Vorne, oben, leicht

So. Da bin ich wieder. Wenn mein Archiv nicht lügt, bin ich eine denkbar schlechte Bloggerin, jedenfalls was die Kontinuität angeht. Aber ich verrat Euch was – es liegt nicht am Schreiben, mir kam halt immer das Leben dazwischen. Trotz, oder vielleicht auch wegen der Pandemie.

So gab es hier keine bunten Urlaubsbilder, keine Wanderimpressionen, keine Bilder aus der Küche und auch sonst nix zu sehen. Aber ich schwöre: Wir haben gelebt, den Sommer genossen, im Herbst tonnenweise Äpfel zu Saft verarbeitet, Kekse gebacken, Weihnachten sehr besinnlich verbracht und waren an Silvester sehr lange auf. Das war’s dann auch schon mit dem Jahresrückblick.

Natürlich trägt auch unser Jahr den Corona-Stempel. Statt meinen vierzigsten Geburtstag mit einer rauschenden Party zu feiern, musste ich Gäste ausladen, das Kind neben dem Job durch den Lernstoff der ersten Klasse bugsieren und mich mit dem Gedanken anfreunden, dass Masken ab sofort zur Garderobe dazugehören.

Und wisst ihr was? Es beeinträchtigt mich, und das meine ich völlig ernst, nicht. Einfach nicht. Ja, ich weiß, das Wochenende in Mailand fällt erstmal aus. Zieh ich eben alles an, was ich eh schon im Schrank habe. Und ja, die Partys und die Abende mit Freunden fallen auch aus. Telefonieren wir eben öfter. Die Pizza holen wir ab, genau so wie die Blumen und die Bücher. Und dann ist da ja auch noch das Internet voller Wissen, Filme und E-Books… und wenn uns nach Bewegung ist, dann gehen wir einfach raus. Wir haben das große Glück, in einer Region zu leben, in der andere Urlaub machen, noch dazu ganz nah an der Natur.

Trotz aller Einschränkungen habe ich eines begriffen: Diese Pandemie, sofern wir natürlich alle von der Krankheit verschont bleiben, kann mir nichts nehmen. Kein bisschen Lebensfreude, kein Quäntchen Erfülltheit, kein Stückchen Freiheit. Denn all das ist ja schon in mir drin und da kommt keine Coronaverordnung hin. Ich entscheide, wie gut mein Leben ist. Als nicht „den Umständen entsprechend“, denn die Umstände sind halt da wie das Wetter. Kann man doof finden, ändert aber nix. Und so entscheide ich mich jeden Tag einfach dafür, alles schön zu machen nach den Regeln, die gelten und die ich für absolut sinnvoll halte.

Wer es sich nicht schön macht, hat es nicht schön. Wer über Abstandsregeln, Homeschooling, Hamsterkäufer, Maskentragen, Reiseverbote und alles andere jammern möchte, wird ruckzuck Gleichgesinnte finden und mehr als genug Möglichkeiten, sich im Jammertal zu treffen und im Selbstmitleid zu suhlen. Aber ist es so schön da? Ernsthaft?

Ich sage nicht, dass die Einschränkungen ein großer Spaß sind, aber sie sind kein Weltuntergang (und ja, großes Verständnis für alle, die um ihre Existenz bangen – aber danach geht es weiter.) Die Pandemie bringt die Stärken und Schwächen in jedem Einzelnen überdeutlich zum Vorschein, weil sie uns die Möglichkeit nimmt, vor uns selbst davonzulaufen. (Spoiler: Davonlaufen ist nie eine gute Idee, stellen wir uns dem doch jetzt, wo wir alle Zeit haben und räumen mit alten Sorgen mal gründlich auf.)

Und wie machen wir’s uns schön? Wir backen diese Cracker und Bananenbrot, Pizzaschiffchen und Muffins. Ich nehme lange Schaumbäder, lese gute Italien-Krimis, lerne brav Italienisch-Vokabeln, übe Klavier, zünde Kerzen an, genieße meinen Mittagsschlaf und meinen Kaffee danach und staune fast täglich über die glitzernde, weiße Winterpracht auf den Wegen rund um die Berge hinterm Haus. Und apropos Haus: Ich habe in den letzten Tagen des alten Jahres alle Schränke aufgeräumt, das Kinderzimmer auf links gedreht und ganz viele Dinge ausgemistet. Ich habe dabei 36 Müslischüsseln und 27 Blumenvasen gezählt, Mangel ist nichts, worüber wir jammern dürften. Uns geht es einfach gut, so gut, dass wir es manchmal übersehen, wie den Wald vor lauter Bäumen.

Und so wie ich davon überzeugt bin, dass man sich fürs Positive entscheiden kann, so glaube ich auch fest daran, dass man sich gegen das Negative entscheiden kann, ja, muss.

Denn die letzten Arbeitstage 2020 waren für mich sehr herausfordernd, einer meiner Artikel mit Kommentar hat Hass und Häme provoziert, die mir (von einer kleinen aber sehr lauten Gruppierung) fast kampagnenartig entgegenschlugen. Je mehr ich versucht hatte, meine Arbeit nachvollziehbar zu erklären, desto wirrer wurde die Argumentation der Gegenseite. Und irgendwann war ich an dem Punkt angelangt, an dem ich verstand, dass ich loslassen muss. (Erzähler: Und das dauerte ganz schön lange.)

Großartigerweise erfuhr ich aber in dieser Zeit nicht nur viel Zuspruch und Lob von anderer Seite (was man bei all der Hetze fast vergisst), auch meine Chefs, Freunde und Kollegen stärkten mir zu jeder Zeit den Rücken (ihr wisst, wer ihr seid, danke). Und Ende des Jahres schloss ich den Deckel des Laptops und beschloss damit gleichzeitig, dass die Geschichte damit beendet ist. Wenn Argumente nichts mehr zählen, ist jedes weitere Wort ziemlich müßig. Und siehe da: Es ward gut.

Und so bildeten sich vielleicht ganz aus Versehen zum Jahreswechsel gute Vorsätze, für die ja grundsätzlich jeder neue Tag geeignet ist. Ich werde weiterhin immer ein Ohr und ein Auge für gute Geschichten haben und völlig ergebnissoffen recherchieren, aber auch nicht mehr über jedes Stöckchen springen, das man mir hinhält. Stattdessen möchte ich die neu dazu gewonnene Stärke nutzen, mich mehr außerhalb der Komfortzone umzuschauen. Innere Stärke und Persönlichkeit sind wie ein Muskel, der wächst halt nicht auf der Couch. Mit dem Bewusstsein, dass da Herausforderungen auf mich zukommen werden, die groß sind, beschließe ich schon heute, dass ich schwere Dinge leicht nehmen werde. Ich werde dem Druck, dem Stress und dem Verdruss mit Energie, Elan und Leichtigkeit begegnen und sie einfach wegwischen. (Wer die alte Zewa-Werbung noch kennt: Genau so.) Die Dinge, auch die schweren, haben einfach nur das Gewicht, das man ihnen gibt. Also machen wir es einfach und leicht. Kommt ihr mit?

LaSignorina

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