Ran an die Kartoffeln!

Die erste Woche ohne Schule ist gestartet und wir haben das gemacht, was wir sonst montags nie tun: Geschlafen bis um acht. Weil wir’s können. Und weil ich heute Nacht nicht wirklich gut geschlafen habe. Und wenn ich mal wach bin und mein Hirn anfängt zu arbeiten, dann ist es nicht mehr zu bremsen. Und weil die Nacht zu kurz war, um meinen Plan für den Weltfrieden zu Ende zu denken, habe ich mich mal um den häuslichen Frieden der nächsten fünf Wochen gekümmert. Und ich hatte echt viele gute Ideen, die ich gerne mit euch teile. Zwar war der Plan, LaSignorina eben NICHT zum Mamabastelblog zu machen, aber ja mei – besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Denn das Gute liegt völlig nah. Wir befassen uns mit dem Alltäglichen: Wir erarbeiten uns gemeinsam Themen, die uns begegnen. Das können die ersten Frühblüher sein, das können Tiere im Wasser sein, das könnte Musik oder Geschichte sein oder eben was ganz Banales wie unser Essen.

Lesen Sie also heute in der beliebten Reihe „Ernährungswissen für Kids“: Die Kartoffel. Weil es die zum Mittagessen gibt.

Die Kartoffel

Hand aufs Herz, liebe Mamas: Wo kommt die Kartoffel her? Wie viele Sorten gibt es? Wie wird sie angebaut? Ich habe mich auch erstmal schlau machen müssen, aber jetzt ist ein doppelseitiges Info-Blatt mit Fragen zum Text entstanden und das Kind ist schon eifrig am Vorlesen, Anmalen und Ausfüllen.

Hier gibt es einen guten Link für Kinder zum Thema Kartoffel, mein selbst erfundenes Arbeitsblatt gibt’s hier:

Wer übriges Lust auf exotische Pommes hat, sollte unbedingt mal Zimt-Pommes ausprobieren.

Tomaten-Zimt-Pommes

Kartoffeln schälen, in Streifen schneiden und in eine Schüssel mit kaltem Wasser geben. Zwei Teelöffel Olivenöl mit einem Esslöffel Tomatenmark, einem Teelöffel Zimt, einem Teelöffel Pfeffer und einem Teelöffel getrockneten Basilikum vermengen. Die Kartoffelstifte abtropfen lassen, in dem Ölgemisch schwenken und bei 180 Grad ca. 35 Minuten backen.

Dazu passt wunderbar eine vegane Mandel-Mayo, die ich Euch wirklich wärmstens ans Herz legen kann.

Mayo mit Mandelmus

Zwei Esslöffel Mandelmus mit 100 ml Wasser, dem Saft einer Zitrone, 200 ml Öl, zwei  Teelöffeln Senf, Salz, Pfeffer sowie je einem Teelöffel Gemüsebrühe, Kurkuma und Paprikapulver mischen und mit dem Pürierstab zu Mayonaise aufmixen. Im Kühlschrank wird sie noch ein bisschen fester. Die Mengenangaben ergeben ein ordentliches Töpfchen voll, am besten ihr lehnt Euch aus dem Fenster und ruft die Kids aus der Nachbarschaft zum Pommesessen zusammen. Nur so als Tipp.

Und nach all den kulinarischen Leckereien widme ich mich jetzt meinem nächsten Blatt: Die Karotte. Vielleicht haben wir nach fünf Wochen einen ganzen Ordner mit Blättern beieinander und sind alle ein bisschen alltagsschlauer. Mein heimlicher Plan ist ja, dass meine Tochter dann selbstständig kocht, Wäsche wäscht, bügelt und den Haushalt schmeißt. Dann brechen hier goldene Zeiten an. Und sagt nachher nicht, ihr hattet nicht die Chance, mitzumachen.

Und ganz im Ernst: Nie war die Chance größer, den Wissensdurst unserer Kinder zu stillen. Nehmt Euch Zeit für freies Lernen, Zeit für die Fragen, die sonst zu kurz kommen. (Und sagt bitte nicht, dass meine Tochter die Einzige ist, die mich vor unlösbare Fragen stellt wie warum der Himmel blau ist und warum Klaviertasten schwarz und weiß und nicht grün und rot sind und warum Menschen nicht ewig leben und WARUMWARUM) . Erkundet gemeinsam mit Euren Kindern Themengebiete, die Euch bisher unwichtig erschienen oder die ihr schlicht nie auf dem Schirm hattet. Hätte mir jemand vor ein paar Tagen erzählt, dass ich Mathearbeitsblätter und Kartoffelinfos zusammentrage, hätte ich müde gelächelt.

Apropos Mathe: Wer Lust auf Zahlenreihen und Textaufgaben hat: Hier gibt’s Nachschub.

Wer weiß, wohin uns die kindliche Neugier noch führt? Zu den Tieren im Wald? Zu Autos und Flugzeugen? Zum Raketenantrieb, zu Fragen zur Detektivarbeit? Ich bin unendlich gespannt! Und ich bleibe dabei: Die beste Zeit ist jetzt. Machen wir was draus.

Hurra, die Schule … findet daheim statt!

Wir haben noch nicht einmal die erste Woche des schulischen shutdowns angefangen und schon ist das Kind genervt davon. Ja, ihr habt es erfasst: Meine Tochter ist das seltsamste Kind ever, das bei der Aussicht auf fünf unterrichtsfreie Wochen inklusive Ausschlafen das große Heulen bekommt. Sie weiß zwar, dass sie Unterrichtsmaterial mit nach Hause bekommen wird und auch am heimischen Schreibtisch wird büffeln müssen. Aber das reicht ihr natürlich nicht.

Daher ist jetzt mütterliche Fantasie gefragt, um das Kind die fünf Wochen lang zu fördern und zu fordern. Ich habe mir also ein paar Aufgaben ausgedacht und weil nicht jeder Erstklässlerspontanlehrbeauftragte das Rad neu erfinden muss, teile ich sie gerne mit Euch. Weil ich so im Flow war, wird es einen zweiten Mathe-Teil geben und vielleicht auch ein Deutschblatt und ganz vielleicht werde ich in meinem zweiten Leben freiberuflicher Grundschul-Drill-Instructor.

Versteht mich nicht falsch – ich gehöre weiß Gott nicht zu den Supermüttern, die ihr Kind außerschulisch zu weiteren Aufgaben anhalten und in Wirklichkeit immer zwanzig Seiten Stoff voraus sind. (Es sind natürlich 35, was glaubt ihr denn). Aber das Kind bittet mich darum (scary, right?). Und das OBWOHL wir weder beim Babyschwimmen noch in der musikalischen Früherziehung noch im Pekip oder im (auf?) Elba und auch nicht im Säuglings-Feng-Shui waren. Das Kind muss hochbegabt sein. (Denke ich oft. Und dann behauptet sie mit einer an den Papst erinnernden Sturheit, dass 12 minus 4 17 ergäben. Und dann geht’s wieder.)

Und während Mama also muffinmampfend immer neue Rechenaufgaben austüftelt, während das Kind schon vor dem Drucker auf Nachschub wartet, arbeitet Little Miss Einstein enthusiastisch an ihrem IQ. Und wenn sie mal groß ist, wird sie ein Star und holt mich hier raus.

Und jetzt mal Flax beiseite: Klar könnte ich jammern, dass ich jetzt, auch während ich eigentlich arbeiten sollte, eine Siebenjährige am Bein habe, die einfach gar nicht richtig versteht, was auf der Welt grade los ist. Damit tun wir Erwachsene uns ja schon schwer. Das würde aber nur was an unserer guten Laune ändern und sonst gar nichts.

Ich kann die Zeit aber auch nutzen, mein Kind einfach zu genießen. Zuzuhören, wie sie liest. Zuzuschauen, wie sie immer flüssiger schreibt und rechnet, sie ein bisschen geistig zu kitzeln. Je weniger Aufhebens wir um den Zustand machen, desto leichter ist er zu ertragen. Wir machen es uns einfach schön. Und jetzt muss ich leider los. Hannah braucht Hilfe bei den Chinesischvokabeln. Ihr versteht das.

Viva Coronia, oder: Wie man mit Krisen umgeht

Mein Opa hat selten vom Krieg erzählt. Aber wenn, hatte ich düstere Bilder im Kopf. Kriegszeiten waren für mich schwarz-weiß. Nie hat in meiner Vorstellung jemand gelächelt. Nie einen Witz gerissen. Die Zeiten waren Ernst, also waren es die Menschen wohl auch. Und überhaupt – vermutlich hat auch die Sonne nie gescheint, die Jahreszeiten sind ausgefallen. Das öffentliche Leben hat nicht stattgefunden, die Menschen fristeten ein sorgenvolles und freudloses Dasein.

In den letzten Tagen habe ich begriffen, dass das ein großer Denkfehler war. Ich will die Corona-Krise sicher nicht mit kriegsähnlichen Zuständen vergleichen. Aber dennoch ist es ein gesellschaftlicher Ausnahmezustand, den niemand von uns jemals in dieser Form erlebt hat. Hamsterkäufe, ausgesetzte Schulpflicht – all das ist für uns neu und jeder geht anders mit der Lage um. Für mich als Journalistin ist Homeoffice nicht das allergrößte Problem – ich hatte zwei Wochen nach Mailand schon Zeit, mich damit zu arrangieren. Neu ist aber die Form der Berichterstattung – es findet ja schlicht nichts statt, worüber man berichten könnte. Also versuchen wir die aktuelle Situation so unaufgeregt, sachlich und transparent wie möglich für unsere Leser aufzubereiten.

Denn es ist eben jener Denkfehler, zu glauben, das Leben steht irgendwie still, nur weil wir uns in einem Ausnahmezustand befinden. Ich war gestern Vormittag eine gute Stunde laufen. Der Frühling bricht mit aller Macht durch, die Bäume werden grün, die ersten Blüten gehen auf. Während das Leben auf der einen Seite völlig kopf zu stehen scheint, ist es auf der anderen Seite wie immer, als läge nichts im Argen. Und die Menschen, die sich – mit Abstand – begegnen, tragen die Lage mit Fassung und mit Humor. Habt ihr die Videos aus Italien gesehen, auf denen Nachbarn gemeinsam über die Balkone hinweg singen? Großartig! Und genau das tut uns in diesen Tagen gut: Uns bewusst zu machen, dass sich die Erde weiterdreht. Dass wir diese Krise mit Vernunft, Ruhe und Solidarität meistern müssen aber auch meistern werden.

Und glaubt mir, mich trifft es grade auch ganz persönlich. Kommenden Mittwoch werde ich 40, ich hatte mich sehr auf meine große Feier Ende des Monats gefreut. Ich hatte einen Saal gemietet, coole Einladungen drucken lassen und verschickt, den Caterer bestellt. Und gestern Nachmittag mit wehem Herzen aber den Umständen geschuldet alles wieder storniert. Ich bleibe also so lange 39, bis der Virus im Griff ist und wir wieder in Feierlaune sind. Aber dann! (Heute kam ein über und über mit silbernen Pailletten bezogener Einteiler bei mir an, der wartet auf seinen Einsatz!)

Ich habe mir die Entscheidung tatsächlich am Ende leicht gemacht. Ich kann nicht behaupten, dass ich sie gerne getroffen habe, zu sehr hatte ich mich auf einen tollen Abend gefreut. Aber mir war wohler, als ich meinen Gästen die Nachricht geschickt hatte. Es läuft nicht weg, es wird nur besser.

Und gestern Abend, als der Druck dann von mir abgefallen war, habe ich etwas für mich beschlossen: Ganz egal, wie herausfordernd die kommenden Wochen werden mögen, wir werden das Beste daraus machen und gestärkt aus der Krise hervor gehen.

Und mehr noch: Wir werden aus dem Unvermeidlichen nicht nur das Beste machen, wir werden daran wachsen, wir werden die Zeit, die uns geschenkt wird, nutzen. Wir haben Zeit, die wir miteinander, mit unseren Kindern verbringen können. Wir haben Zeit, Rezepte auszuprobieren (die wir aus unseren Vorräten neu kreieren können), wir haben Zeit für all die ungelesenen Bücher, für die ungelernten Vokabeln, für die unausgemisteten Schränke. Was wir nicht tun werden, gut zuhören: Wir werden nicht jammern über die Situation. Sie ist alternativlos, da können wir auch genauso gut gut damit umgehen. Wir werden nicht klagen über die Einschränkungen unserer gewohnten Freiheit. Wenn wir jetzt alle miteinander besonnen sind und die Schwächsten in der Gesellschaft durch vernünftiges Handeln schützen, dann haben wir unsere Freiheit bald wieder. Und wir werden uns nicht von irrationalen Ängsten und Sorgen den Schlaf, die Laune oder den Hunger nehmen lassen.

Ich habe gleich heute morgen damit angefangen, meine Gedanken auf das Gute auszurichten: Weil in meinem Kühlschrank noch eine etwas weiche Zucchini und eine ebenso weiche Karotte lagen und wir (in diesen Zeiten erst Recht) möglichst wenig wegwerfen wollen, habe ich mir ein passendes Rezept gesucht. Denn immer nur Gemüse-Nudelaufläufe will ja auch keiner. Obwohl… 🙂 Bereit für ein paar unfassbar saftige, weiche, köstliche Gute-Laune-Muffins?

Das Rezept dafür:

1 Ei, 120g Zucker, 120 ml Öl (ich habe Rapsöl genommen), 100g Karotte geraspelt, 150g Zucchini, fein gestiftelt, 100g gemahlene Mandeln, 200g Mehl, 1/2 Päckchen Backpulver, 100g Zartbitterschokolade, fein gehackt.

Ich habe Ei, Zucker und Öl in einer Schüssel schaumig aufgeschlagen, die restlichen Zutaten hinzugegeben und gut verrührt. Bei 180 Grad im Backofen brauchen die Muffins (in gefetteten Blechen oder in Papierförmchen) 20 Minuten.

Sie sind frisch aus dem Ofen genauso lecker wie abgekühlt. Wie sie morgen schmecken, werde ich Euch vermutlich nicht sagen können. Aus Gründen.

Und weil wir jetzt alle miteinander, die wir Kinder haben, vor der Aufgabe stehen, die die kommenden Wochen zu bespaßen, zu fördern und bei Laune zu halten, habe ich jetzt noch eine Ausmalvorlage für Euch aus alten Beständen. Wer Lust auf „Leben im Wald“ hat, kann sich das Blanko-Bild hier so oft wie beliebt ausdrucken und anmalen. Zeigt mir Eure Werke auf Instagram, ich bin gespannt!

Im übrigen trägt hier vielleicht schon den ganzen Tag jemand den Pailletten-Onsie und während im Esszimmer Stayin Alive in Dauerschlaufe läuft, düdelt das Dschungelbuch aus dem Kinderzimmer und übers ganze Haus legt sich nicht nur der Duft von frischgebackenen Muffins, sondern auch ein etwas skurriler Klangteppich. In diesem Sinne: Ha-ha-ha-ha-Hakuna matata!

Ich packe in meinen Koffer…

…grundsätzlich zu viel. Und während es mir vor dem Urlaub noch einigermaßen Spaß macht, mir zu überlegen, wie das Wetter wohl wird (immer gut) und was ich alles anziehen möchte (von allem etwas und davon reichlich), ist mir das Koffereinpacken am Ende des Urlaubs und vor allem das Auspacken daheim wirklich ein Graus. Unvergessen der Wäscheberg, nachdem ich mit Mann und Kind im Winter (!) zwei Wochen (!) in Norwegen (!) verbracht hatte…

Da war Mailand Ende Februar hingegen völlig harmlos, erstens weil wir nur zu zweit waren und ich nur meinen Koffer packen musste und zweitens, weil selbst ich für vier Tage nicht den halben Schrank einpacke. Und diesesmal hatte ich superpraktische Koffertaschen (Amazon-Affiliate-Link) besorgt, die ich beim abendlichen Surfen auf Amazon zufällig entdeckt hatte.

Das Set besteht aus sechs Taschen mit Reißverschlüssen und Gummizügen, die in jeden normalen Koffer passen und dessen Raum so optimal ausnutzen Ich habe zwei der großen Taschen für Oberbekleidung genutzt, die kleinen für Unter- und Nachtwäsche, einen für die schmutzigen Sachen und einen für Kosmetik. Durch den Gummizug halten die zusammengelegten Oberteile wirklich gut zusammen ohne zu rutschen und damit zu knittern. Was ungetragen ist, kommt einwandfrei wieder raus und kann auch zurück in den Schrank. Das gesamte Set lässt sich übrigens zusammenfalten und in der mitglieferten Tasche platzsparend verstauen. Mein Mann, der für Schnickschnack übrigens nix übrig hat, war so begeistert, dass er auch eins möchte. Und das heißt jetzt wirklich was.

Ganz grundsätzlich habe ich mich in den letzten Jahren beim Shoppen tatsächlich dabei ertappt, wie ich immer wieder zu denselben Farben griff: Schwarz, weiß, grau, dunkelblau. Was jetzt zugegebenermaßen nach Frau Vorstandsvorsitzende klingt, ist absolut nicht langweilig – im Gegenteil, es erleichtert mir das Kombinieren ungemein. Hin und wieder kommt ein Teil in einer anderen Farbe dazu, so griff ich neulich zu einer zartmintgrünen Hose im Marleneschnitt und zum passenden Oberteil mit neongelben Ornamenten. Klingt zwar schräg, zeig ich Euch aber mal. Auch die rote Lederröhre passt auf den ersten Blick nicht ins Farbschema, aber dafür zu allen anderen Farben im Schrank.

Und so hatte ich auch beim Kofferpacken leichtes Spiel: Jeans sind so neutral, dass sie mit weißem Shirt und weißen Sneakern tagsüber zur Stadtbesichtigung ebenso taugen, wie abends unter einem dunklen Blazer mit Highheels. Ein Schal in stimmigen Farben wertet das weiße Shirt ebenso auf wie den dunkelblauen Mantel. Mein Koffer war also gerade einmal dreiviertel voll und ich hätte beim besten Willen nicht gewusst, was ich noch hätte mitnehmen wollen. Auf der Rückfahrt ging der Deckel dagegen grade noch so zu. Ich kann mir nicht erklären, was da passiert ist. Oder vielleicht doch. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mailand – von Hotspots, meinem Orientierungssinn und der Suche nach der Pizzeria.

Mailand steckt auf den ersten Blick nicht so sehr voller kunstgeschichtlicher Denkmale wie Rom, hat nicht den manchmal morbiden Charme Palermos. Mailand ist sehr speziell und eine meiner Lieblingsstädte, wenn es um schnell-mal-hin geht.

Il Duomo

Wer noch nie in Mailand war, muss natürlich als allererstes den unfassbar schönen, in Marmor gehüllten Dom gesehen haben. An dem führt kein Weg vorbei, das beweisen die Touristenmassen, die auch im Vorfrühling il duomo bevölkern, eigentlich la Basilica cattedrale metropolitana di Santa Maria Nascente. Wir haben es auch diesmal nicht geschafft, das Dach zu besichtigen, einerseits, weil uns die Warteschlange abgeschreckt hat (weil keiner vor zwei Wochen das mit Corona so Ernst nahm), andererseits, weil mein Mann mit der Höhe nicht gut kann. Bleibt also auf meiner to-do-Liste für Milano.

Il Duomo di Milano

La Galeria Vittorio Emanuele

Direkt neben dem Dom führt ein opulentes Tor direkt hinein in die wohl schönste Einkaufspassage der Welt. Mosaikböden und Stuck an den Wänden, ein Glasdach, das sich über die vier Gänge wölbt und in der Mitte zu einer Kuppel wird – die Galeria ist wirklich ein architektonisches Glanzstück und Heimat zahlreicher Luxusmarken und Flagstores.

Selbst wenn man dort nichts kauft, lohnt sich der Bummel durch die Galeria, die den Domplatz mit der Scala verbindet.

Der Mailänder Monumental-Friedhof, Cimitero Monumentale

Man muss nicht besonders morbid veranlagt sein, um diesen Friedhof zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zählen. Denn die Gräber sind nicht das, was wir von unseren Friedhöfen kennen, sie sind sakrale Bauten, richtige Kunstwerke. Viele von ihnen übersteigen bei weitem die Größe und Opulenz hiesiger Friedhofskapellen. Eines der berühmtesten Gräber ist das von Davide Campari: Es stellt das letzte Abendmahl dar mit überlebensgroßen Bronzefiguren.

Brera-Viertel

Eines der schönsten Viertel Mailands ist für mich das elegante Brera-Viertel. Enge Gassen, gepflegte Fassaden und schöne (wenngleich sehr exklusive) Schaufenster laden zum Bummeln und zu einem caffè in der Sonne ein. Und wenn ich mal alt bin, also richtig alt, dann ziehe ich nach Mailand und werde einer dieser eleganten Ü80-Jährigen, die im dunkelblauen Twinset mit Goldknöpfen, Stoffhose , Lackballerinas und riesiger, getönter Sonnenbrille durchs Breraviertel flanieren und über die Touristen nur den ondulierten Kopf schütteln. Stay tuned.

Navigli-Viertel

Wer Lust hat, sich ins Getümmel zu stürzen, ist vor allem am Wochenende im Kanalviertel Navigli gut aufgehoben. Ein Restaurant reiht sich ans andere, hin und wieder unterbrochen von einer kleinen Galerie oder einem Kunsthandwerksgeschäft. Wir haben alle unsere Unternehmungen mit der Metro angefahren, die vier Linien decken den Innenstadtbereich gut ab und der Takt ist mit zwei Minuten Wartezeit absolut perfekt.

Milano-Funfacts

Funfact I: Mit meinem Mann war ich zum ersten Mal in Mailand, im Jahr davor war ich allerdings schon mit meiner Mama dort. Dabei hatten wir ganz in der Nähe unseres Hotels eine Pizzeria aufgetan, die die unglaublichste, köstlichste Milaneser Pizza serviert. Ich wollte mit meinem Mann also unbedingt dorthin. Nun hat sich mein Orientierungssinn im Lauf der Jahre durchaus etwas gebessert, möchte ich sagen. Nur hilft einem das nichts, wenn man sich in der falschen Straße wähnt. Während ich also immer aus dem Hotelzimmer aufs vermeintliche Zentrum der Stadt schaute, lag das Zentrum tatsächlich 90 Grad weiter links. Möglicherweise war das auch der Grund, weswegen ich bei google maps ratlos Bilder aller möglicher Pizzerien betrachtete, die (eben nicht) in der Straße am Hotel lagen. Als mir am letzten Tag dann endlich einleuchtete, worin der Unterschied zwischen theoretisch Recht haben und praktisch daneben liegen liegt, haben wir die Pizzeria gefunden. Für alle Zeiten und für mich zum Nachlesen: Sie heißt La Bottega della Pizza con Piccola Cucina und befindet sich in der Via Bruno Buozzi, 102, 20099 Sesto San Giovanni. Google maps ist Euer Freund und das hier ist ein Serviceblog, bittedankegerngeschehen.

Funfact II: Seit Wochen lerne ich eifrig italienisch. Mit meinem „vorremmo pagare“ habe ich jedesmal zuverlässig den Kellner in Gang gesetzt, uns die Rechnung zu bringen. Beim Bezahlen an der Restaurantkasse konnte ich auf die Frage nach dem Tisch zuverlässig unseren Sitzplatz benennen und selbst als die zierliche, dunkelblonde Chefin des Ladens in irrem Tempo runterratterte, was wir alle gegessen und getrunken hatten, kam ich noch mit. Erst als sie mir dann den Betrag nannte und ich eine Sekunde überlegen musste, funkte mein Mann auf deutsch dazwischen und outete uns als Touris. Jedesmal. Aber immerhin hat er keine Gnotschis bestellt.

Funfact III: Wir sind mitten in die Milano Fashion Week geraten und ich war SO kurz davor, im Mini, mit zweierlei Socken in Higheels und dem Hotelbademantel an den Fotografen entlang zu flanieren, die alles geknipst haben, was irgendwie skurril und nach Fashion aussah. Dann fiel mir ein, dass es im Hotel gar keine Bademäntel gibt. Wie meine Modelkarriere endete, bevor sie begann, danke für nichts.

So. Jetzt warten wir alle, bis Corona durch ist und dann kommt Mailand wieder auf die Liste der Sehnsuchtsorte. (Vermutlich wäre die Schlange zum Domdach jetzt nicht so lang, na, wer traut sich? 😉 )

Ferien auf Sagrotan oder: Wie wir mit der Corona-Angst (nicht) umgehen

Ihr Lieben, ich gebe zu, ich habe noch nie leere Supermarktregale gesehen. Schulterzuckende Verkäuferinnen, die nicht wissen, wann es wieder Mehl gibt, kenne ich allenfalls aus Filmen über die DDR oder aus kommunistischen Systemen. Dass ich mal vor ausgeräumten Regalen stehe, an denen lediglich das Schildchen noch daran erinnert, dass die Dosenravioli 2,99 Euro gekostet hätten, wären noch welche da – bisher eine absurde Vorstellung. Und nicht nur, dass uns jetzt die Vorsichtsmaßnahme in die häuslichen Schranken verweist, ich höre und sehe auch von Familie, Kollegen und Freunden, dass die Hamsterkäufer real sind. Dass es Menschen gibt, die wohl mittlerweile auf Nudelbergen und Fischkonservendosen hocken und sich locker ein paar Wochen von Dosenfutter ernähren werden müssen.

Sei kein Eichhörnchen!

Und nicht nur Lebensmittel, auch Desinfektionsmittel sind nicht mehr zu bekommen. Nirgendwo heißt es, desinfizieren Sie sich von oben bis unten, bevor Sie das Haus verlassen. Es heißt, waschen Sie öfter als sonst die Hände. Da ist Seife gemeint, nicht Sagrotan. Ich habe von Mütterwhatsappgruppen gehört, die sich über die desinfizierende Wirkung von Domestos austauschen. Wäre ich Teil dieser Gruppe (ich weiß, warum ich mich seit jeher davon fernhalte) käme ich nicht umhin, den Tipp zu geben, mit Domestos zu gurgeln, der umfassenderen Problemlösung halber.

Und so komme ich zu dem Schluss, dass mir der Virus an sich zwar gewissen Respekt abringt und ich dem Rechnung trage, in dem ich mich von Menschenansammlungen fernhalte und eben die Hände wasche, wenn ich von draußen komme. Wirklich Sorge bereitet mir aber das kopflose, panische Verhalten dieser Gesellschaft, die es nicht gewohnt ist, mit einer kollektiven Krise umzugehen. Die ichbezogen alles aufkauft, was länger als zwei Wochen haltbar ist und damit sogar diejenigen zu Hamsterkäufen nötigt, die eigentlich gar nicht wollten. Aber wer will schon der Letzte sein, den diese künstliche Knappheit dann wirklich trifft?

Der Mensch scheint ein Herdentier zu sein, das Schutz darin sucht, möglichst all das zu tun, was alle anderen tun. Denken kommt offenbar nach Handeln. Dass dieses kollektive Gefühl der undefinierbaren Angst aber lähmt und unfähig macht, das Richtige, das Vernünftige zu tun, muss jedem bewusst sein, der vor leeren Mehlregalen steht. Der Mundschutz, mit dem sich offenbar jeder reichlich eingedeckt hat, ist denkbar ungeeignet, eine Ansteckung zu verhindern. Und trotzdem wird er gekauft. Sterilium ist bei Ebay zu horrenden Preisen zu bekommen. Baby-Milchpulver ist einfach weggekauft. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die sich fühlen, die aus finanziellen Gründen nicht Unmengen auf einmal kaufen können und mit der Angst leben müssen, zum nächsten Ersten auch nichts mehr zu kriegen.

Was also tun?

Wie gehen wir mit der Situation um? Wir atmen durch (symptomfrei, übrigens) und machen das Beste draus. Wir haben zu essen, wir haben ein warmes Zuhause und stabiles WLan. Wir waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort, fühlen uns aber immer noch wohl und sind einfach nur vorsichtig, aber weit weg von verrückt. Ganz im Gegenteil: Wir begreifen diese Krise als Chance zu verstehen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Ich verstehe, dass Corona vielen von Euch Angst macht. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie beraubt uns unserer Fähigkeit, rational zu handeln, sie setzt im Körper Botenstoffe frei, die uns zur Flucht (und wohl zu Hamsterkäufen) treibt und nährt sich nur noch selbst damit. Denn in den Medien ist der „neuartige“ Virus zu jeder vollen Stunde unter den Top3 der Nachrichtenmeldungen, im Fernsehen sieht man nur noch Atemschutzmasken oder Laborröhrchen oder Ärzte. Man kommt um Corona nicht herum, und wenn man sich den Virus nicht persönlich einfängt, so treffen einen die Nebenwirkungen mit voller Härte.

Also, wie wäre es, wenn wir jetzt einfach alle wieder ein bisschen von unserer individuellen Palme runterkämen? Niemand wird verhungern, niemand wird aus den Augen bluten, niemand wird im Dunkeln leuchten. Wenn alle ihren Menschenverstand benutzen, lässt sich auch diese Krise meistern. Wenn mich also jemand fragt, wie wir mit der Angst umgehen – gar nicht. Denn die Angst muss leider draußen bleiben. Als würden wir uns von einem Umstand beeindrucken lassen, den wir ohnehin nicht ändern können, bitte! Also bleibt vernünftig und bleibt gesund!

PS: Sollte ich nicht Recht behalten und wir werden doch alle im Dunkeln leuchten, dann haben wir wenigstens Schokoladenkekse als Henkersmahlzeit.

Los geht’s!

Neuer Blog. Alles nochmal auf Anfang. Und warum? Ihr Lieben, ich blogge seit nunmehr 14 Jahren, habe das Medium für mich entdeckt, lange bevor es Influencer gab (zum Thema Influenza, bzw. Corona kommt auch noch was, Spannungsbogen kann ich). Zuerst habe ich Geschichten aus meinem Alltag verbloggt, eine Art virtuelles Tagebuch geführt. Dann ging’s eine ganze Zeit lang um Klamotte – meine Güte, da waren bunte Dinge dabei … dann kam unsere Tochter zur Welt und das Blog wurde zum Mamaratgeber.

Und mittlerweile? Mittlerweile bin ich aus allem wieder herausgewachsen. Allein schon der Name www.dailydress.de, wo ihr auch in Zukunft noch alle alten Geschichten nachlesen könnt, sagt aus, dass es um Alltag und eben Klamotte ging.

Ich will gar nicht abstreiten, dass Kleidung und vor allem Schuhe auch heute noch ein großes Ding sind für mich, aber eben kein Hauptbestandteil meines Lebens. Weil ich eine Plattform gesucht habe, die meinem Facettenreichtum gerecht wird, habe ich lasignorina entwickelt. Der neue Blog repräsentiert all das, was ich mittlerweile bin. Denn natürlich habe ich mich insgeheim aus der Mädchenphase herausentwickelt, in der ich zu bloggen begonnen hatte.

Warum la signorina trotzdem so gut zu mir passt? Oft höre ich, dass mir etwas ewig Mädchenhaftes anhaftet. Ich selbst weiß zum Glück, dass ich durchaus mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehe, Verantwortung trage und Entscheidungen treffen kann, aber es gibt schlimmere Attribute als den Charme des ewigen Mädchens. Und genau dieses Leichte und Lebensbejahende verbinde ich mit lasignorina.

Ich freue mich, wenn ihr euch hier von mir mitnehmen lasst in meinen Alltag, der sich zwischen Lokalredakteurin, Grundschultochtermama, Schuhsammlerin und dem ewigen Mädchen bewegt. Ich will Euch inspirieren, motivieren und mit ganz viel Lebensfreude mitreißen, stets die guten und schönen Dinge des Lebens über die Negativen zu stellen. Authentisch und unkompliziert. Ihr werdet Tipps finden, wie ich meinen inneren Schweinehund auf Chihuahuagröße geschrumpft habe, wie ich meine Familie und mich (meistens) gesund ernähre ohne dabei ewig in der Küche zu stehen, wie wir den Familienalltag und unser beider Berufstätigkeit unter einen Hut bringen und vieles mehr.

Und apropos Familienalltag: Der könnte zur Zeit nicht ungewöhnlicher sein. Aus aktuellem Anlass haben wir ein bisschen mehr Familienleben, als wir uns das eigentlich vorgestellt hatten, denn nachdem ich mit meinem Mann vor wenigen Tagen ein wunderschönes, verlängertes Wochenende in Mailand verbracht habe, sind wir jetzt Opfer der Corona-Vorsichtsmaßnahme geworden und alle drei erstmal daheim. Wir machen Home-Office, unsere Tochter hat verlängerte Ferien und arbeitet den Stoff daheim nach und wir vermeiden jeden unnötigen Kontakt mit der Außenwelt, was so ziemlich das Skurrilste ist, das ich seit langem erlebe.

Bevor wilde Gerüchte entstehen: Nein, wir sind keine Verdachtsfälle, wir kommen aber aus dem Risikogebiet und folgen der Empfehlung des Gesundheitsamts, daheim zu bleiben. Das Kultusministerium hat für Kinder, die selbst oder deren Familien in Norditalien waren, dasselbe verfügt. Wir haben alle drei keine Symptome, hoffen wir, dass es einfach so bleibt.

Was uns bleibt – abwarten und Tee trinken. Wir backen Pizza und bleiben mit der Familie und der Außenwelt dank Internet und Telefon in Kontakt, wir Großen gucken mit Begeisterung alle Staffeln von Whitecollar (und sind vermutlich die Letzten, die die Serie für sich entdeckt haben, Corona sei dank), ich habe Zeit, Klavier zu spielen und die vielen Bücher zu lesen, die sich hier angesammelt haben. Wir warten das Ende ab (also das der Inkubationszeit, nicht das der Menschheit, wenngleich man angesichts der leeren Supermarktregale meinen könnte, wenn Corona uns nicht umbringt, dann halt die Hungersnot) und sind guter Dinge, dass alles gut geht.

Meine Hotspots aus Milano gibt’s virenfrei dennoch in den kommenden Tagen hier auf lasignorina.