Viva Coronia, oder: Wie man mit Krisen umgeht

Mein Opa hat selten vom Krieg erzählt. Aber wenn, hatte ich düstere Bilder im Kopf. Kriegszeiten waren für mich schwarz-weiß. Nie hat in meiner Vorstellung jemand gelächelt. Nie einen Witz gerissen. Die Zeiten waren Ernst, also waren es die Menschen wohl auch. Und überhaupt – vermutlich hat auch die Sonne nie gescheint, die Jahreszeiten sind ausgefallen. Das öffentliche Leben hat nicht stattgefunden, die Menschen fristeten ein sorgenvolles und freudloses Dasein.

In den letzten Tagen habe ich begriffen, dass das ein großer Denkfehler war. Ich will die Corona-Krise sicher nicht mit kriegsähnlichen Zuständen vergleichen. Aber dennoch ist es ein gesellschaftlicher Ausnahmezustand, den niemand von uns jemals in dieser Form erlebt hat. Hamsterkäufe, ausgesetzte Schulpflicht – all das ist für uns neu und jeder geht anders mit der Lage um. Für mich als Journalistin ist Homeoffice nicht das allergrößte Problem – ich hatte zwei Wochen nach Mailand schon Zeit, mich damit zu arrangieren. Neu ist aber die Form der Berichterstattung – es findet ja schlicht nichts statt, worüber man berichten könnte. Also versuchen wir die aktuelle Situation so unaufgeregt, sachlich und transparent wie möglich für unsere Leser aufzubereiten.

Denn es ist eben jener Denkfehler, zu glauben, das Leben steht irgendwie still, nur weil wir uns in einem Ausnahmezustand befinden. Ich war gestern Vormittag eine gute Stunde laufen. Der Frühling bricht mit aller Macht durch, die Bäume werden grün, die ersten Blüten gehen auf. Während das Leben auf der einen Seite völlig kopf zu stehen scheint, ist es auf der anderen Seite wie immer, als läge nichts im Argen. Und die Menschen, die sich – mit Abstand – begegnen, tragen die Lage mit Fassung und mit Humor. Habt ihr die Videos aus Italien gesehen, auf denen Nachbarn gemeinsam über die Balkone hinweg singen? Großartig! Und genau das tut uns in diesen Tagen gut: Uns bewusst zu machen, dass sich die Erde weiterdreht. Dass wir diese Krise mit Vernunft, Ruhe und Solidarität meistern müssen aber auch meistern werden.

Und glaubt mir, mich trifft es grade auch ganz persönlich. Kommenden Mittwoch werde ich 40, ich hatte mich sehr auf meine große Feier Ende des Monats gefreut. Ich hatte einen Saal gemietet, coole Einladungen drucken lassen und verschickt, den Caterer bestellt. Und gestern Nachmittag mit wehem Herzen aber den Umständen geschuldet alles wieder storniert. Ich bleibe also so lange 39, bis der Virus im Griff ist und wir wieder in Feierlaune sind. Aber dann! (Heute kam ein über und über mit silbernen Pailletten bezogener Einteiler bei mir an, der wartet auf seinen Einsatz!)

Ich habe mir die Entscheidung tatsächlich am Ende leicht gemacht. Ich kann nicht behaupten, dass ich sie gerne getroffen habe, zu sehr hatte ich mich auf einen tollen Abend gefreut. Aber mir war wohler, als ich meinen Gästen die Nachricht geschickt hatte. Es läuft nicht weg, es wird nur besser.

Und gestern Abend, als der Druck dann von mir abgefallen war, habe ich etwas für mich beschlossen: Ganz egal, wie herausfordernd die kommenden Wochen werden mögen, wir werden das Beste daraus machen und gestärkt aus der Krise hervor gehen.

Und mehr noch: Wir werden aus dem Unvermeidlichen nicht nur das Beste machen, wir werden daran wachsen, wir werden die Zeit, die uns geschenkt wird, nutzen. Wir haben Zeit, die wir miteinander, mit unseren Kindern verbringen können. Wir haben Zeit, Rezepte auszuprobieren (die wir aus unseren Vorräten neu kreieren können), wir haben Zeit für all die ungelesenen Bücher, für die ungelernten Vokabeln, für die unausgemisteten Schränke. Was wir nicht tun werden, gut zuhören: Wir werden nicht jammern über die Situation. Sie ist alternativlos, da können wir auch genauso gut gut damit umgehen. Wir werden nicht klagen über die Einschränkungen unserer gewohnten Freiheit. Wenn wir jetzt alle miteinander besonnen sind und die Schwächsten in der Gesellschaft durch vernünftiges Handeln schützen, dann haben wir unsere Freiheit bald wieder. Und wir werden uns nicht von irrationalen Ängsten und Sorgen den Schlaf, die Laune oder den Hunger nehmen lassen.

Ich habe gleich heute morgen damit angefangen, meine Gedanken auf das Gute auszurichten: Weil in meinem Kühlschrank noch eine etwas weiche Zucchini und eine ebenso weiche Karotte lagen und wir (in diesen Zeiten erst Recht) möglichst wenig wegwerfen wollen, habe ich mir ein passendes Rezept gesucht. Denn immer nur Gemüse-Nudelaufläufe will ja auch keiner. Obwohl… 🙂 Bereit für ein paar unfassbar saftige, weiche, köstliche Gute-Laune-Muffins?

Das Rezept dafür:

1 Ei, 120g Zucker, 120 ml Öl (ich habe Rapsöl genommen), 100g Karotte geraspelt, 150g Zucchini, fein gestiftelt, 100g gemahlene Mandeln, 200g Mehl, 1/2 Päckchen Backpulver, 100g Zartbitterschokolade, fein gehackt.

Ich habe Ei, Zucker und Öl in einer Schüssel schaumig aufgeschlagen, die restlichen Zutaten hinzugegeben und gut verrührt. Bei 180 Grad im Backofen brauchen die Muffins (in gefetteten Blechen oder in Papierförmchen) 20 Minuten.

Sie sind frisch aus dem Ofen genauso lecker wie abgekühlt. Wie sie morgen schmecken, werde ich Euch vermutlich nicht sagen können. Aus Gründen.

Und weil wir jetzt alle miteinander, die wir Kinder haben, vor der Aufgabe stehen, die die kommenden Wochen zu bespaßen, zu fördern und bei Laune zu halten, habe ich jetzt noch eine Ausmalvorlage für Euch aus alten Beständen. Wer Lust auf „Leben im Wald“ hat, kann sich das Blanko-Bild hier so oft wie beliebt ausdrucken und anmalen. Zeigt mir Eure Werke auf Instagram, ich bin gespannt!

Im übrigen trägt hier vielleicht schon den ganzen Tag jemand den Pailletten-Onsie und während im Esszimmer Stayin Alive in Dauerschlaufe läuft, düdelt das Dschungelbuch aus dem Kinderzimmer und übers ganze Haus legt sich nicht nur der Duft von frischgebackenen Muffins, sondern auch ein etwas skurriler Klangteppich. In diesem Sinne: Ha-ha-ha-ha-Hakuna matata!

LaSignorina

2 Kommentare

  1. Liebe Nicole,
    ich danke Dir für diesen Artikel – er rückt doch so Einiges ins rechte, einzig vernünftige Licht. Und nicht vergessen: tatsächlich Vokabeln lernen.
    A presto,
    Karin

  2. Liebe Karin,

    wie könnte ich das vergesen – große Kursvermissung! Ja, wir haben ja keine andere Wahl. Was hilft alles Klagen über die Umstände. Das macht nur schlechte Laune. Also bespaße ich meine Tochter, wir praktizieren freies Lernen und stellen fest, dass wir noch nie so frei waren trotz aller „Eingesperrtheit“. Die absolute Terminlosigkeit wird uns allen gut tun, wenn wir uns drauf einlassen können!

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