Von selbstreinigenden Toiletten und der Frage, wer im Haus das Haustier ist

Wir haben gestern unsere Mitbewohner-to-be besucht. Die kleinen Flauschknäuel, die wohl im September bei uns einziehen werden, mietfrei. Ja, sie sind immer noch gleich süß und ja, die Entscheidung steht. Weil das Tochterkind es aber kaum erwarten kann und ich gerne mit dem Gefühl an die Sache heranginge, gut vorbereitet zu sein, waren wir heute in einem Zoofachgeschäft. Oder wie ich im Rückblick feststellen muss: In einem anderen Universum.

Ich dachte, ich hätte eine ungefähre Ahnung von dem, was man für ne Katze in doppelter Ausführung so braucht. Schlafplatz, Futternapf, Kratzbaum, Klo. Schließlich bin ich erwachsen. Ich habe schon Wohnungen eingerichtet, Versicherungen abgeschlossen und einmal erfolgreich einen Garagentoröffner installiert. Wie schwer kann das mit der Katze sein?

Dann habe ich gestern angefangen zu recherchieren. In Onlineshops von bekannten Tierzubehörfirmen gestöbert. Forenbeiträge gelesen (Spoiler: Nicht nachmachen.) Seitdem habe ich den Verdacht, dass Katzenhaltung in den letzten zwanzig Jahren eine stille technische Revolution durchlaufen hat – von der ich keine Ahnung hatte.

Ich war gedanklich wie gesagt noch bei Futternapf, Kratzbaum und Katzenklo. Das Internet hingegen begrüßte mich mit den Worten: „Möchten Sie Ihre Katze rund um die Uhr überwachen?“ Natürlich möchte ich das – nicht.

…oder?

Es gibt nämlich GPS-Tracker, elegant integriert im Halsband. Damit ich jederzeit weiß, wo sich die Katze befindet. Ein faszinierendes Konzept, denn somit wüsste ich, dass sich die Katze exakt dort befindet, wo sie sich befinden möchte. Irgendwo im Gebüsch. Ohne mich. Ich stellte mir vor, wie ich in der Redaktion während der zehn-Uhr-Runde plötzlich blass werde, weil mich die Überwachungsapp per alert informiert, dass sich Emmi und Emil einer Bundesstraße nähern. Das machen meine Nerven nicht mit, fürchte ich.

Dann stolpere ich über ein selbstreinigendes Katzenklo. Vierhundert Euro. Vier. Hundert. Euro. In einer Größe, die meiner Waschmaschine Konkurrenz macht. Was man nicht vergessen darf: Ein Gerät, dessen Kernkompetenz darin besteht, Katzenausscheidungen zu verwalten. Ich muss hier die Menschenklos jede Woche selbst putzen. Für Katzen gibt es ein automatisiertes Sanitärsystem mit intelligenter Reinigungslogistik. Da frage ich mich schon, wer in dieser Beziehung eigentlich das Haustier ist.

Nicht weniger beeindruckend sind die Katzenlaufräder. Sie erinnern ein wenig an ein Hamsterrad, das versehentlich mit Wachstumshormonen behandelt wurde. Ein meterhohes Holzmonstrum, das aussieht, als könnte man darin selbst noch einen Halbmarathon laufen.

Ich stand zugegebenermaßen etwas ratlos in den Gängen dieses Zubehörhandels. Ob wir ein Bett kaufen sollten? Oder lieber eine Kuschelhöhle? Man kann 80 Euro für ein ergonomisch entwickeltes Designer-Katzenbett ausgeben – und ich befürchte, dass die Katzen dann demonstrativ im Karton der Verpackung schlafen würden.

Und das ist längst nicht alles. Es gibt Geräte mit Kamera, Mikrofon, Display und Lautsprecher. Ich könnte unterwegs nach meinen Katzen sehen, mit ihnen sprechen und ihnen Leckerlis zuwerfen. Per App. Das bedeutet, dass ich theoretisch im Supermarkt zwischen Tiefkühlpizza und Waschmittel stehen und sagen könnte: „Na, ihr Bobbeles, wart ihr heute schon brav in eurem Pipifix2000?“ Während meine Katzen wahrscheinlich zur Kamera schauen und denken: „Interessant. Der Dosenöffner ist jetzt 2D und spricht aus der Wand.“

Je tiefer man in diese Welt eintaucht, desto absurder wird sie. Trinkbrunnen mit LED-Beleuchtung. Intelligente Futterautomaten mit Kamera und Sprachfunktion. Katzenhäuser mit Klimatisierung. Irgendwo gibt es bestimmt auch schon eine KI, die miaut, wenn man selbst gerade keine Zeit hat. Oder die Katze keinen Bock. Und dann gibt’s da noch die Robotermaus, die sich per App durchs Wohnzimmer steuern lässt. Mit Laserpointer. Ich könnte also künftig aus der Redaktion ferngesteuert Mäuse durchs Haus jagen. Nicht, weil ich muss. Weil ich kann.

Brauchen die Miezis, wenn sie in ein paar Wochen bei uns einziehen, mehr als Futter und Liebe? Möchte ich irgendwann Freunden erklären, dass ich gerade kurz einen Virenschutz für die Firmware vom Katzenklo aktualisieren muss? Ich glaube, unsere beiden Samtpfoten werden kein Hightech-Klo bekommen, das sich selbst reinigt und dabei vermutlich Startgeräusche wie ein Raumschiff macht. Es wird auch kein XXL-Laufrad im Wohnzimmer stehen, und die Robotermäuse haben wir auch nicht gekauft.

Stattdessen gibt es Näpfe. Ein normales Katzenklo. Einen Kratzbaum. Spielangeln, Bälle, vielleicht ein paar Filzmäuse. Und ziemlich sicher jede Menge Kartons, Papierkugeln und Dinge, die eigentlich gar kein Spielzeug sein sollten.

Ich habe nämlich den leisen Verdacht, dass Katzen seit Jahrtausenden eine erstaunlich einfache Botschaft vermitteln: Hauptsache, das Futter kommt pünktlich, das Personal ist ausreichend streichelbereit und irgendwo scheint ein Sonnenfleck auf den Boden. Den Rest halten sie vermutlich ohnehin für völlig überbewertet. Und wenn nicht, weiß ich ja jetzt, wo es den ganzen Firlefanz gibt.