Vom Wirbel, der Wirbel macht und wie ein „Krrrchz“ die Erlösung brachte

Am Sonntag war ich noch überzeugt, ich hätte meinen Körper neu kennengelernt.

30 Kilometer. 30 Grad. Kaum Muskelkater. Keine Blasen. Ich war ernsthaft beeindruckt. Vielleicht war ich heimlich doch eine dieser Frauen geworden, die Ultratrails laufen und zum Frühstück Chiasamen essen. Mit Kokoswasser.

Gestern Morgen konnte ich dann kaum noch aus dem Bett aufstehen. Nicht wegen der Beine. Das wäre ja wenigstens eine vernünftige Geschichte gewesen. Nein. Ich hatte Rückenschmerzen wie noch nie. Weil es heute morgen eher schlimmer als besser war, beschloss ich, den Arzt zu konsultieren. Die Diagnose beim Chiropraktiker: ein ausgerenkter Lendenwirbel.

„Vom Wandern kommt das eher nicht“, sagte er, während er mich einmal neu sortierte und dabei Geräusche aus meinem Rücken kamen, die ich eher von alten Holzdielen kenne.

Die gute Nachricht: Mein Körper hat die 30 Kilometer offenbar erstaunlich gut verkraftet. Die schlechte Nachricht: Ich bin inzwischen in einem Alter angekommen, in dem man sich beim Schlafen verletzt.

Früher hat man sich beim Skifahren das Kreuz verrissen, beim Umzug einen Hexenschuss geholt oder nach einer wilden Partynacht komische Schmerzen gehabt. Heute reichen offenbar acht Stunden in der Rückenlage.

Man wacht morgens auf und denkt: „Was habe ich denn gestern gemacht?“ Die Antwort lautet: schief geschlafen.

Das ist gleichzeitig beruhigend und beunruhigend. Beruhigend, weil die Wanderung unschuldig ist. Der Rucksack ist rehabilitiert. Beunruhigend, weil mein Rücken offenbar nachts eigene Freizeitaktivitäten entwickelt. Vielleicht sollte ich künftig morgens nicht nur den Wetterbericht checken, sondern auch Körperteile prüfen, wie „heiter bis ulkig“ sie heute drauf sind.

Immerhin kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten: Die 30 Kilometer haben mich nicht kaputtgemacht. Das hat mein Bett erledigt. Wandern ist offenbar ungefährlicher als schlafen.

LaSignorina