17/11/23 – Tag 31 – Von Blut, Grusel und dem wohlgesonnenen Karma

Ich

Manche Tage sind gemacht dafür, produktiv zu sein. Nachdem ich das Tochterkind mit allen guten Wünschen und gedrückten Daumen an der Schule abgesetzt hatte, war ich einkaufen. Um halb acht, wie so’n Rentner. Es regnete und war kalt, also beschloss ich, dass es Suppe gibt. Zuhause räumte ich die Bude auf, saugte Staub, putzte Bäder, schüttelte Betten und bügelte endlich den Rest Blusen weg. Mein lieber Besuch um halb elf war das erste Highlight – nochmal danke fürs Müsli! Mein zweites Highlight war eher gruseliger Natur und sollte abends folgen, doch zuvor überzeugte ich das Kind davon, ein bisschen Bio zu lernen für die kommende Woche.

Thema: der Hund. Ich so: Die kommen blind und hilflos zu Welt und müssen von der Mama wie im Nest versorgt werden, man nennt sie deshalb …? Darauf das Kind, wie aus der Pistole: „Blindgänger!“ (Nein, Nesthocker 😄)

Außerdem ist mir nach gut 4 Wochen Runterkommen eingefallen, was ich angehen werde. Etwas, mit dem ich mich seit Jahren immer mal wieder befasse. Zwei voneinander unabhängige Impulse haben mich wieder daran erinnert, ich habe, hoffe ich, den richtigen Kontakt dafür aufgetan und hoffe, dass es klappt. Aber schaumermal.

Geschichten vom Seziertisch schließlich gab es abends, als ein Trio aus Romanautorin, ehemaligem Profiler und einer überaus sympathischen und beeindruckenden Gerichtsmedizinerin von echten Fällen erzählten. Mit expliziten Fotos von Tatorten und trotzdem so, dass man sich zwar gruselte, aber auch schmunzelte.

Und wer hat in der Pause fünf Lose für den guten Zweck gekauft von etwa 3000 und von den 50 Gewinnen gleich zwei abgestaubt? Naaa? Karma! In der einen Box war ein Müsli drin für Frühsportler (ha!!) und Brasilianischer Kaffee, in der anderen 4 Spiele der Black-Story-Reihe. Einsatz verzehnfacht, happy me. Mit einer weiteren Losnummer lagen wir nur eins daneben, aber irgendwann ist ja auch mal gut.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Müsli mit Hüttenkäse, Kartoffelcremesuppe mit Spätzle, ein Käsebrot und spätabends nochmal ein Müsli.

Gelesen: Sehr viele Fakten über den Hund. Das Nasen- und Ohrentier.

Gesportelt: absolut nix, weil Muskelkater in den Beinen. Schwimmen ist toll, aber hilft nicht gegen müde Beine. Hätt’s mir denken können.

Gefreut über: Dass das Kind einigermaßen gelöst aus der Englischarbeit kam, mal sehn, was diesmal rauskam. Und natürlich über die zwei Gewinne, so viel Glück muss man haben!

16/11/23 – Tag 30 – Von Überwundenem und Unerreichtem

Ich

Nachdem ich gestern den ganzen Nachmittag mit dem frustrierten Tochterkind Englisch geübt habe (warum ist they’re nicht dasselbe wie their und was ist denn there?), war ich heute morgen froh über eine Auszeit an der frischen Luft. Ich spazierte zügig und ganz allein in Richtung Morgenrot und hatte etwas Mühe, mein Gedankenkarussell zu bremsen. Schafft sie das, üben wir genug, üben wir richtig, wie könnte ich sie besser unterstützen, ist sie am richtigen Platz, wie kann ich dem Frust vorbeugen, und so weiter. Und immer wenn ich dachte, ausgegrübelt zu haben, grübelte mein Hirn von vorne los.

Nach guten fünf Kilometern beschloss ich, dass Hirn und Muskelkater am besten mit Wasser beizukommen wäre und packte meine Schwimmtasche. Doch auch im Wasser beschäftigte mich das Thema Schule, zumal Mädchen einer höheren Klassenstufe neben mir ihre Bahnen zogen. Immer, wenn ich zwischen zwei Zügen den Kopf aus dem Wasser hob, hörte ich Fragmente dessen, was die Sportlehrerin ihren Schülerinnen zurief. „Dranbleiben, schneller, mach nicht schlapp“, hörte ich. Ich war ausgesprochen dankbar, auf dieser Seite der Schwimmbande zu schwimmen und nicht auf der anderen. Denn Sport- und vor allem Schwimmunterricht war für mich früher angst- und schambesetzt und ein rotes Tuch. Ich habe nicht einmal das Seepferdchen. Um so mehr genoss ich es heute morgen, freiwillig und motiviert durchs Wasser zu gleiten. Manchmal muss man sich selbst Zeit lassen, Dinge für sich zu entdecken, mit denen man einst auf Kriegsfuß stand.

Wieder daheim angekommen, dachte über sportliche Leistungen, über Messbarkeit, über Vergleichbarkeit nach. Im Prinzip bewertet eine Schule eben genau das, was zum Stichpunkt, nämlich dem Klassenarbeitstermin, vom Auswendiggelernten abrufbar ist. Ob der Stoff verstanden wurde, ob er eine Relevanz für den Schüler hat, spielt im Schulsystem überhaupt keine Rolle. Also nehmen wir eine versemmelte Arbeit als eben genau das, was sie ausdrückt: Eine Momentaufnahme, die an einem ungünstigen Moment gemacht wurde.

Beim Herumlesen im Internet kam ich bei den Anforderungen fürs Deutsche Sportabzeichen vorbei. Und gleichsam entdeckte ich, das selbiges als Grundvoraussetzung für die Einstellung bei der Polizei gilt. Doch nicht allein wegen des Sporttests fallen wohl viele Anwärter durch, sondern wegen des Wissenstests. Auch diesen kann man im Internet machen. Und mir war nach den ersten zehn Fragen (von 42 oder so) auch klar, weswegen. Mit Rechtschreibung und Allgemeinwissen konnte ich durchaus punkten, auch Konzentrationsaufgaben, Prozent- und Volumenrechnungen gelangen mir noch. Was mich aber völlig zur Verzweiflung brachte: Logikaufgaben. Die Frage: Wie setzt sich das Muster fort. Zu sehen: Völlig random angeordnete, schwarze und weiße Schnipsel, deren veränderte Sortierung von Kachel zu Kachel für mich absolut keinen Sinn ergab. Bei keiner einzigen dieser Aufgaben hätte ich auch nur ansatzweise erklären können, welcher Lösungsvorschlag der Richtige ist. Warum nicht? Ich weiß es nicht. Es war für mich ein Buch mit sieben Siegeln.

Heißt das, dass ich doof bin? Nein, denn nobody is perfect. Und eine solche Schwäche ändert nichts daran, dass jemand im Grunde ein ganz patenter Mensch ist. Die einen sind in Logik mies, die anderen in Englisch. Und genau das versuche ich dem Tochterkind auch zu vermitteln. Wir haben heute noch einmal drei Stunden gelernt, mehr können wir beide nicht tun. Und dann reicht das für mich auch.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse, Blaubeeren, Müsli, eine Nudelpfanne mit Lauch, Karotten und Zucchini, heute Abend einen großen Teller Gemüseallerlei mit Soße. Und jetzt noch zwei Maoams.

Gelesen: This is my dog. My dog is bigger than your cat. Our family lives in London. Where do you come from? („Mama, warum heißt Where wo, aber WHO wer?“ Zum Glück hat uns „Who let the dogs out“ als Eselsbrücke geholfen.)

Gesportelt: 5km zügig spaziert, 1,25km Bahnen geschwommen.

Gefreut über: Dass offenbar der Groschen ein bisschen gefallen ist, sie hat heute wirklich spürbar mehr Freude an der Sache entwickelt und sich den Stoff tapfer erarbeitet.

15/11/23 – Tag 29 – Vom Regen, der Traufe und meinem Leben als Motivationscoach

Ich

Gestern noch stolz und glücklich über gute Deutschnoten, heute am Boden zerstört, wegen eines versemmelten Vokabeltests. Herzlich Willkommen beim schulischen Wetterbericht des Tochterkinds – heute waren da eher Schauer angesagt. Ich habe meinen Nachmittag also mit möglichst viel Motivation verbracht, habe einerseits das Drama etwas relativiert und andererseits aufs notwendige übenübenüben hingewiesen. Und versuche auch morgen wieder, den Unterschied zwischen they’re und their zu erklären. Nein, das ist nicht dasselbe. Nein, in old ist kein u, auch wenn man’s hört. Und nein, nur weil man tschähr sagt, ist da kein T drin und erst recht kein ä. Im Moment sieht es danach aus, als hätte sie das Sprachtalent meines Mannes geerbt, oder wie ich dem Universum sagen möchte: Sänk ju for überhaupt nix.

Aber: Kopf hoch und weitermachen. Die Welt ist entgegen ihrer Annahme nicht spontan untergegangen. Ich müsste eh noch Wurzelbürsten, Badezusatz und Senf besorgen. Höhö. Am Freitag steht die erste Englisch-Klassenarbeit an, über extra gedrückte Daumen freuen wir uns natürlich. So für alle Fälle. Also … Kasi. (Bin kein Lateiner, Mehrzahl von Kasus? Kaukasus?)

Vor lauter Üben ist mein Hirn jetzt ein bisschen Brei. Ich werde mich jetzt nur noch auf die Couch setzen und dem Reacher frönen. Und zwei bis elf Vanillekipferl dazu essen. Ah, apropos Brei: Bin ein bisschen stolz aufs Mittagessen, habe das erste Mal Canneloni gefüllt. Das Prozedere war allerdings ein wenig … verbesserungsfähig. Die aus einem Gefrierbeutel selbstgebastelte Spritztülle hielt dem gehackten Blattspinat lange stand, bis die Köchin mit brachialer Gewalt versuchte, den Inhalt der Tülle durch das verstopfte Ende in das Nudelröhrchen zu drücken. Mit einem leisen pffflätsch fand die Spinat-Frischkäsemischung ihren Weg an die geflieste Wand hinter der Arbeitsplatte. Vorbei am Nudelröhrchen. Ab da füllte ich die Röhrchen mit den natürlich gewaschenen Fingern, was ein ordentliches Gematsche war. Blöderweise war das Ergebnis ziemlich lecker, so dass das wohl öfter auf dem Wunschzettel landen wird. Oder wie mein Kind zu meinen Kochkünsten sagen würde. „My mother is a good cookie.“

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse mit Kaki und Mandelmus, zweimal gefüllte Canneloni (einmal frisch, einmal aufgewärmt) und jetzt noch irgendwas Ungesundes für die Nerven.

Gelesen: „Bitte gibt ihm das Mäppchen.“ „Die Uhr steht unter dem Tisch.“ „Ist das Deine Katze?“ „Meine Eltern sind im Geschirrschrank.“ Und nicht vergessen: he, she, it, das s muss mit.

Gesportelt: 3km spaziert, 25 Minuten Bodyweight, 11 Minuten gerudert, 1 Minute geplankt.

Gefreut über: Auch wenn’s doof klingt: Dass mein Kind vertrauensvoll mit schlechten Noten heimkommt und sicher sein kann, dass man ihm nicht den Kopf abreißt.

14/11/23 – Tag 28 – Von Plänen, die aufgehen, von fliegendem Käse und von Erfolgserlebnissen

Ich

Es ist der dritte Abend in Folge, an dem das Kind (eher gefrustet) und ich (eher entzückt) die Schwarze-Brett-App konsultieren. Das Kind gefrustet, weil nix ausfällt, ich entzückt, wegen weil. Seit Freitag findet der Unterricht wieder so statt, wie ihn der Stundenplan vorsieht. Das erspart mir a) die morgendliche Taxifahrt, weil es keinen Bus zur zweiten Stunde gibt und b) den A…lmanach voll Hausaufgaben, der anfällt, weil der erkrankte Fachlehrer optimistisch portionierte Arbeitsaufträge weitergibt. (Das Kind macht die Hausaufgaben selbst, schon klar. Aber zum Beispiel bei Fragen wie „Wer bezahlt den Schaden, der entsteht, wenn mein Hund etwas kaputt macht?“ musste ich helfen. Meine juristisch gänzlich unvorbelastete Elfjährige hatte den Begriff „Tierhalterhaftpflicht“ noch nie zuvor gehört. Ich nehme diese gravierende Bildungslücke auf meine Kappe. Schmerzfrei.)

Natürlich könnte ich mir die Fahrt sparen und die Lütte um zwei Minuten nach sieben an der Bushaltestelle abgeben. Und ja, an der Schule gibt es Aufenthaltsräume, in denen sie trocken, warm und womöglich auch ganz gemütlich warten können. Das Ding ist halt – für trockene, warme und gemütliche Aufbewahrung von Kindern ist das Gymnasium nicht gedacht (glaubte ich immer), sondern für Unterricht, über dessen wiederholten Ausfall sich Eltern sehr wohl ärgern dürfen. Wenn ich sie frage, wo sie am liebsten morgens um halb acht trocken, warm und gemütlich ist – sorry Schule, der Punkt geht an mich. Und ob es die erste, dritte oder siebte Stunde ist, die nicht stattfindet – geschenkt. Jede ist eine zuviel.

Und ja, wir werden über die App am Abend zuvor (manchmal auch morgens um halb sieben) rechtzeitig über Änderungen informiert. Das ist verglichen mit meiner Schulzeit, als das Schwarze Brett noch ein physischer Glaskasten mit Aushang war, der morgendliche Überraschungen bereithielt, eine deutliche Verbesserung. Es ändert aber nichts daran, dass der Unterricht ausfällt. Und die Fünfer schon mit dem Friss-oder-stirb-Prinzip starten – entweder sie kommen mit dem verschobenen Stoff-Zeit-Verhältnis klar oder sie werden abgehängt. Dank G8 sogar noch schneller. Und darüber tröstet mich eine warme und gemütliche Leseecke für Wartestunden nicht hinweg.

Wie dem auch sei – für morgen erfährt der Plan keine Änderung (frei nach Loriot), wir nutzen den ÖPNV und eins von zwei Mädels hier im Haus findet das jedenfalls ganz knorke. Das andere hatte heute dafür ein Erfolgserlebnis – eine glatte Zwei in der Deutscharbeit, dazu eine Eins minus als mündliche Note. Ich hab sie seit Wochen nicht so strahlen sehen. Tut allen gut.

Sonst so? Mit Kopfweh gestern ins Bett gegangen, wirres Zeug von meinem Ex-Chef geträumt (WTF?), unruhig geschlafen, mit latentem Brummkopf aufgewacht. Mein Blutdruck, den ich seit einem Jahr mit leichten Senkern im Zaum halte, war heute auch ein wenig starrsinnig. Erkenntnis dabei: Wenn man morgens direkt nach dem Aufstehen und Kaffeemachen Blutdruck misst, kaum, nachdem man auf den Stuhl geplumpst ist, sollte man sich nicht wundern, wenn der hoch ist. Ebensowenig sollte man sich beim zweiten Mal messen über einen noch höheren Wert wundern, wenn man sich derweil über die erste Messung aufregt. (Beide Werte an der Grenze zu dem, was überhaupt als Hochdruck gilt, trotzdem spüre ich das sofort.) Zehn Minuten Sitzen später sah die Welt wieder anders aus. Nach dem Sport schließlich kam ich beim neuerlichen Check auf mustergültige Werte von 118:82. Wäre Reinsteigern eine Olympische Disziplin, ich wäre vorne mit dabei.

Sonst so außerdem? Ich hatte ein sehr sehr sehr nettes Gespräch zu einem beruflichen Thema, außerdem eine tolle Mittagspause mit den weltbesten Kolleginnen, not to call it lunch-date. Es geht nichts über Bürogossip, bei dem man erleichtert feststellt: Es ist, wie es immer ist.

Den Rest des Abends werde ich zuende bügeln, was ich angefangen habe. Wollte ich gestern schon, aber da kam mir The Reacher dazwischen. Man muss manchmal Prioritäten setzen. Und was ich heute nicht mehr schaffe, erledige ich morgen um kurz nach sieben, da ist das Kind nämlich in der Schule. Praise the Lord.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Müsli mit Wurfkäse… als ich nach dem Sport nach Hause kam und mein wohlverdientes Frühstück einnehmen wollte, rutschte mir der offene, halbvolle Becher Hüttenkäse direkt vor dem Kühlschrank aus den Fingern. Ich sah den himmelblauen Aludeckel flatternd gen Boden sinken, den Becher unten aufdotzen, und eine formschöne Fontäne aus milchiger Suppe und weißen Käsebröckchen sich bogenförmig in die Luft erheben, um zum einen auf meinem Oberschenkel und zum anderen im offenen Geschirrrondell auf Schüsseln und Tupperboxen wie ein himmelwärts gerichteter Pfeil aus Proteinen niederzugehen. Fast wäre mir die Lust auf Müsli vergangen. Aber nur fast. Dafür gab’s mittags Essen auswärts – Semmelknödel mit Champignonragout und Salat. Und grade nochmal Müsli, weil keine Lust auf Brot. Diesmal unfallfrei.

Gelesen: Den Deutschaufsatz meiner Tochter. „Umfangreicher Wortschatz“ – das hat sie womöglich auch von mir.

Gesportelt: Erst 3,8 Km draußen spaziert, dann wegen Wetters noch 3,2 weitere indoors. Fünf Minuten Kraft haben mir heute gereicht (war keine Kraft da), dafür bin ich noch 10 Km geradelt.

Gefreut über: Die Deutschnote. Verdient. Das strahlende Kind. Die Tatsache, dass wir den Bus erwischt haben. Die netten Begegnungen heute.

13/11/23 – Tag 27 – Von einer, die viel bügelt und bingewatcht…

Ich

Nach meinem Blusendesaster (Blusen! Nicht Busen!) gestern pflückte ich heute die trockenen Teile von der Leine und begann das Bügeln. Ich gebe zu, ich bin ein bisschen aus der Übung. Aber: Bügeln hat etwas sehr Meditatives. Während man mit der heißen, glatten Eisenfläche über den Stoff gleitet, hat man Zeit, über sich und sein Leben nachzudenken. Vermutlich wird das Welthungerproblem eines Tages beim Bedampfen von Herrenhemdenknopfleisten gelöst. Das Glätten von Falten hat etwas ungeheuer Befriedigendes: Man sieht, was man gearbeitet hat. Während ich mich beseelt durch den Vormittag bügelte und schon überlegte, einen professionellen Bügelbetrieb zu eröffnen, in dem ich den gesamten Tag zischend, gluckernd (das Eisen) und schweigend (ich) meinen Gedanken nachhängen könnte, lief „The Reacher“. Ich habe mir fürs Rudergerät (eigentlich) eine Serie gesucht, die spannend genug ist, mich vom Gedanken ans Sterben beim Rudern abzulenken, aber nicht so fesselnd, dass ich das Rudern dabei vergesse. Wer will schon auf dem Rhein-Herne-Kanal herumdümpeln.

Und weil ich heute nach knapp 25 Minuten Krafttraining überhaupt keinen Antrieb mehr für Cardio hatte, bleib The Reacher aus und ich gönnte mir ein Stückchen davon eben beim Bügeln. Bügeln wird als Sport ohnehin völlig unterbewertet. Fast forward: Ich habe mich, was das Ablenkungspotenzial angeht, getäuscht. Die Serie nimmt zwar anfangs ein bisschen schleppend Spannung auf, allerdings sind … äh … die Protagonisten… also eben der Hauptdarsteller … durchaus sympathisch. Auch ganz oberflächlich … optisch betrachtet. Insofern wäre ich also ohnehin im Ruderboot kanalabwärts getrieben. Ich bin schon ganz froh, dass die Blusen nicht Feuer gefangen haben. So viel dazu.

Ansonsten ärgere ich mich gerade ein bisschen, dass ein bereits frühzeitig bestelltes Weihnachtsgeschenk nicht ankommt. Dabei gab es beim Bestellen sogar nur die Option „per Express“ und für den Aufpreis erwartet man sich eigentlich dann keine Wochenfrist. Ich bin gespannt, ob und wann das Päckchen ankommt.

Sonst so? Das Kind hatte heute planmäßig Unterricht und auch morgen ist noch kein Stundenausfall angekündigt. Da ich die ganze Zeit über die Lücken gejammert hatte, halte ich das jetzt auch für erwähnenswert. Die Krankheitswelle scheint fürs erste durchs Lehrerzimmer gerauscht zu sein, alles läuft nach Plan. Heute stand eine Mathearbeit auf selbigem. Auf meine Frage, „und, wie lief’s?“, antwortete das Kind: „gut, aber die letzte Aufgabe war unlösbar“. Auf mein Seufzen hin, ergänzte sie: „Waaas, hat sogar die Lehrerin gesagt.“ Ja dann. Ich weiß ja auch nicht. Vielleicht wäre es nicht verkehrt, solche Aufgaben VOR der Ausgabe auf Lösbarkeit zu überprüfen. Beim Bügeln eines Oberhemds vielleicht.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse mit … ihr ahnt es. Heute gab es außerdem einen Blumenkohl-Lachs-Auflauf mit Gruyère-Kruste (sehr lecker). Und weil die Portion so reichlich war, gab es den Rest heute Abend.

Gelesen: Italienisch-Vokabeln, Tageszeitung

Gesportelt: 25 Minuten Bodyweight, eine Minute gerudert und dann spontan keine Lust mehr gehabt. Darf auch mal sein.

Gefreut über: Das Lob, das gar nicht mir, sondern dem Tochterkind im Klavierunterricht galt. Endlich haben wir das leidige Klavierstück abgehakt und können jetzt … Weihnachtslieder üben. Schneeheeflöckchen…

12/11/23 – Tag 26 – Vom Überfluss und dem Weg zum Weniger

Ich

Gestern hatte ich damit begonnen, heute habe ich meine Kleiderschrankaktion fortgesetzt. Nachdem die Sommerklamotten in zwei Kisten verstaut waren, hatte ich schon eine halbe große Tasche gefüllt mit alten Shirts, Hosen, Röcken und Kleidern, die ich nicht mit ins nächste Jahr nehmen möchte. Fast forward: Am Ende des Tages stand ich peinlich berührt vor drei mit Berg obendrauf gefüllten Riesentaschen. Ich habe sortiert nach „Kann in den DRK-Container“, „Kann zum Kleiderladen“ und „Kann in den Second-Hand-Shop“. Um den Schwung nicht zu verlieren (und die Klamotten nicht wieder versehentlich irgendwo einzulagern), packte ich die Containertüte gleich ins Auto und machte mich auf den Weg. Ich weiß, dass man Altglas sonntags nicht entsorgen darf, mein Gegoogle hat alledings nichts zu Altkleidern ergeben. Ich gehe davon aus, dass die Lärmbelästigung beim dumpfen „Plumps“ von Klamotten nicht so groß ist, wie Scherben. Also entsorgte ich Socken, Nachtwäsche, alte T-Shirts, alte Jeans und vieles mehr.

Die Kleiderspende-Tüte bringe ich morgen auf den Weg. Ich hatte sogar noch Umstandsmode in einer Tüte unten im Schrank stehen. Aber das Kind ist ja auch erst eerrrrhm (elf).

Vom Versuch, Dinge beim Second-Hand-Shop abzugeben, verspreche ich mir zwar nicht besonders viel, da auch der in Ware ertrinkt, aber trotzdem will ich es mal probieren. Wenn ich dort nichts loswerde, kommt auch diese Tüte in den Kleiderladen oder zu einer anderen karitativen Einrichtung.

Als ich fertig war, hatte ich Platz auf der Kleiderstange, so viel, dass ich die Kleiderbügel mühelos hin- und herschieben konnte. Auch im Schrank daneben war ein ganzes Regalfach übrig. Bis mir dann einfiel, dass es ja noch den Korb gibt. Also „DEN KORB“. Darin lagert Bügelwäsche, die man ungebügelt nicht tragen kann. Die man, wenn man sie tragen will, folgerichtig bügeln muss. Der Grund, warum sie da recht lange lag. Ich gebe es ungerne zu, aber als ich mich bis auf den Grund dieses Korbs durchgestaunt hatte, hatte ich 19 Oberteile in der Hand, deren Existenz ich völlig verdrängt hatte. Keines davon war so, dass ich es hätte in eine der drei Tüten geben wollen. Ich habe sie schlicht als peinliches Mahnmal meines Überflusses erkannt. Vermutlich bin ich nicht die Einzige, die zuviel Klamotten hat. Aber gut fühlte sich das heute nicht an. Es ist noch nicht einmal Fast Fashion, es ist einfach Too much fashion. Meine Jeans trage ich zum Beispiel viele viele Jahre lang rauf und runter. Ich hab halt insgesamt reichlich davon.

Sei’s drum. Ich habe eine Waschmaschine voll Blusen gewaschen und schon einen Teil davon gebügelt. Der Platz zwischen den Bügeln ist dadurch erstaunlich schnell wieder zusammengeschrumpft, aber immerhin sind die jetzt verbliebenen Teile wirklich welche, die ich gerne mag und auch trage. Auch wenn ich sie manchmal bügeln muss. Und sollte ich jemals wieder denken, ich bräuchte eine Bluejeans (14), einen grauen Pullover (6) oder eine weiße Bluse (16), hoffe ich, dass mich der Blitz in der Umkleide trifft.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Zweimal Müsli mit Kokoscrunch und Apfel (einmal früh-, einmal spätstück), zwei Teller Vollkornspirelli mit Lachssoße. Einen halben Lebkuchen für die Nerven und ein paar Nüsse.

Gelesen: Oder eher geguckt – die Böhmermannfolge zum Thema More Nutrition. Absolut sehenswert.

Gesportelt: Nope.

Gefreut über: Die Übersicht in meinem Schrank, das Aufarbeiten von Baustellen, das gute Gefühl, was weggeräumt zu haben. Und die Tatsache, dass es uns einfach sehr gut geht.

11/11/23 – Tag 25 – Von (nicht)stapelbaren Boxen, dem Untergang des Einzelhandels und dem besten Schuhmacher und Ehrenretter der Welt

Ich

Den Einzelhandel unterstützen, vor Ort einkaufen, nicht alles online shoppen – man hört die Mahnungen immer wieder. Ich gebe zu, auch wir bestellen hin und wieder Gewünschtes beim großen Online-Versandhändler. Man kann abends auf der Couch „bummeln“, bestellen und am übernächsten Tag die Ware in Empfang nehmen. Ganz ohne Parkplatzsuche und Zeitaufwand. Wenn ich etwas dringend sofort benötige, nutze ich allerdings gerne die zahlreichen Geschäfte im Umland. Klar, dass wir auch Lebensmittel nicht online kaufen, sondern im hiesigen Supermarkt oder bei der Bäckerei.

Doch manchmal erlebt man im Einzelhandel Dinge, die einen zweifeln lassen. Als ich meinen Mann vor wenigen Tagen in die Werkstatt brachte, damit der sein Auto holen kann, machte ich auf dem Heimweg einen kurzen Abstecher bei einer Bäckerei in einem großen Supermarkt neben der Werkstatt. Ich stellte mich in die Schlange. Die Dame vor mir fragte die Verkäuferin, als sie an der Reihe war, was „denn das für ein Brot ist, rechts neben Ihnen“. Und die? Drehte sich dem ausgestreckten Zeigefinger der Kundin folgend im Zeitlupentempo um. Guckte das einzige Brot an, das im Abstand von zwei Metern da lag. Dann drehte sie sich zurück. „Das da?“, fragte sie, und zeigte ihrerseits auf das einzige Brot, das da lag. „Ja genau“, bestätigte die Kundin. Die junge Frau drehte sich erneut zum Brot um. Sie verharrte. Dann beugte sie sich nahe, wirklich sehr nahe über das kleine Schild, das das Brot wohl beschreibt. Sie studierte es eingehend. Drehte sich erneut zur Kundin um. Die Spannung war kaum auszuhalten.

Und dann gab sie schulterzuckend die Antwort, mit der irgendwie niemand gerechnet hatte: „Äh, das weiß ich auch nicht. Ich glaube, was mit Roggen.“ Die Kundin, sichtlich irritiert, sagte: „Ja … also dann nehm ich das.“ Die Verkäuferin drehte sich erneut zum Brot um. Studierte das Schild daneben, das vor der leeren Auslage in der Plexiglasklemmleiste klemmte. „Also das andere war jedenfalls was mit Roggen. Von daher?“, ergänzte sie schulterzuckend. Im Hintergrund kehrte eine andere Mitarbeiterin den Fußboden. Nachdem ihre Expertise wohl nicht gefragt war, kam sie der jungen Kollegin auch nicht zu Hilfe.

Ich fragte, als ich an der Reihe war, gar nicht erst nach dem Inhalt, ich orderte ein Brot, das mir optisch gefiel, bestellte vier Laugenbrötchen dazu, packte die Brötchen in meinen Korb und auf ihr „schene Abend no“ bat ich dann noch um mein bezahltes Brot, das noch in der Schneidemaschine lag. Da dachte ich ja echt, dass ich den Tiefpunkt in Sachen Kompetenz bereits gesehen hatte.

Bis ich heute in ein hiesiges Möbelhaus kam. Mit der festen Absicht, meinen Kleiderschrank ein weiteres Mal auszumisten, wollte ich, wie bereits zweimal zuvor, zwei transparente Boxen mit Deckel kaufen, damit ich Sommer- und Wintergarderobe von einander trennen kann, um so Platz zu schaffen. Die Boxen hatte ich schnell gefunden, passende Deckel dazu gab es allerdings nirgends. Ich marschierte also zum nächsten Infopunkt und bat dort um Hilfe. „Die Deckel sind bei den Boxen“, bekam ich zur Antwort. „Ich finde aber die Größe für diese Boxen nirgends“, erklärte ich. Seufzend machte sich die Verkäuferin auf den Weg zu den Boxen, um dort festzustellen: „Die Deckel für Ihre Box gibt’s nicht.“ Nach nur fünf Minuten waren wir also immerhin auf dem selben Stand.

Ich erklärte, dass es ja für alle anderen Größen dieser Plastikboxen sehr wohl Deckel gebe und fragte, ob meine Gesuchten womöglich noch irgendwo am Lager wären. „Nein, sind sie nicht. Wenn sie nicht hier sind, gibt’s die nicht.“ Etwas ratlos stellte ich die Boxen zurück. Die Verkäuferin verschwand wieder.

Ich entschied mich schließlich für andere transparente Boxen, allerdings tauschte ich die hässlich grünen Deckel gegen graue der selben Box. Die Boxen mit den grauen Deckeln waren nicht transparent, die transparenten Boxen hatten hässliche Deckel. Ansonsten waren die beiden Boxen aber völlig deckungsgleich und natürlich aus derselben Serie desselben Herstellers. Ich hatte mir zwei Boxen zusammengesucht und stand schon in der Kassenschlange, als die Verkäuferin angewieselt kam.

„Entschuldigung, die Kollegin sagt, die grauen Deckel gehören zu den anderen Boxen. Das können Sie so nicht kaufen.“ Ich stutze. „Ich möchte aber transparente Boxen“, erklärte ich. „Die gibt’s nur mit grünen Deckeln.“ „Es sind doch aber dieselben Deckel?“ „Ja aber das geht nicht. Außerdem ist die Farbe der Deckel doch auch egal, oder?“, befand sie. „Ja? Mir aber nicht. Dann nehme ich die grauen“, wagte ich einen letzten Versuch. „Nein, das geht nicht, die gehören ja zu der anderen Box.“

Seufzend trug ich meine beiden Boxen (für 19,90 das Stück!) zurück. „Ich wollte ja ohnehin lieber diese anderen, aber da gibt es keine Deckel mehr dazu“, erklärte ich. Worauf die Verkäuferin erläuterte: „Ja, das sind Stapelboxen, für die brauchen Sie keinen Deckel.“

Ich: „Wie soll ich Sie denn dann stapeln?“

Sie: „Na so, ineinander. Leer.“

Ich: „Ich möchte doch aber keine leeren Kisten stapeln. Und wenn sie voller Klamotten sind?“

Sie: „Dann können Sie die nicht mehr stapeln.“

Ich: …

Sie: …

Ihr ahnt es: Ich verließ den Laden ohne Box. Und ohne Deckel. Aber gefrustet.

Um kurz danach im Baumarkt nebenan ein paradiesisch anmutendes Hochregal voller Plastikboxen nebst ausreichend Deckel in allen Farben und Größen vorzufinden. Zum halben Preis. Also habe ich dann doch den Einzelhandel unterstützt, halt wo anders.

Mein Highlight allerdings war dann der unfassbar nette Mensch in der kleinen Schuhmacherwerkstatt, dem ich gestern meine Louboutins anvertraut hatte. Mir war eingefallen, dass bei den Schuhen auch Ersatzabsätze dabei gewesen waren. Also hatte ich mich erneut auf den Weg gemacht, dem Schuhmacher, der gestern noch skeptisch war, ob er „Pariser System“ (?) reparieren kann, die Ersatzteile nachzuliefern. Ich hatte meinen Abholschein noch nicht einmal aus der Geldbörse gefriemelt, als er grinsend sagte, „weiß ich, die mit die roten Sohlen“. Er verschwand ums Eck und kehrte mit völlig intakten Schuhen zurück. „Hab ich gestern noch getüftelt. Langen Stift abgeschnitten, hat gepasst. Bringst du die nächstes Mal glei mit“, sagte er mit dem Blick auf mein Mitbringsel. Für Schuhe wie neu habe ich 13 Euro bezahlt (15, inklusive Trinkgeld) und für heute war die Ehre des Einzelhandels und der Dienstleistungsbetriebe vor Ort wieder hergestellt.

Den Rest des Tages habe ich voller Tatendrang meinen Schrank ausgeräumt und drei riesige Tüten aussortiert. So langsam nähere ich mich der Capsule Wardrobe, von der ich immer träume. (Zu meinem Entsetzen fand ich sogar noch eine Tüte voller Umstandsklamotten. Ähem. Das Kind ist elf.) Eine weitere Tüte geht in den Second-Hand-Laden, zwei Blazer in die Reinigung.

Die Sommersachen habe ich übrigens ebenso dezimiert und den Rest in die Boxen verräumt. Und die habe ich dann bedeckelt und gestapelt, WEIL ICH’S KANN. HA.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Hüttenkäse mit Kaki und Kokoscrunch, Kürbiscremesuppe, noch mehr Kürbiscremesuppe, ein Käsebrot, einen Pflaume-Zimt-Lebkuchen und eine Hand voll Nachos.

Gelesen: Diverse Blogartikel zum Thema Capsule Wardrobe, die neue Cosmopolitan. Spannende Ausgabe.

Gesportelt: Nein, heute war Räumtag.

Gefreut über: Den tollen Menschen, der meine Schuhe schnell und zuverlässig wieder schön gemacht hat. Sie waren mein Highlight heute!

10/11/23 – Tag 24 – Von roten Sohlen und dem Zuviel von allem

Ich

Aufgeschobene Dinge erledigen – als ich vor meiner Auszeit gefragt hatte, was ihr mit so viel freier Zeit anfangen würdet, war das eine ziemlich häufige Antwort. Ich habe heute mittag endlich das Paar Lieblingspumps zum Schuhmacher gebracht, das seit einem Jahr ein gelangweiltes Dasein im Schrank fristet.

Der freundliche Herr am Tresen drehte die Schuhe hin und her, begutachtete den Schaden am Absatz, rieb über die rote Sohle und drückte mir schließlich einen Abrisszettel in die Hand. „Kommst Du Dienstag gucken, wenn ich hinkriege, zahlst du Dienstag.“ Hoffen wir das Beste.

Vor zwei Tagen hatte ich bereits Küchenfronten abgewischt. Die Kleiderschränke stehen auf alle Fälle auch noch auf dem Plan. Grundsätzlich besitze ich nicht nur genug, sondern ziemlich sicher zu viele Klamotten. Ich greife seit Jahren zu schwarz, weiß, grau, camel oder dunkelblau, im Prinzip lässt sich das alles untereinander in endlosen Varianten kombinieren. Wirklich brauchen würde ich aber nur die Hälfte davon. Wenn überhaupt. Und vermutlich bin ich nicht die Einzige, die Schränke voll mit Dingen hat, die sich im Lauf des Lebens angesammelt haben, ohne, dass sie eine große Bedeutung haben. Töpfe, Schüsseln, Putzlappen, Bettwäsche, Vasen, Übertöpfe… wir haben von allem zuviel.

Vielleicht gelingt es mir, in meiner Auszeit einen Teil davon loszulassen

Und sonst so? Dass ich jeden Abend mit Muskelkater von der Couch aufstehe, liegt daran, dass ich morgens immer denke, ach, ein bisschen Sport geht noch. Es versteht sich von selbst, dass ich für meine Sportklamotten auch keinen Platz mehr habe, ne? Aber das werden wir ändern.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Proteinriegel, ein ganzer Becher Hüttenkäse mit Kaki, Spinat mit Kartoffeln und Eiern und heute Abend eine TK-Pizza.

Gelesen: workoutpläne und Artikel meiner Kollegen.

Gesportelt: 10 Minuten gerudert, 15 Minuten Bodyweight, 2km gelaufen.

Gefreut über: Das gute Gefühl, etwas erledigt zu haben, die ersten sichtbaren Erfolge des Sports. Und ja, auch über das Pizzastück heut Abend, es muss nicht 105% clean eating sein.

09/11/23 – Tag 23 – Vom Genus, vom Kasus und dem seinem Possesivpronomen

Ich

Ich werde in acht Jahren weniger ein bisschen mein Abitur nochmal machen. Ich weiß noch nicht mit welchem Schwerpunkt, aber das mach ich dann einfach vom Tochterkind abhängig. Heute übte ich schriftlich dividieren, Überschlagsrechnen und Malnehmen, schrieb seitenweise Englischvokabeln ab und überlegte wie man im Satz „Der Rabe Abraxas half der kleinen Hexe“ nach selbiger fragt und welcher Fall das dann ist. (Wem, Dativ). Im Ernst – ich finde es ein bisschen schwierig, dass stundenweise Unterricht ausfällt, man aber gleichzeitig erwartet, dass die Kinder wissen, was ein Genus, der Kasus und das Possesivpronomen sind. Ja, möglicherweise sind die Begriffe im Unterricht gefallen, ich war ja nicht dabei. Vertieft worden sind sie aber mit Sicherheit nicht. Hätte ich heute nicht über zwei Stunden unterstützt und motiviert, erklärt und geholfen, wäre das nix geworden. Es kann natürlich an meinem Kind liegen, ich habe ja nur eins und keinen Vergleich. Ich vermute aber, dass es nicht zuträglich ist, wenn die Kinder tagelang Unterrichtsvertretung haben, die (womöglich fachfremd) halt nach dem Rechten sieht und Arbeitsaufträge weitergibt. Unter qualitativem Unterricht habe ich mir was anderes vorgestellt. Immerhin: Morgen findet der Unterricht stundenmäßig nach Plan statt, inhaltlich gibt’s natürlich wieder Improvisationstheater.

Ich frage mich dennoch, wann sich die Bildungspolitik tatsächlich zum Guten verändert. Wann ausreichend viele Lehrkräfte bereitstehen, wann der Stoff entweder so angepasst ist, dass er in acht Jahren zu einem soliden Abitur führt oder wir zu G9 zurückkehren. Die Vorstellung, dass es 17-jährige (und somit noch immer schulpflichtige) Abiturienten gibt, die über Jahre hinweg mit Binge-Learning (unnützes?) Wissen in sich hineingestopft haben, um es am Tag X abrufen und danach wieder vergessen zu können, macht mich ziemlich ratlos. Ist es das, was wir wirklich brauchen?

Ich bin heute zumindest einfach froh, dass der Tag vorbei ist, der eigentlich total motiviert begann: Ich war fast zwei Stunden beim Sport, nachdem ich das Kind bei der Schule abgeliefert und eingekauft hatte. Ich habe Betten ab- und bezogen und begonnen, den töchterlichen Schrank auszumisten. Und mich nach dem Essen eben in den Stoff der fünften Klasse vertieft. Weil ich noch mit meinem Mann in die Werkstatt fahren musste (also ihm fehlt nix, aber er musste sein Auto holen, höhö), und wir im Feierabendverkehr viel länger gebraucht haben, als erwartet, habe ich meinen Italienischkurs verpasst. Der, das muss an dieser Stelle erwähnt werden – planmäßig stattgefunden hätte. Gnurf.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Einen halben Proteinriegel, eine Banane, zwei Teller Vollkornspaghetti mit Pilzrahmsoße, ein trockenes Laugenbrötchen, eine Handvoll Gummibärle für die Nerven und ein paar Oliven mit Mandeln.

Gelesen: Englischvokabeln, Matheaufgaben, Deutschaufgaben, waaaahhh…

Gesportelt: 23 Minuten Bodyweighttraining, eine Minute geplankt, 15 Minuten gerudert und 1,7 Kilometer gelaufen zum Abschluss.

Gefreut über: Das gute Gefühl nach dem Sport, die heiße Dusche danach, kleine Erfolge beim Dividieren (also die des Kindes, bei mir geht’s ganz gut)

08/11/23 – Tag 22 – Von einer, die heute mal rantet – Stadtbild, Staus und Schulsystem

Ich

Mittwochmorgen, Viertel vor acht. Eine Mutter fährt ihr Kind in die Stadt zur Schule. So beginnen unsere Tage in dieser Woche. Montag, Dienstag, Mittwoch. Das Problem dabei: Jenes Kind besitzt eine Busfahrkarte, hat aber genau eine Anbindung morgens vom Dorf in die Stadt. Und zwar zwei Minuten nach sieben, was dazu führt, dass sie um viertel nach sieben am Gymnasium aussteigt und, bei Entfall der ersten Stunde, bis halb neun dort wartet. Oder aber Mama fährt. Elterntaxis werden abfällig Helikoptereltern zugeschrieben, meist von Leuten, „die früher sechs Tage die Woche in die Schule gelaufen sind. Durch den Schnee. Mit 20 Kilogramm Bücher und Biwakausrüstung. Barfuß und an der Front vorbei.“

Im Ernst – ich würde dem Kind jederzeit die 13 Minuten Busschaukelei zumuten, wenn es a) nicht eine gute Stunde in einem Schulflur sitzen müsste (jaja oder in der Mensa, aber halt sinnlos) weil ich mit dem Jugendticket zwar einen bunten Reigen an zusätzlichen möglichen Fahrten en bloc gekauft habe für ganz BW, aber nur eine Verbindung für die Strecke angeboten wird, die ich wirklich benötige… um 7.02 Uhr … und b) nicht jeder Tag abweichend vom eigentlichen Stundenplan ablaufen würde. Das ist kein Stundenplan, das ist allenfalls eine unverbindliche Themenempfehlung mit Raum- und Zeitvorschlag. Sicher, für erkrankte Lehrkräfte kann niemand was, aber wenn es wochenlang an keinem einzigen Tag funktioniert, ist das Problem größer als ein verschnupfter Mathelehrer. Gesundheit. Vielleicht sollte ich mir überlegen, einen Fahrdienst zu gründen. Ein Eltern-Uber. Oder besser Unter, wie unterirdisch.

Erzähler: Und beim abendlichen Blick in die App stellte sie fest, dass sie auch morgen wieder den Fahrdienst übernehmen würde. Für Freitag werden noch Wetten angenommen.

Vom einen Gemaule zum nächsten, oder fangen wir lieber mit dem Highlight des Tages an – ich habe mich heute Vormittag mit einer lieben Bekannten getroffen, die mir das Internet vor Jahren vor die Füße gespült hat: zu blog.de-Zeiten habe ich Kristina kennengelernt und wir haben uns dann auch im echten Leben getroffen. Und nie aus den Augen verloren, auch wenn uns Bundesländer trennen. Gemeinsam mit ihrem zuckersüßen Sohn saßen wir heute morgen in Tübingen beim Kaffee.

Weil ich bewusst eine Stunde früher dort war, sammelte ich ein paar Schritte in der Stadt. Und jetzt mal ehrlich: Ich war über zehn Jahre nicht dort und für die nächsten zehn reicht’s auch wieder. Woher Tübingen sein Selbstbewusstsein nimmt, ist mir ein ehrliches Rätsel. Zieht man die durchaus renommierte Uni, das Klinikum und ein paar hübsche, bunte Fassaden ab, bleibt nicht mehr viel. Ja, die Altstadt ist historisch und ja, wer enge Gassen und schiefe Treppen mag, wird dort aufseufzen. Spätestens, wenn er übers löchrige (ach ne, historische!) Kopfsteinpflaster stolpert. Aber bei aller Folklore: Die Stadt ist dreckig, der Zustand der Straßen (ganz abgesehn von der teils kreativen Verkehrsführung) in der 2. Reihe ist eine Katastrophe (Flickwerk scheint trendy), das zentral gelegene Parkhaus am Neckar ist heruntergekommen und architektonisch völlig überholt (man wartet in einem uneinsichtigen Sackgasseneck auf den Aufzug, der 2 Personen oder eine Ménage a trois fasst, die mit Nähe kein Problem hat, oder nimmt das beschmierte Treppenhaus, das olfaktorisch an das Elefantenklo der Wilhelma erinnert). Radfahrer haben absolut Berechtigung in Innenstädten, in Tübingen allerdings bin ich zwei mal innerhalb einer Stunde von zwei Radlern ohne Licht, Klingel oder Verstand fast über den Haufen gemäht worden, weil Verkehrsregeln wohl erst ab vier Rädern gelten. Läden öffnen um zehn, die Stadt gibt sich großstädtisch, was zur Folge hat, dass internationale Ketten ihre überall gleich aussehenden Filialen in düstere Mittelaltermauern zwängen. Kann man charmant finden. Oder einfach arg gewollt. Dazwischen: Ein auffallend großer Kosmos aus Flachs, Filz und Fairtrade. Nur festgestellt, wertfrei.

Mein Eindruck war insgesamt ein ernüchterter: Wer Freude an Architekturhistorie und Kultur hat, ist sicher gut beraten, Tübingen mit einem versierten Stadtführer zu erkunden. Genau auf diesem Schatz ruht sich das Städtle offenbar genüsslich aus, denn was vom Image bei genauer Betrachtung bleibt, ist vor allem eins: lauwarme Luft (und wie beschrieben nicht immer wohlriechende).

Nur eines hat mich an Tübingen noch mehr genervt, als die Stadt selbst: Der Verkehr dorthin. Ein humoristischer Straßenplaner mag sich einst gedacht haben, komm, wir bauen eine Bundesstraße vierspurig aus und dann machen wir just bei Bodelshausen dem Ganzen ein Ende, erschaffen ein heilos überfordertes Nadelöhr und packen dann, wenn sich die linke Spur in die rechte einfädeln muss, noch eine Aufschleifung von rechts dazu, die sich gleichzeitig nach links einfädeln muss, das wird lustig. Spätestens, als heute morgen eine alte Dame mit ihrem Smart untermalt von einem Hupkonzert durch die Rettungsgasse rollte, eine dritte Spur schuf, und sich, dem irritierten Blick nach, über das Spalier zu ihren Ehren wunderte, war’s nicht mehr so lustig. Seit 30 Jahren laufen Planungen, vermutlich erlebe ich den Ausbau nicht mehr. Dann fahr ich eben Bus. Wenn denn einer fährt. Und guckt, irgendwie schließt sich hier der Kreis. Dann lass ich’s mit dem Gemecker für heut einfach gut sein.

Die Kurznachrichten des Tages:

Gegessen: Ein Laugencroissant, zwei Teller Gemüseeintopf mit Nudeln, eine Banane mit Hüttenkäse und Erdnussmus, zwei Käsebrote mit Spiegelei. Und ne Hand voll Nachos.

Gelesen: Historische Beschreibungen an Hauswänden. Ansonsten Tageszeitung.

Gesportelt: 3km durch Tübingen

Gefreut über: Kristina und Felix und seine „Donis“ 😃