sich gleichzeitig nach links einfädeln muss, das wird lustig. Spätestens, als heute morgen eine alte Dame mit ihrem Smart untermalt von einem Hupkonzert durch die Rettungsgasse rollte, eine dritte Spur schuf, und sich, dem irritierten Blick nach, über das Spalier zu ihren Ehren wunderte, war’s nicht mehr so lustig. Seit 30 Jahren laufen Planungen, vermutlich erlebe ich den Ausbau nicht mehr. Dann fahr ich eben Bus. Wenn denn einer fährt. Und guckt, irgendwie schließt sich hier der Kreis. Dann lass ich’s mit dem Gemecker für heut einfach gut sein.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Laugencroissant, zwei Teller Gemüseeintopf mit Nudeln, eine Banane mit Hüttenkäse und Erdnussmus, zwei Käsebrote mit Spiegelei. Und ne Hand voll Nachos.

Gelesen: Historische Beschreibungen an Hauswänden. Ansonsten Tageszeitung.

Gesportelt: 3km durch Tübingen

Gefreut über: Kristina und Felix und seine „Donis“ 😃

07/11/23 – Tag 21 – Von einer, die loszog, um mit sich zu sein

Ich

Habe ich gestern nicht noch davon geschwärmt, wie gut es tut, einfach morgens loszulaufen? Als ich heute morgen die Decke wegstrampelte, wusste ich, dass ich heute ein unbekanntes Stück Heimat erkunden möchte. Ich tüddelte das Kind aus den Federn und überlegte, wie viel Zeit ich wohl hätte, ich trank Kaffee und sichtete dabei komoot-Wandervorschläge. Ich mahnte zur Eile und packte in ebensolcher einen Rucksack zusammen, schlüpfte in die Wanderhose und komplimentierte das Tochterkind in Jeans und Pulli. Als ich sie kurz nach acht am Elterntaxistellplatz (ja, sowas gibts) verabschiedete, stand mein Plan. Ich fuhr also gut 15 Minuten in einen kleinen Teilort einer Nachbargemeinde, in dem ich noch nie wirklich war, stellte den Alfa auf einen Wanderparkplatz, der überraschenderweise mitten im Ort war, und lief los.

Zwei Erkenntnisse trafen mich relativ schnell: 1. Das mit der Höhenmeterangabe war kein Witz und wer joggen kann, schnauft beim Wandern trotzdem. Und 2. – Es ist Winter geworden und empfindlich kalt, morgens um halb neun, auf freiem Feld.

Aber wie immer – nach den ersten beiden Kilometern war ich angekommen im Trott, konnte abschalten und das Alleinsein genießen. Ich erklomm einen Zeugenberg und wanderte wieder talwärts, vorbei an buntem Laub und müden Schafen.

Als ich nach etwa 7 Kilometern zurück ans Auto kam, war der Kopf frei, die Abenteuerlust wieder ein bisschen befriedigt und die Wangen rot vor Wind und Kälte. Was will man mehr. Außerdem habe ich heute das letzte Jahresziel erfüllt: 600 Wanderkilometer sind vollbracht, more to come.

Mein nächstes Highlight war nicht nur, dass ich nicht kochen musste, sondern mit der weltbesten Kollegin beim Essen war. Es ist schon lange nicht mehr nur ein „Job“, vor allem, weil ich Goldmenschen wie sie um mich habe.

All das schätzen zu können, braucht den geschärften Blick auf die Dinge, der in der Alltagshektik offenbar betriebsmüde wird. Je länger ich daheim bin, raus aus dem Hamsterrad, desto klarer wird das Bewusstsein für die kleinen Freuden, die im Alltag zur Selbstverständlichkeit schrumpfen.

Allein diese Erkenntnis ist ein ziemliches Geschenk dieser Auszeit. Wie rette ich das in die Zukunft?

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Frühstück ist ausgefallen, unterwegs gabs einen Proteinriegel. Danach Spaghetti Puttanesca, abends ein Laugenbrötchen mit Lachs.

Gelesen: Zeitungsartikel. Vertretungspläne. Morgen fällt nämlich – tadaaa – wieder die erste Stunde aus. Wir haben glaub schon ne komplette Woche verbaselt an Stunden.

Gesportelt: knapp 7km wandern sind nicht nix.

Gefreut über: Die Mittagessensbegleitung, die Natur, die Fähigkeit, allein aber gar nicht einsam sein zu können, die pure Tatsache, dass mein Körper mich auf Berge hinauf- und wieder hinunterträgt, das gute Gefühl, vorm Kleidercontainer zu stehn und Überfluss loszuwerden (und überhaupt – im Überfluss leben zu dürfen) … das Leben ist gut.

06/11/23 – Tag 20 – Von hohen Tönen, überwundenen Ängsten und dem gesalbten Haupt

Ich

Wenn nur das hochfrequente Pfeifen nicht wäre – heute morgen wurde mir schlagartig klar, was mich beim Zahnarztbesuch am meisten nervt. Es ist nicht das Rumpeln der Instrumente auf den Zahnhälsen bei der Zahnreinigung und auch nicht das kalte, zugige Gefühl beim Sandstrahlen. Das schlimmste ist dieses hohe Pfeifen bei allem. Ok, und ein bisschen, dass man eine gefühlte Ewigkeit den Mund offen halten muss und dabei unfreiwillig dämliche Grimassen schneidet. Aber immerhin – die Zähne sind scheckheftgepflegt und wieder blitzblank gewienert. (Mein Zahnarzt merkte übrigens an, er höre das Pfeifen schließlich den ganzen Tag. Der Ärmste. Ich hab dann auch leise gejammert.)

Davor war ich allerdings eine halbe Stunde in aller Stille im Wald unterwegs. Und habe einmal mehr festgestellt, dass das stumpfe links-rechts meiner Schritte und das Ein-Aus meines Atems so unglaublich wohltuend ist. Btw – vor etwa 15 Jahren hat mir ein Arztbesuch jedweder Art ernsthaft schlaflose Nächte bereitet, mir war schlecht vor Angst, im Wartezimmer wäre ich oft beinahe kollabiert. Erst mit der Schwangerschaft habe ich diese Angst überwunden und dann gänzlich abgelegt. Eine Entwicklung, die mir selbst am meisten hilft, nützt und auch imponiert.

Und sonst so? Der übliche Irrsinn. Morgen fällt natürlich wieder die erste Stunde aus, das ist ja bald sicherer, als das Amen in der Kirche. Und apropos: Nachdem ich das Kind gefühlt dreiundzwanzigmal gefragt hatte, ob es noch was aufhat, und es vierundzwanzigmal nehein gesagt hatte, stand es heute Abend spontan mit der Bibel in der Küche: „Ach übrigens, ich muss noch Psalm 23 auswendig lernen. Bis morgen.“ („Du ölest mein Haupt mit Salb. Äh.“) Kinder. Wird einfach nie langweilig.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse in bio, ha! Mit Müsli. Zucchinireispfanne, Käsebrot. 2 Vanillekipferl.

Gelesen: Texte über Lehrermangel und Unterrichtsausfall. Es ist gruselig.

Gesportelt: Nope. Außer meinem morgendlichen Waldspaziergang.

Gefreut über: Das Fazit des Zahnarztes, morgen mit der besten Kollegin essen zu gehen, zwei bemalte Steine im Wald entdeckt zu haben, nette Gespräche, ach. Das Leben ist gut.

05/11/23 – Tag 19 – vom Hakenschlagen, Hinhören und Haufenbeseitigen

Ich

Ach Nürnberg, du warst so schön! Tagsüber Großstadt, abends Sauna – so hätte ich das noch eine Weile ausgehalten. Aber – die Ferien sind zu Ende, morgen ruft die Pflicht wieder. Das Schulkind hat ganz genau gar keine Lust auf Lernen, das große Einmaleins läuft zwar, aber es ist sehr müßig, immer auf die Notwendigkeit des Übens hinweisen zu müssen. Eltern sind SO LÄSTIG. (Und klar, dass schon wieder Stunden ausfallen morgen, es ist ein Trauerspiel.)

Auf der Heimfahrt hatten wir den Schutzengel dabei – beim Einfädeln auf die Autobahn hat mich ein anderes Auto von rechts geschnitten. Ich hatte dabei allerdings den rückwärtigen Verkehr im Blick, weil ich mich nach links einordnen musste. Die Lücke war groß genug, also beschleunigte ich. Und dann schrie mein Beifahrer plötzlich los, ich solle aufpassen. Ich sah das Auto von rechts, wich reflexartig nach links aus und lenkte wieder zurück – wodurch der Alfa plötzlich im Zickzackkurs unterwegs war. Es mag kaum zehn Sekunden gedauert haben, bis ich das Auto wieder auf Spur hatte, aber wir sind gehörig erschrocken. Der Verursacher des ganzen Galamas war natürlich über alle Berge. Aber wie gesagt – alles ging gut aus, das ist die Hauptsache.

Zuhause dann schlug ich eine ganze Weile Haken um Wäscheberge. Warum wir jedesmal Wäsche produzieren, als hätten wir 3 Wochen in Norwegen verbracht, ist mir ein Rätsel. Soviel geshoppt haben wir eigentlich nicht. Morgen wird der Rest verräumt.

Neben der Erleichterung, sicher heimgekommen zu sein, freute ich mich besonders über ein Päckle, das ich bestellt hatte. Aber da war noch eins gekommen, mit dem ich nichts anfangen konnte – stellte sich raus, dass mein Mann mir neue Kopfhörer bestellt hatte – statt Blumen zum Geburtstag des Tochterkinds, von denen ich im Urlaub nix gehabt hätte. Klar, dass ich das Klangerlebnis gleich noch auf dem Laufband testen musste – voll toll! Wenn mir jetzt noch jemand einen guten Podcast auf amazon prime weiß? Oder Italienische Lern-Lausch-Programme?

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Großes Frühstück, bestehend aus Vollkornbrot mit Käse, Gurken, Rührei, Bircher Müsli, Obst und einem Mini-Pain-au-chocolat. Heute Abend ein weiteres Käsebrot und drei Reiswaffeln mit Schoki

Gelesen: Das neue Buch von Martin Suter

Gesportelt: 5km auf dem Laufband, pace 7.30

Gefreut über: Unseren Schutzengel. Puh.

04/11/23 – Tag 17 und 18 – Von Vergessenem, Gewässertem und Gesättigtem

Ich

Da habe ich einmal Großstadt um mich und bin offenbar so geflasht, dass ich das Bloggen vergessen habe. Dabei hätte es gestern so viel zu erzählen gegeben: vom glücklichen Kind im Legoladen, von der glücklichen Mutter in der Sauna über den Dächern der Stadt, vom Besuch bei der besten Freundin samt Familie und dem veganen Chicken Burger, der mit Speck belegt war, der so täuschend echt geschmeckt hat, dass ich nachfragen musste. Nicht, weil ich Veganerin wäre, nicht mal in Sachen Vegetarismus bin ich bis ins Letzte konsequent – ich lasse halt weg, was gut verzichtbar ist, also Fleisch und Wurst, aber Fisch esse ich hin und wieder. Und wenn irgendwo versehentlich ein Stückchen Schinken oder ein Würfelchen Speck mit reingeraten ist, mache ich deswegen keinen Aufstand. Ich lasse es beiseite und esse es im „schlimmsten“ Fall einfach mit. Mein Leben, meine Regeln. Aber ich schweife ab: Der Speck auf diesem fleischlosen Burger schmeckte dermaßen echt, dass ich nachfragen musste, ob das sein kann. Ja, konnte es, es gibt veganen Speck.

Viel faszinierender als Speck fand ich dann allerdings die Glibberbubbles meines Patenkinds, in die ich den halben Abend meine Hände versenkt hatte: Man nennt sie Wasserperlen, Aquabubbles, wie auch immer. Gibt man die kleinen, harten Kügelchen in eine Wasserschüssel, quellen sie auf und werden weiche Glibberkugeln. Es hat keinen tieferen Sinn, fühlt sich aber lustig an, damit herumzumanschen. Manchmal ist frau einfach ein großes Kind.

Heute schließlich haben wir den Tag bei blauem Himmel in der Stadt verbracht, shoppenderweise. A propos blau: während gestern die Wolfsburger Grizzlies bei uns im Hotel logierten, fuhr heute morgen der blaue Mannschaftsbus von Schalke vor. Im Hostel gegenüber klebten grölende Fans im Trikot (und auch ganz ohne was!) an den Fenstern. Und in der Lobby schließlich standen wir plötzlich zwischen Asamoah und Büskens und waren mittendrin statt nur dabei.

Nach all dem Trubel taten wir, was Landeier in der Stadt tun: durch Läden schlendern, kurios gekleidete Großstädter bestaunen und am Ende eine hochpreisige, an Kaffee erinnernde Zuckerbrühe aus Pappbechern mit grünem Logo schlürfen. Oh well. Weil Nürnberg nicht ohne Lebkuchen geht, waren wir heute Mittag noch bei Schmidt (Neue Sorte, Blutorange!!) und weil wunderfitzig noch im Frankencenter. Letzteres muss nicht nochmal sein, irgendwann ist die schiere Menge an Menschen, Farben, Gerüchen, Klimbim und Überfluss auch fürs toughste Landei zu viel. Aber: Das lang gesuchte Paar Stiefel gabs dort immerhin.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Obst und Birchermüsli, Brot mit Käse, Rührei und Gurken, heute Mittag ein Krabbensandwich.

Gelesen: Das hier.

Gesportelt: nein, aber 11.000 Schritte gegangen.

Gefreut über: Das gelbe Laub, den blauen Himmel, ein neues Buch von Martin Suter.

02/11/23 – Tag 16 – Von Baustellen, Bindfäden und der Big City

Ich

Beschreiben Sie Nürnberg in drei Worten: Architektur, Kopfsteinpflaster, Brücken. Wenn wir hier ankommen, fühlt sich das innere big-city-girl, das im Körper eines Land-Eis lebt, wirklich heimisch. Nürnberg verbindet Großstadt für mich mit Tradition, Kleinteiligkeit und Heimeligkeit. Es gibt Gassen, Winkel, Treppen aus Sandstein, gepflasterte, wuchtige Brücken, hölzerne Stege, große Shops und kleine Boutiquen, die Pegnitz ist dabei die Lebensader, die sich durch die Altstadt windet. Es ist die Symbiose aus Stadt und „Unser Dorf soll schöner werden“, garniert mit dem Geruch von Rostbratwürsten und Lebkuchen. Wer noch nie in Nürnberg war, sollte das dringend ändern.

Die Fahrt hierher war allerdings Baustelle, Baustelle und Baustelle, garniert mit Regen, der wie Bindfäden vom Himmel fiel. Aber nach dreieinhalb Stunden Fahrt sind wir gut gelandet und bei einer ersten Stippvisite in der Altstadt habe ich einen großen Schritt über jene Verkehrsinsel gemacht, die mich im Januar zu Fall gebracht hat. Ein bisschen wie Butler James in „Dinner for one“. Aber das ist ja eine andere Geschichte.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse mit Blaubeeren, Maultaschenreste, eine Banane, ein Gemüsecurry mit Basmatireis.

Gelesen: Landkarten, Staumeldungen, Internetsplitter

Gesportelt: nada.

Gefreut über: Den Glanz dieser Stadt. Das kurze Ausbrechen. Morgen früh mit Großstadtgeräuschkulisse aufzuwachen. In der Stadt frühstücken zu gehn. Hach.

01/11/23 – Tag 15 – Von Geschenken, Marotten und der Liebe meines Lebens

Ich

Hier standen heute alle Signale auf Party: Nachdem das Kind gegen halb fünf in mein Bett gekrabbelt kam (was bei einem Wasserbett immer eine ausgesprochen wabbelige Sache ist) und uns mitteilte, dass es heute Geburtstag habe, hatte ich schon befürchtet, dass es das war mit der Nachtruhe. Weil das Geburtstagskind aber Skorpion, Aszendent Nachtigall ist, schlief es noch einmal ein bis acht. Um dann erneut zu betonen, dass es jetzt aber Geburtstag habe und wir überhaupt jetzt endlich mal aufstehen könnten.

In der Küche wartete schließlich der Kuchen nebst Kerzen und Wunderkerzen und eine stattliche Anzahl an Geschenken. Kurz vorgespult: Die Bluetooth-Kopfhörer sind im Dauereinsatz, weswegen ich dieses nervige Stück nicht mehr hören muss (es war also ein bisschen auch mein Geschenk), und 2 Legosets sind bereits gebaut.

Und jetzt ist das Kind elf, trägt eine Schuhgröße mehr als ich und pubertiert leise (und manchmal auch laut) vor sich hin. Ich würde sie um nichts auf der Welt tauschen.

Morgen gehts nach Bayern in die Lebkuchenmetropole, ich freue mich auf Großstadt, Sauna und liebe Leute! Und bis dahin schwelge ich noch ein bisschen in Erinnerungen, die alle mit „heute vor elf Jahren …“ beginnen. Froh, dass Windelwechseln und Stillen mittlerweile Geschichte sind.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse, Blaubeeren, Müsli, Tortelliniauflauf, Geburtstagskuchen, Maultaschen.

Gesportelt: Zählt Staubsaugen?

Gefreut über: Das Kind. Mit all seinen Macken und Marotten.